Donnerstag, 27. August 2009

Ruanda - zwischen Gedenkstätten und Moderne

Nach gut einer Stunde erreichte ich dann per Bus die Hauptstadt Kigali. Hier gab es noch mehr Erstaunliches: Die Motorradtaxifahrer versuchen nicht, von Touristen einen höheren Preis zu verlangen, der Beifahrer bekommt einen Helm, und alle Fahrer haben eine Uniform und sind per Nummer registriert!
Außerdem ist es sehr ruhig auf den Strassen, es wird wenig gehupt, es gibt Zebrastreifen und die motorisierten Verkehrsteilnehmer halten für Fußgänger an! Das ist neu!
In Ruanda sind Plastiktüten verboten! Beim Einkaufen bekommt man eine Papiertüte – da könnten wir durchaus was lernen!
Reisen Afrika Ruanda Kigali
Mit Hans aus der Schweiz - im Hintergrund das Riesen-Motorrad, Ruanda
Und es gibt Baguette – als ehemalige belgische Kolonie wird hier nicht nur Französisch gesprochen, sondern auch das Essen hat einen französischen Touch! Sehr angenehm nach all den lapprigen Toastbroten der letzten fast drei Monate.
In meinem Hotel habe ich Hans aus der Schweiz kennen gelernt. Ein interessanter Typ. Kommt aus der Baubranche und hat nach einer Krankheit alles zuhause verkauft und tourt nun sechs, sieben oder mehr Jahre per Motorrad um die Welt. Umso besser, dass er die Strecke hinter sich hat, die ich noch bereisen möchte, und er in die Richtung weiter will, aus der ich komme. Dass uns der Gesprächstoff nicht so schnell ausgeht, kann sich bestimmt jeder vorstellen!
Bei Ruanda hat bestimmt jeder noch den Genozid im Gedächtnis, der hier 1994 stattgefunden hat. Innerhalb von 100 Tagen wurden hier etwa eine Million Menschen umgebracht. Es war ein Konflikt, gesteuert durch die Regierung, der vor allem die Minderheit der Tutsi, aber auch moderate Hutus zum Opfer fielen. Die UN hat damals kläglich versagt, zumal das Ganze mit Ankündigung passiert ist, und der Kommandeur das Mandat erweitern wollte, aber leider keine Genehmigung dafür erhielt.
Die Ruander sind ziemlich weit in der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit, es gibt in Kigali ein großes Memorial mit vielen Fotos, Filmen, Ausstellungsstücken und einem Garten mit Massengräbern, in denen 250 000 Tote liegen. Ein eindringliches Denkmal, zumal nicht nur an den Genozid hier in Ruanda erinnert wird, sondern auch an Nazideutschland, das ehemalige Jugoslawien, Armenien, Namibia und die Hereros und Kambodscha unter den roten Khmer.

Hier habe ich Audrey aus Kanada wieder getroffen, mit der ich in Uganda gemeinsam im Murchison Nationalpark war. Sie arbeitet für zwei Monate in der Gedächtnisstätte und konnte mir natürlich einen guten Einblick in die Geschichte, aber auch in ihre Arbeit geben.

Reisen Afrika Ruanda Kigali Gedenkstätte
Gedenkstätte in Ruanda
An einem Tag habe ich mit Hans die Gedächtnisstätten außerhalb von Kampala besucht. Das war ein ganz anderes Reisen – immerhin saß ich auf einem 300 Kilogramm schweren Motorrad mit drauf. Das Erklimmen dieses hohen Motorrades war allerdings nicht ganz ohne. Gott sei Dank ist Ruanda reich an hohen Gehsteigen, kleinen Mauern und groesseren Steinen, die mir das Aufsteigen erleichterten.
Die Gedenkstätten von Ntarama und Nyamata sind sehr verstörend. Es handelt sich um zwei Kirchen, in welchen jeweils 6 000 bzw. 10 000 Menschen umgebracht wurden. Die Schädel und Knochen der Opfer sind in den Kirchen in Regalen untergebracht, die Kleider liegen auf den Kirchbänken verteilt. Es ist nicht einfach, diese Orte zu besuchen, aber auf der andern Seite ist es doch wichtig, sie zu sehen.
Es ist erstaunlich, wie viele Monumente des Genozids es hier im Land gibt, vor allem, wenn man an die Diskussionen bei uns in Deutschland denkt. Bei uns ist es deutlich länger her als 15 Jahre, hier sind sie aber weiter in den Diskussionen, in der Verurteilung der Täter, in der Vergebung der Mitläufer und der Erarbeitung von Schulprogrammen, um der heutigen und den folgenden Generationen zu zeigen, wie es dazu kam, und wie man eine Wiederholung hoffentlich vermeiden kann.

