Neues aus Afrika 17 (3. Mai 2010)

Nun war ich also endlich wieder in Agadez. Seitdem ich das letzte Mal hier war, hat sich einiges verändert. Durch die Rebellion, die Banditen und das Ausbleiben der Touristen haben viele Einheimische, die die Möglichkeit dazu hatten, Agadez verlassen. Zurück geblieben sind diejenigen ohne Geld, ohne Job oder Ausbildung und ohne eine Chance, dies zu ändern. Bei vielen Familien herrscht pure Armut, weil niemand Geld verdienen kann, weil es einfach keine Arbeit mehr gibt.

Die Verzweiflung kann durchaus Menschen dazu bringen, anders als normal zu reagieren, und es kann schnell passieren, dass man zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Deswegen hat mir Eva das Versprechen abgenommen, dass ich nur in Begleitung nach draußen gehe.

Evas Haus war immer ein sehr offenes Haus gewesen und ist dies auch geblieben. Daher war es selten ein Problem, jemanden zu finden, mit dem man seine Besorgungen erledigen konnte oder mit Freunden irgendwas zu unternehmen. Eine Umstellung war es allerdings schon, weil ich es natürlich nicht gewöhnt bin, dass ich nicht einfach tun und lassen kann, was ich möchte.

Auf der anderen Seite habe ich die Ruhe, Evas Bibliothek mit Büchern auch in deutscher Sprache, das gute Essen und die Besuche von Freunden sehr genossen.

Von den alten Freunden und Bekannten von 2002/2003 sind nicht mehr allzu viele hier. Die einen waren bei der Rebellion dabei und halten sich noch versteckt, andere leben im Airgebirge, weil es in Agadez derzeit eh keine Arbeit gibt, wieder andere leben in der Hauptstadt Niamey oder gar in Europa.

Aber, wie gesagt, Evas Haus ist nach wie vor ein offenes Haus und es kommen immer interessante Menschen auf Besuch.
Da gibt es den Fahrer und Freund der Familie Assanaga, mit dem ich immer wieder mit dem Motorrad in und um Agadez unterwegs war. Abdou, der ein Händchen für alles elektrische hat, und Bebe, ein Marabout, der sich aufs Maurerhandwerk versteht. Alle drei sind Meister der Gitarre und so manchen Abend verbrachten wir im Hof bei Tuaregtee und Musik. Einfach toll!

Eva baut derzeit gemeinsam mit ihrem Sohn Christof ein Kulturzentrum in Agadez auf. Wir verbrachten viel Zeit dort, es wurden gerade die Wände gestrichen, Möbel angemalt und die Bar installiert.

Als ich das letzte Mal in Agadez war, hatte ich das gleiche Problem wie diesmal – eine neue Frisur musste her, immerhin war ich das letzte Mal vor fünf Monaten beim Friseur…. 2003 habe ich den Fehler begangen, einen einheimischen Friseursalon aufzusuchen. Die drei anwesenden Damen haben sich darum gestritten, wer mir nun die Haare schneidet und haben damals das scheinbar salomonische Urteil gefällt, dass alle an die Frisur dürfen. Nun, das Ergebnis war dementsprechend – einfach schrecklich, die Seiten unterschiedlich lang, vorne viel zu kurz, hinten ein Riesenloch… Ich hatte mich damals geweigert, für diesen fabrizierten Unsinn auch noch zu bezahlen und Eva musste Schadensbegrenzung zuhause betreiben, damit es nicht ganz so krass aussah. Nun, aus Schaden wird man bekanntlich klug.
Diesmal meldete ich mich gleich bei Eva zum Haare schneiden an und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Natürlich gibt es nach wie vor Yachya, den netten Nachbarn gerade eine Parallelstrasse weiter, der so wunderschönen Silberschmuck herstellt. Und nach wie vor findet sich bei ihm immer etwas, das man unbedingt mitnehmen muss.
Yachya hat mich auch auf die Hochzeit einer seiner Töchter eingeladen. So etwas ist selbstverständlich immer spannend. Gefeiert wurde insgesamt zwei Tage mit viel Musik, Trommeln und Tanz. Man konnte ganz zwanglos kommen und gehen, und da es, wie gesagt, eh nur ums Eck war, konnte ich auch alleine dorthin gehen. Logischerweise ein sehr fotogenes Event, weil alle in ihrem besten traditionellen Zwirn erschienen sind.