Reisen Afrika Ruanda Kigali Gedenkstätte
Gedenkstätte in Ruanda
An einem Nachmittag habe ich Pierre besucht. Er arbeitet für die Organisation Mission de la Croix Glorieuse. Diese Organisation kümmert sich um Waisenkinder, HIV-Infizierte und sonstige Arme. Wichtig ist, dass diese Organisation nicht einfach Geld an die Ärmsten verteilt, sondern versucht, den Menschen Arbeit zu geben oder sie auszubilden, sodass sie sich eine Arbeit suchen können. Die Waisenkinder wohnen in Gruppen zu je sechs bis acht Kindern mit einer sogenannten Mutter zusammen. Die Gruppen bestehen entweder aus Buben oder Mädchen verschiedenen Alters, sodass das Ganze an eine Familie erinnert. Die Trennung nach Geschlecht muss sein, weil die Kinder einer Gruppe im gleichen Zimmer schlafen. Das System erinnert ein bisschen an die SOS Kinderdörfer, wo auch eine Frau für eine Gruppe Kinder zuständig ist. Über 80 Waisenkinder leben hier und werden von verschiedenen Organisationen unterstützt. Es gibt eine Schule für Kinder ab drei Jahren und eine Grundschule.
Eine toll geführte und gut funktionierende Einrichtung mit eigenen Kühen, Schweinen und Hühnern sowie Werkstätten zur Ausbildung von Schreinern und Schneidern.