Ein weiterer häufiger Gast im Hause Evas ist Malam, ein Marabout. Die Marabouts erfüllen in Afrika eine wichtige Aufgabe. Sie sind Seher, Heiler, Therapeuten und religiöser Beistand. Sie schützen vor bösen Zaubern und können einen auch von einem solchen befreien. Ich selbst spürte das am eigenen Leib, litt ich doch seit Oktober letzten Jahres unter üblen Schmerzen an der rechten Ferse, die einfach nicht weggehen wollten. Nun, nach der Behandlung von Malam ist es nun schon deutlich besser und wird wohl hoffentlich bald ganz verschwunden sein.

Tja, der Erfolg gibt ihm Recht. Als mir Malam dann dringend davon abriet, an einem Dienstag zu reisen, ich würde nicht heil mein Ziel erreichen und sollte außerdem Benin komplett überdenken, fiel es mir nicht wirklich schwer, nach einem Flug von Niamey/Niger statt von Cotonou/Benin zu schauen. Der Flug war letztendlich nur ein paar Euro teurer und die letzten Buskilometer reduzierten sich mit einem Schlag von gut 2000 Kilometern auf unter 1000.

Vor allem Übel konnte er uns leider auch nicht schützen, denn eines nachts ist irgend jemand über die an sich wirklich hohe Mauer von Evas Haus gestiegen, am Hund Shakira vorbeigekommen, der sonst jeden anbellt und stellt und hat aus unseren Zimmer jegliches Bargeld geklaut. Fotoapparat, Laptops, Musikanlage und Kreditkarten waren noch da, nur das Bargeld fehlte. Diese Nacht hatten wir alle fünf draußen geschlafen, weil das deutlich angenehmer ist. Trotzdem hat niemand von uns etwas von dem Einbruch mitbekommen, obwohl der oder die Einbrecher keine zwei Meter entfernt vorbei gelaufen sein müssen…
Ein beunruhigendes Gefühl, von der blöden Situation, komplett ohne Bares da zu stehen, mal ganz abgesehen….

Die Polizei kam ins Haus, aber wie sehr häufig in Afrika, machten die Herren Polizisten nicht gerade einen arbeitswütigen Eindruck….

Wir beauftragten neben Malam noch einige zusätzliche Marabouts, uns bei der Suche nach den Dieben behilflich zu sein. Bisher leider ohne Erfolg.
Einer von diesen Marabouts legte mir ans Herz, ein Gris Gris machen zu lassen, also einen Talisman, der mich vor allem Bösen beschützen soll.  Gute Idee, und bei all dem Unsinn, der in der letzten Zeit so passiert ist, schadet das mit Sicherheit nicht…

Nach gut zwei Wochen bei Eva in Agadez machte ich mich auf zur letzten Etappe meiner Reise im Niger: knapp 1000 Kilometer per Bus bis nach Niamey. Die Strasse war 2002 in einem hervorragenden Zustand, aber das hat sich leider geändert, Teile fehlen ganz, andere Stücke sind von Sand überweht. Die Fahrt dauerte 14 Stunden, etwas länger als normal. Das lag unter anderem daran, dass wir erst einen bösen Sandsturm hatten, dann fing es sogar an zu regnen. All das reduzierte die Sicht erheblich, deswegen kamen wir später als geplant in Niamey an, der Hauptstadt des Niger.

Ibrahim, ein Taxifahrer und Freund von Evas Sohn Christof, holte mich am Busbahnhof ab und brachte mich erst mal zu sich nach Hause. Dort gabs dann was leckeres zu essen, eine dringend notwendige Eimerdusche und anschließend bot er mir seinen Teil des Bettes für ein paar Stunden an, er musste eh Taxifahren. So kam ich in den Genuss von ein paar Stunden Schlaf auf der Riesenmatratze gemeinsam mit seiner Frau und den drei Kindern, bis wir uns um 1.00 Uhr nachts auf den Weg zum Flughafen machten.

Der Flug mit Royal Air Maroq bis Casablanca verlief dankenswerterweise komplett unspektakulär und 6 Stunden später war ich in Marokko. Das ist bereits das vierte Mal, dass ich Marokko bereise, allerdings war ich noch nie in der Region Tanger / Rifgebirge. Das wollte ich nun verbinden mit dem Besuch eines alten Bekannten von dieser Reise – Mohsine, den ich in Windhoek im Chameleon Backpacker kennen gelernt hatte.