Reisen Afrika Ruanda Kigali Gedenkstätte
Schule von Murambi, Ruanda
Ein paar Tage war ich dann mit Hans gemeinsam in Ruanda unterwegs, d.h. er auf dem Motorrad, ich mit dem Bus. Wir haben immer vorher vereinbart, in welchem Hotel wir uns treffen und sind dann zu Tagesausflügen mit dem Motorrad aufgebrochen. Zuerst sind wir von Kigali aus nach Butare gefahren. Das liegt nahe der Grenze zu Burundi. In der Nähe liegt die Schule von Murambi. Hierher flüchteten sich viele tausend Tutsi und Hutus, aber die Milizen haben sie gefunden und alle umgebracht. Die Leichen liegen heute noch in den ehemaligen Klassenzimmern und sind mit pulverisiertem Kalk konserviert worden. Es ist ein schwer zu ertragendes Memorial. Das schlimme ist, dass hier auch sehr kleine Kinder und Babies brutal umgebracht wurden, und man sieht das alles schon sehr genau. Ich war froh, dass ich nicht alleine dort war und das Gesehene mit Hans besprechen konnte.
Am folgenden Tag sind wir weiter nach Kibuye gefahren, ein wunderschöner Ort direkt am Kivusee, wo so richtig Urlaubsfeeling mit Bikini aufkam. Ein See auf knapp 1500 Metern Hoehe, umgeben von Bergen, im See viele kleine Inseln, klares Wasser, ein gutes Hotel und ein Restaurant mit feinem Essen samt Ausblick auf den See – was will man mehr?
Per Bus ist es einfacher, von Butare auf der Inlandsroute nach Kibuye zu kommen, ist aber nicht so spannend und hat nicht die schönen Ausblicke wie die Route am See entlang, die Hans mit dem Motorrad zurückgelegt hat.
So durfte ich am nächsten Tag wieder auf dem Motorrad mitfahren, ein Stück die Holperpiste am See entlang, die er tags zuvor gefahren ist. Es war einfach toll. Hier an dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an Hans, der einen Teil dieser Holperpiste mir zuliebe gleich dreimal gefahren ist! Von Kibuye aus ging es dann weiter nach Gisenyi, das ebenfalls am Kivusee liegt. Hier werden gerade gleichzeitig alle Strassen aufgerissen und erneuert. Da hier auch der Grenzverkehr mit dem Kongo durch den Ort geht, ist es hier unglaublich staubig – von wegen Perle des Kivusees, derzeit eher eine Riesenstaubfahne!
Reisen Afrika Ruanda Kivusee
Kivusee, Ruanda
Von dort aus fuhren wir nach Ruhengeni, wo sich dann unsere Wege trennten. Hans fuhr weiter nach Uganda, ich zurück nach Kigali. Es waren sehr schöne Reisetage mit einem unaufgeregten und unkomplizierten Reisepartner. Ich hoffe sehr, dass er sein Reisebuchprojekt realisieren kann und seinen Traumort für sein Hostel findet. Ansonsten ist die Welt ein Dorf und ein Treffen irgendwo in der Welt alles andere als unwahrscheinlich.
Den letzten Tag in Ruanda habe ich mit Tobi und Barbara aus Österreich verbracht. Barbara arbeitet hier für Unifem, ihr Freund ist gerade zu Besuch hier. Die beiden haben einen Allrad angemietet, und gegen eine Benzinbeteiligung konnte ich in den Akagera Nationalpark mitfahren. Es gab zwar nicht so viele Tiere wie im Masai Mara, aber eine komplett andere Landschaft als im Rest von Ruanda. Hier ist es sehr trocken mit Savanne und Büschen. Wir haben Giraffen, Antilopen, Hippos und Zebras gesehen. Es war ein sehr schöner Tag. Hier auch nochmal vielen Dank an die beiden, dass sie mich mitgenommen haben.
Den letzten Abend verbrachte ich mit Uwe und Andrea aus der Schweiz. Sie haben einen einjährigen Jungen adoptiert, der an diesem Abend zum ersten Mal bei ihnen im Hotel schlafen durfte. Das musste natürlich gefeiert werden, wohl auch die Tatsache, dass er nun endlich schlief.
Ich hoffe das beste für die drei und denke, dass wir uns in Deutschland, in der Schweiz oder sonstwo in der Welt wieder mal treffen!
Das waren die news von Uganda und Ruanda. Morgen gehts nach Tanzania und in ein neues Abenteuer. Gott sei Dank hat die Welt davon noch einiges zu bieten!

Samstag, 22. August 2009

Kraterseen ohne Ende

Im Sumpfgebiet von Bigodi hatte ich wieder mal Glück und habe zwei Holländerinnen kennen gelernt, die mich nach der Tour in ihrem Auto 20 Kilometer mitgenommen haben.

Reisen Afrika Uganda Kraterseen
Kratersee, Uganda
So war es für mich einfacher, zum Nkuburasee zu kommen. Von dieser Abzweigung aus brauchte ich nur noch 30 Minuten mit dem Motorradtaxi fahren und schon war ich am See. Wobei es zugegebenermaßen nicht ganz einfach ist, mit vollem Gepäck (großer Tourenrucksack und kleiner Tagesrucksack) hinten auf dem Motorrad zu sitzen. Bequem ist es jedenfalls nicht.
Reisen Afrika Uganda Kraterseen
Affen bei den Kraterseen, Uganda
Am Nkurubasee habe ich eine Tour zu den Kraterseen in der Gegend unternommen. Hier gibt es jede Menge solcher Seen zwischen Bananen- und Teeplantagen. Sie sind zum Teil über 60 Meter tief, alle angeblich bilharziosefrei (das sind diese kleinen Würmer, die sich durch die Haut bohren und die inneren Organe angreifen). Aber, wie gesagt, die gibt es hier angeblich nicht. Ganz davon abgesehen, war es viel zu frisch zum Baden, immerhin sind wir hier auf fast 2000 Metern Höhe!
Reisen Afrika Uganda Kraterseen
Dorfkind bei den Kraterseen, Uganda