In Casablanca war es ein absolutes Kinderspiel mit der Weiterreise – man kann vom Flughafen mit dem Zug bis zum großen Bahnhof in der Stadt fahren, dort ging gerade mal 15 Minuten später ein Zug nach Tanger. Gerade genug Zeit, eine neue Simcard zu besorgen, diese aufzuladen und schon gings los!

Nach knapp sechs Stunden kam ich in Tanger an, die Fahrt verging wie im Fluge, hatte ich doch zwei nette junge Frauen aus England im Abteil.

Mohsine holte mich am Bahnhof ab und brachte mich zu einem kleinen Hotel nahe der Altstadt.

Wenn man online über Tanger nachlesen will, gibt es nicht allzu viele positive Kommentare. Ich selbst habe mich hier sehr wohl gefühlt, es gibt auch durchaus einiges zu sehen, die Medina (Altstadt) ist sehr verwinkelt mit weißen, gelben und roten Häusern, kleinen Geschäften und Hotels. Es gibt eine Kasbah (Burg) mit einem guten Museum, ein paar alte Stadttore und immer wieder Ausblicke aufs Meer.

An einem Tag fuhren wir ein bisschen aus der Stadt heraus. Die Gegend außerhalb von Tanger wird bestimmt durch riesige Villen, die meist Ausländern gehören, v.a. Saudis. Es gibt sehr viele Aussichtspunkte sowie die Herkules Höhle mit Blick aufs Meer. Das Guckloch nach draußen erinnert stark an die Umrisse Afrikas, angeblich wurde hier aber nicht nachgeholfen, sondern es ist alles auf natürlichem Wege entstanden…

Von Tanger aus ist es nicht weit bis nach Chefchaouen. Bei meinen früheren Marokkoreisen habe ich es noch nie bis dorthin geschafft, obwohl ich schon immer mal hin wollte.
Von Tanger aus dauert es per Bus drei Stunden. Es sind zwar nur 110 Kilometer, aber die haben es in sich, denn es geht richtig in die Berge.
Chefchaouen ist eine relativ kleine Stadt im Rifgebirge. Hier gibt es eine wunderschöne Medina mit vielen krummen Gassen, ganz vielen blauen Häusern, vielen Geschäften, Hotels und Restaurants. Natürlich ist das Ganze sehr touristisch, aber das hat durchaus seinen Grund – es ist einfach schön hier, sehr ruhig und die Menschen sind sehr gelassen. Letzteres mag zum Teil auch auf das Kif-Rauchen (Hasch) zurückzuführen sein….
Neben der Altstadt gibt es noch die Cascades, die Wasserfälle. Hier waschen die einheimischen Frauen Wäsche. An den Cascades beginnt der Weg zur Moschee, die auf einem nahen Hügel liegt. Von dort aus hat man einen hervorragenden Blick auf die blauen Häuser der Altstadt.

Nach zwei Tagen in Chefchaouen kehrte ich wieder nach Tanger zurück. Für den 01.05. hatte ich keine größeren Pläne, das war immerhin mein letzter Tag. Eigentlich wollte ich den Nachtzug nach Casablanca nehmen, der morgens um 04.30 Uhr in Casa Voyageur ankommt. Mit dem Sprinter dauert es dann nur noch 20 Minuten von dort aus bis zum Flughafen, sodass das insgesamt gut passt mit dem Abflug um 08.30 Uhr nach Frankfurt.
Am Strand von Tanger lernte ich allerdings eine nette Familie kennen, die meinten, dass das so gar keine gute Idee ist, da genau in dieser Nacht auf Sommerzeit umgestellt wird und dadurch schon mal eine Stunde weniger zur Verfügung steht. Ganz davon abgesehen haben die marokkanischen Nachtzüge gerne mal eine oder zwei Stunden Verspätung…. Tja, und auf einmal sieht das alles ganz anders aus und passt gar nicht mehr!
Aber es gab eine Möglichkeit – nämlich den Zug um 17.00 Uhr! Die Hilfsbereitschaft der Marokkaner hat keine Grenzen, so packte die Familie in Windeseile ihre Siebensachen zusammen, und wir fuhren zu meinem Hotel, holten das Gepäck und ab zum Bahnhof.
Die sechs Stunden im Zug vergingen wie im Flug, immerhin hatte ich nette Mitreisende mit an Bord und mein Französisch ist durch die vier Monate in frankophonen Ländern durchaus auch etwas besser geworden.