Das nächste Highlight Ugandas war eine halbe Stunde Motorradtaxi, fünf Stunden Minibus und dann am folgendes Tag nochmal drei Stunden Minibus und 45 Minuten Motorradtaxi entfernt: Der Bunyonisee. Dieser See liegt auf 2000 Metern Höhe und ist nur noch wenige Kilometer von Ruanda entfernt. Der See ist wunderschön und von terrassierten Bergen umgeben. Man kennt solche Terrassenfelder eher von Nepal als von Afrika…
In dieser Gegend gibt es aufgrund von Aids sehr viele Waisenkinder. Gleich hinter meinem Hotel lag eines der Waisenhäuser. Hier sind 59 Kinder untergebracht, die von mehreren Erwachsenen betreut werden. Es fehlt eigentlich an allem, die fünf kleinsten Kinder teilen sich ein Bett, sie können sich quer reinlegen, dann passen alle hinein. Andere schlafen auf dem Boden. Der Rohbau eines zusätzlichen Gebäudes steht, ist aber noch weit entfernt von seiner Fertigstellung, zumal derzeit kein Geld da ist, um weiterzubauen.
Die Kinder sind begeistert bei der Sache, wenn Besuch da ist, es wird gesungen und getanzt. Zwei Buben aus dem Waisenhaus haben mich gegen eine kleine Spende für das Waisenhaus auf eine Bootstour zu ein paar der Inseln mitgenommen. Das war eine gute Gelegenheit, mit den beiden ins Gespräch zu kommen. Sie sind insgesamt neun Geschwister, alle im Waisenhaus, die Eltern an Aids verstorben, die beiden jüngsten Geschwister haben durch die Geburt ebenfalls Aids. Da fällt einem eine vernünftige Antwort schon schwer….
Reisen Afrika Uganda Bunyionisee
Bunyonisee, Uganda
Einer der älteren Brüder hat mich dann mit dem Motorrad an die Grenze gebracht. Vielen herzlichen Dank dafür an Gordon, das hat mir bestimmt sehr viel Wartezeit erspart.
Nun war nach vier Wochen in Uganda die Zeit gekommen, nach Ruanda weiterzureisen. Der Grenzübertritt war absolut unproblematisch, für Ruanda brauchen Deutsche noch nicht mal ein Visum zu bezahlen. Stempel in den Pass und fertig! Erstaunlich!



Montag, 17. August 2009

Tinka von Bigodi - ein Homestay

Als erstes bin ich mit dem Bus nach Fort Portal gefahren. Das liegt relativ hoch und ist deswegen ziemlich kühl. Habe mich aber nicht abschrecken lassen und bin mit dem Sammeltaxi weiter in das kleine Dorf Bigodi gefahren (das braucht niemand auf der Karte suchen, da wohnen gerade mal ein paar hundert Menschen).
Reisen Afrika Uganda Bigodi
Tinkas Haus, Bigodi, Uganda
Reisen Afrika Uganda Bigodi
Sumpflandschaft, Bigodi, Uganda
Ganz in der Nähe liegt aber der Kibale National Forest, und da wollte ich unbedingt hin. Zuerst aber zu Bigodi und meiner Unterkunft dort: Ich habe bei der Familie von John Tinka gewohnt. Tinka hat viel für sein Dorf getan, das bis vor 10 Jahren genauso arm war wie viele andere Dörfer Ugandas auch. Hier gibt es aber einen Sumpf, und Tinka hatte die Idee, dass man aus diesem Biotop einen kleinen Park machen könnte mit Stegen für die Besucher, ausgebildeten Führern, die sich mit Fauna und Flora auskennen und hoffentlich vielen Besuchern, die dafür Eintritt bezahlen. Die Rechnung ging auf – seit einigen Jahren kommen regelmäßig Einnahmen durch die Besucher in die Gemeindekasse. Inzwischen hat sich zudem eine Frauenkooperative gebildet, die neben dem Infocenter und Parkeingang einen kleinen Laden mit Kunsthandwerk betreibt, es wurde eine Erdnussbutterfabrik gegründet, eine Mittelschule gebaut und diverse homestays eingerichtet. Letzteres bedeutet, dass Touristen direkt bei Familien wohnen können und dafür bezahlen. Ich habe bei Tinka, dem Mitbegründer des Projekts gewohnt. Das war dann definitiv mit Familienanschluss, denn hier wohnen neben ihm und seiner Frau noch die Oma, die eigenen neun Kinder zwischen acht Monaten und 22 Jahren sowie zwei weitere Kinder aus der Verwandtschaft. Da war gut was los!!!
Untertags waren alle mit diversen Arbeiten beschäftigt wie Waschen und Bügeln, Abspülen, Kochen usw. – Apropos essen, weil das doch immer wieder mal gefragt wird: In Uganda gibt es vor allem Bananen. Das können die süßen Bananen sein, wie wir sie in Deutschland auch kaufen können, oder aber Kochbananen. Die gibt es zu fast jedem Essen als Beilage dazu, das Ganze nennt sich Matoke und schmeckt ein bisschen wie Kartoffelbrei mit leichter Bananennote. Ansonsten gibt es häufig Posho, Maisbrei, und Bohnen, oder gekochtes Rindfleisch oder Huhn.
Wie auch immer, mit Tinka und seiner Familie hatte ich sehr viel Spaß. Abends wurde gesungen, getanzt oder es wurden Geschichten erzählt.
Ich hatte auch das Glück, dass ich auf die Schnelle ein Permit für den Nationalpark bekommen habe. So konnte ich die Schimpansen im Kibale Nationalpark besuchen. Im Normalfall muss man etwa 1-1,5 Stunden laufen, bis der Führer die Schimpansen im Park lokalisieren kann. Auch da hatten wir Glück, wir haben nach 10 Minuten die erste Schimpansenfamilie gefunden. Die Schimpansen sitzen im Normalfall hoch in den Bäumen und sind sehr schwer zu fotografieren. Hören kann man sie aber von weitem, da sie sehr viel miteinander kommunizieren. Die Stunde mit den Schimpansen ging viel zu schnell vorbei. Es war einfach toll!
Reisen Afrika Uganda Kibale Forest
Kibale National Forest, Uganda
Vermutlich ist es bei den Gorillas noch beeindruckender, aber dafür ein Permit auf die Schnelle zu bekommen, ist fast unmöglich, außerdem kostet alleine das Permit dafür 500 Dollar. Das ist dann doch ein bisschen viel. Ich werde mein Glück nochmal in Ruanda versuchen, wobei ich bezweifle, dass es dort preiswerter ist!
Am folgenden Tag habe ich natürlich den Sumpf besucht, in dem ebenfalls viele Affen wohnen, allerdings keine Schimpansen. Dazu kommen viele Vögel und seltene Pflanzen. Hierher kommen inzwischen pro Jahr mehrere tausend Touristen - alles das Verdienst von John Tinka!


Freitag, 14. August 2009

Schulprojekt in Jjanya

Die letzten paar Tage habe ich außerhalb von Kampala in einem kleinen Ort namens Jjanya verbracht. Hier gibt es eine Schule, die von der Regensburger Organisation Ukihi (Uganda-Kinder-Hilfe) unterstützt wird. Durch diese Organisation, auf die ich kurz vor meiner Abreise gestoßen bin, habe ich Kontakt zum Schuldirektor Charles bekommen. Um die Anreise möglichst einfach und kostengünstig für mich zu gestalten und trotzdem zu vermeiden, dass ich unterwegs verloren gehe, hat mich Charles in Kampala abgeholt. Mit einem Sammeltaxi fuhren wir zum nächstgelegenen größeren Ort und dann den Rest zur Schule mit dem Motorrad. Hier sieht man dann schon das Engagement der Ukihi Leute – es gibt einige neue Gebäude, andere wurden renoviert, neu gestrichen oder mit neuen Dächern versehen. Seit einiger Zeit gibt es dank Solarzellen auf dem Dach in einigen Gebäuden Strom, sodass auch abends gelernt werden kann. Außerdem verbindet seitdem ein Computer den Direktor mit der Außenwelt. Auch eine Wasserpumpe gibt es hier, sodass Wasser nicht mehr mühsam von weit her getragen werden muss. Derzeit ist die Pumpe leider kaputt und zur Reparatur in Kampala.

Reisen Afrika Uganda Jjanja
Jjanya, Uganda
Insgesamt 35 ehemalige Straßenkinder leben hier. Sie werden indirekt von Ukihi unterstützt, indem hier Projekte gefördert werden, die der ganzen Schule zugute kommen. Dafür brauchen diese Kinder keine Schulgebühren zu bezahlen. Die Dankbarkeit dieser Kinder und Jugendlichen ist riesengroß, sie wissen, dass das ihre Chance ist, und die kommt nur einmal. Alle wollen möglichst viel lernen, um zu zeigen, dass sie den Einsatz ihrer Förderer wert sind.
Daneben gibt es seit einiger Zeit ein Programm, dass jedes Schulkind dieser Schule mittags eine Tasse Porridge bekommt. Dadurch schnellte die Rate der Schulkinder von gut 600 auf über 700 hoch!

Reisen Afrika Uganda Jjanja
Jjanya, Uganda
Ich wohnte für diese Zeit an der Schule in einem Gästehaus direkt auf dem Gelände, hatte dementsprechend rund um die Uhr Anschluss, hatte in Annette eine sehr gute Köchin und wurde auch sonst von allen sehr umsorgt. Ich werde die Zeit immer in guter Erinnerung behalten und hoffe, dass die Projekte hier in Uganda möglichst vielen Kindern zugute kommen!
Morgen werde ich eine weiter Schule anschauen, sie ist in Nsumba, wurde vom DJK in Regensburg mit aufgebaut und liegt wohl ganz in der Nähe von Jjanya.
Nach der letzten mail war ich noch ein paar Tage in Kampala. Einen Nachmittag verbrachte ich ganz gemütlich mit Rhona bei ihr zu Hause, zusammen mit ihren Söhnen und einer Freundin. Es war richtig schön, dass wir mal Zeit zum Quatschen hatten, ohne Strassenkinder, ohne Slum, etc…An meinem letzten Tag in Kampala bin ich mit Father Caesar nach Nsumba gefahren. Hier liegt die Schule, die lange Zeit vom DJK Regensburg unterstützt wurde. Es gibt viele Gebäude, die mit Hilfe aus Deutschland erbaut wurden, andere Häuser wurden saniert, eine Wasserpumpe installiert, ein Waisenhaus für ganz kleine Kinder gibt es auch. Für diese 50 Kinder sind vier Frauen zuständig. Die Kleinen hingen wie die Kletten an uns Besuchern.
Weil gerade Ferien waren, waren natürlich nur die ehemaligen Straßenkinder in der Schule. Sie haben ja schließlich kein anderes Zuhause. Über 80 Straßenkinder haben hier eine neue Zukunft gefunden – ein toller Erfolg!
Nach all der Zeit mit Father Caesar, den Scouts und mit Rhona ist es doch allmählich an der Zeit gewesen, Kampala zu verlassen. War mal wieder nicht ganz so einfach, aber es gibt in Uganda noch so viel zu sehen.

Mittwoch, 12. August 2009

Murchison Falls National Park, Uganda

Nach einer Woche in Kampala hatte ich das dringende Beduerfnis nach Natur und hatte das Glück, dass bei einer organisierten Tour vom Hostel Red Chilli Hideaway noch ein Platz zum Murchison Nationalpark, dem wohl abwechslungsreichsten von Uganda, frei war. Insgesamt drei Tage verbrachte ich dort. Hier gibt es jede Menge Gazellen, Büffel, Affen, Giraffen…. Es gibt auch Löwen, gesehen haben wir aber leider keinen. Feiglinge!!!


Reisen Afrika Uganda Murchison Falls National Park
Murchison Falls National Park, Uganda
Der Murchison Nationalpark ist nach den Murchisonwasserfällen benannt. Hier schießt der Victoria-Nil durch eine sieben Meter enge Schlucht insgesamt 45 Meter in die Tiefe. Das ist ein Spektakel! Wir haben an einem Tag eine Bootstour unternommen, um die Fälle von unten zu sehen. Das war schon sehr beeindruckend, ganz davon abgesehen gibt es hier viele Flußpferde, die sogar untertags am Ufer grasen. Normalerweise kommen sie erst nachts aus dem Wasser, weil es sonst zu heiß für sie ist. Diese hier wie gesagt waren alles andere als lichtscheue Gesellen und so konnten wir sie gut vom Boot aus beobachten. Am nächsten Tag fuhren wir nochmal zu den Wasserfaellen, die von oben noch beeindruckender sind als vom Boot aus. Allerdings ist der Weg durch die Gischt extrem glitschig, und abgesichert ist dort gar nichts! Ein Ranger ist mit einem Gewehr dabei – das hilft allerdings auch nicht wirklich, wenn hier jemand ins Wasser fällt.

Reisen Afrika Uganda Murchison Falls National Park
Murchison Falls National Park, Uganda
Weil immer wieder Fragen wegen Malariaprophylaxe kommen: Ja, diesmal mache ich Prophylaxe, weil es hier auch die tödliche Malaria Tropica gibt. Für länger als drei Monate Reisedauer kommt nur Doxycyline in Frage, ein Antibiotikum. Es wurde eigentlich für Aknepatienten entwickelt, bis man herausfand, dass es auch zur Prophylaxe taugt. Derzeit vertrage ich es (noch) ganz gut.
Wieder zurück in Kampala habe ich mich mehrmals mit Rhona getroffen. Hier lebt auch ihre Cousine Anna, die mit John aus England verheiratet ist. Das leckere indische Essen von John und der geniale Schokolodenkuchen von Anna werden mir noch ziemlich lange im Gedächtnis bleiben….

Montag, 10. August 2009

Rhona und die Straßenkinder von Kampala

Father Caesar ist nicht mein einziger Kontakt hier in Kampala. So habe ich mich in den letzten Tagen mehrmals mit Rhona getroffen. Sie arbeitet gemeinsam mit vier anderen Frauen mit Straßenkindern. Derzeit leben 15 Straßenkinder in einem Haus, das Rhona angemietet hat. Diese Kinder haben schon mal das große Los gezogen, indem sie nun nicht mehr auf der Strasse leben müssen. Der Prozess aber, sie von dort wegzulocken, soweit zu sozialisieren, dass sie überhaupt an einem Ort bleiben, keine Drogen mehr konsumieren und Regeln akzeptieren, dauert unter Umständen sehr lange, bei manchen, die schon zu lange auf der Straße leben, geht das eventuell gar nicht mehr. Dieses Haus bietet den Kindern eine sichere Zufluchtstelle mit drei Mahlzeiten am Tag, sauberen Schlafmöglichkeiten samt Moskitonetzen, viele und lange Gespräche mit den Frauen und religiöse Unterweisungen. In der Zukunft soll auch für eine schulische oder praktische Bildung der Kinder und Jugendlichen gesorgt werden. Momentan scheitert dies aber noch am nötigen Kleingeld.

Reisen Afrika Uganda Kampala
Rhona mit Straßenkind, Kampala, Uganda
Natürlich wollte ich auch sehen, unter welchen Bedingungen die Kinder vorher gelebt haben. Viele von ihnen kommen aus der selben Gegend, einem Slum nahe der Innenstadt Kampalas. Die Kinder leben in der ständigen Gefahr, von ihren Schlafplätzen vertrieben zu werden, denn auch im Slum muss man für Schlafplätze bezahlen. Wer kein Geld hat, oder wer Bestechungsgelder an Polizisten nicht bezahlen kann, kommt ins Gefängnis, egal, wie alt derjenige ist.
Reisen Afrika Uganda Kampala
Slum im Zentrum von Kampala, Uganda
Die Slums selbst sind nicht besser oder schlechter als in anderen Großstädten der Dritten Welt. Kein fließendes Wasser, unzumutbare Toiletten, Müll überall mit den dazugehörigen Tieren, die im Müll leben, Hütten aus Wellblech, Holzstücken und Plastiktüten oder -folien. Familien mit 5 oder 10 Personen teilen sich wenige Quadratmeter….
Reisen Afrika Uganda Kampala
Gottesdienst im Slum, Kampala, Uganda
Reisen Afrika Uganda Kampala
Ughali mit Bohnen, Kampala, Uganda
Zweimal pro Woche gehen Rhona und die anderen Frauen in den Slum. Hier haben sie ein Haus für diese Termine angemietet, in dem zuerst ein Gottesdienst abgehalten wird und dann kostenfrei Essen an 60 bis 100 Straßenkinder ausgegeben wird. Drogen werden an diesen Tagen nicht akzeptiert, und die Kinder sollen möglichst sauber erscheinen, d.h. sie müssen sich selbst und ihre Klamotten vorher gewaschen haben. Nicht so ganz einfach, unter diesen Bedingungen sauber zu erscheinen…
Definitiv ist so ein Slum ein Angriff auch Augen, Ohren und vor allem Nase. Was ist nun mein Part an der ganzen Sache? Nachdem ich nun mit Geld nicht wirklich gesegnet bin, habe ich mit Rhona vereinbart, dass eine Fotostory den Kindern vermutlich am besten hilft. Das bedeutet, dass ich jede Menge Aufnahmen von der Kindern und Jugendlichen, den Einrichtungen und vom Slum gemacht habe. Natürlich auch von der Essenausgabe im Slum.
Vielleicht kann ich durch meine Arbeit mit den Fotos dazu beitragen, dass sich mehr Menschen für dieses Projekt interessieren. Robinah, eine Cousine von Rhona, lebt in Deutschland und versucht von dort, ihre Cousine zu unterstützen. So die Bilder helfen, diese Arbeit zu erleichtern, dann hat es sich schon gelohnt.
Reisen Afrika Uganda Kampala
Rhona und die ehemaligen Straßenkinder im Projekthaus New Jerusalem
Eine weitere Möglichkeit zu helfen hat sich durch die Spontaneität von Father Caesar ergeben. Er hat sich dazu bereiterklärt, sich mit Rhona zu treffen und sie gegebenenfalls zu unterstützen. Er hat 20 Jahre Erfahrung in der Arbeit mit Straßenkindern und logischerweise viele nützliche Kontakte.













Samstag, 8. August 2009

Father Caesar und die Scouts von Kampala

Reisen Afrika Uganda Kampala
Busbahnhof Kampala
Wieder in Kampala habe ich meine Kontakte in Uganda aktiviert, die ich bereits von Deutschland aus geknüpft hatte. Als erstes habe ich mit Father Caesar telefoniert. Ihn habe ich vor einigen Jahren in Regensburg kennen gelernt, als einer unserer Lieblingskunden ihn und 10 Straßenkinder aus Uganda zum Kirchentag in Köln einfliegen ließ. Das durfte ich damals organisieren, und die Jugendlichen samt Father Caesar besuchten mich damals kurz im Reisebüro.
Langer Rede kurzer Sinn, ich war mit Father Caesar bereits im Vorfeld in Emailkontakt und am Sonntag vor 14 Tagen haben wir uns zu einem Tag der Jugend in einer Kirche außerhalb von Kampala getroffen. Das war ein toller Tag mit einem Gottesdienst, der ganz anders abläuft als bei uns. Sehr viel Musik, Singen, Klatschen, Tanzen usw. …
Danach gab es auf einem großen Platz vor der Kirche jede Menge Vorführungen von Kindern und Jugendlichen, vor allem Gesang, traditionelle Tänze und Sketche.

Reisen Afrika Uganda Kampala
Father Caesar, Kampala, Uganda
Father Caesar hat mich dann auch eingeladen, ein paar Tage mit ihm und italienischen Pfadfindern zu verbringen. Das war eine sehr lustige Truppe, die Pfadfinder waren alle zwischen 18 und 20 Jahre alt, dazu kamen ein paar ältere Semester. Im Vordergrund ihres Besuches stehen Begegnungen mit ugandischen Pfadfindern, Besuche von Schulen, es gibt eine Baumpflanzaktion etc. Ich hatte ein paar wunderschöne Tage mit den Scouts, die alle sehr offen für Neues sind und wunderbar mit den einheimischen Kindern umgehen.



Für mich war es auch sehr interessant zu erfahren, welche Ziele die Pfadfinder verfolgen, wie sie organisiert sind und mit welchem Eifer sie ihre Aufgaben auf der ganzen Welt angehen. Beeindruckend!

Reisen Afrika Uganda Kampala
Schulkinder, Kampala, Uganda