Um 23.00 Uhr kam ich dann in Casa Voyageur an. Meine Mitreisenden ließen es sich nicht nehmen, mich zu einem preiswerten Hotel ganz in der Nähe des Bahnhofes zu begleiten, immerhin gelten Bahnhofsgegenden in aller Herren Länder nun nicht gerade als die besten aller Viertel.

Tja, und am 02.05.10 endete mein Afrikatrip ganz und gar unspektakulär (in dem Zusammenhang: dankenswerterweise) mit einer kurzen Zugfahrt mit dem Sprinter bis zum Flughafen in Casablanca und einem 3,5 Stunden Flug mit Royal Air Maroq bis nach Frankfurt.  
Ich wusste schon gar nicht mehr, wie kalt 13 Grad sein können – ziemlich kalt!

Nach 333 Tagen (was für eine Zahl!) ist meine Afrikareise zu Ende. Ich war in insgesamt 16 Ländern. Mitgebracht habe ich etwa 15 000 Fotos und habe nun 17 bunte Simcards daheim liegen, habe viele neue Freunde, neue Eindrücke und neue Einsichten gewonnen. Erfahrungen, die mir niemand mehr nehmen kann und die ich hoffentlich auch hier werde nutzen können. Es wird anfangs nicht ganz leicht werden, mich hier wieder einzugewöhnen, aber mein Lebensgefährte Werner und meine Freunde, seien es deutsche, amerikanische und nicht zuletzt die afrikanischen werden mir helfen, mich hier wieder einzuleben. Monica, meine Freundin aus Windhoek, hat das vor ein paar Tagen ganz gut in einer SMS zusammengefasst: Sie meinte, dass ich viel im letzten Jahr in ihrem Kontinent erlebt habe, viel gutes, aber auch schlechtes. Nun sei es Zeit heimzugehen. Ich bin und bleibe ihre europäisch-afrikanische Schwester, bin ein Teil von ihnen geworden und fühle mich hier wie dort zuhause, weil ich das Glück hatte, mir Zeit für die Menschen in Afrika, ihre Kultur und ihre Traditionen nehmen zu können. Ich werde meine neuen Freunde vermissen, genauso wie ich mich freue, die alten Freunde wiederzusehen. Ich weiß aber auch, dass sie Recht mit einer Sache hat: wir werden uns bestimmt bald wiedersehen….

Jetzt, wenn ich diese letzten Zeilen schreibe, bin ich den ersten Tag wieder zuhause. Alles noch ziemlich neu, aber ich bin es ja nun gewöhnt, mich auf neues einzustellen. Also, packen wir es an!

Das ist nun (zumindest momentan) die letzte mail "Neues aus Afrika". Ich freue mich gerade auch jetzt immer über Emails, Anrufe oder SMS.

Viele Grüße nun aus dem derzeit sehr kalten und regnerischen Regensburg

Eure Andy

 

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Neues aus Afrika 16 (23. April 2010)

Es gibt im Leben Dinge, bei denen sich alle einig sind. Das ist beim Reisen nicht anders. Die übelsten Geschichten wurden immer aus Nigeria erzählt – zu viele Menschen (jeder fünfte Afrikaner kommt aus Nigeria!), Chaos, Spams, Internetbetrügereien, Biafra, Religionskonflikte, Sharia, Bürokratie, Korruption – die Liste ist alles andere als vollständig, aber jeder, der durch Nigeria gereist ist, kann davon berichten.

Was sagt uns das? Ein weiteres spannendes Land, oder? Irgendwie muss man doch herausfinden, ob diese Gruselgeschichten der Wahrheit entsprechen oder in den Bereich der Sagen und Mythen gehören….

Wie auch immer, die Straße, die Nordkamerun mit Nigeria verbindet, ist in genauso schlechtem Zustand wie die meisten grenznahen Straßen in diesem Teil der Welt. Man biegt irgendwo im Busch von der Teerstrasse auf eine nicht wirklich als solche erkennbare Piste ab und fährt eine gute halbe Stunde durch den Sand bis zu einer Kleinstadt mit überdimensionalem Markt. Aufgrund des Grenzverkehrs haben diese Grenzorte oftmals Riesenmärkte, weil die jeweils preiswertesten Waren beiderseits der Grenze hier gut verhökert werden können!

Das Passieren der Grenze war absolut unbürokratisch (widerlegt schon mal das Gerücht bezüglich des nigerianischen Papierkriegs) und ging auch ohne Spende meinerseits vonstatten (ins Land kommt man also schon mal ohne Bestechung). Ganz im Gegenteil: die Beamten freuten sich richtig über meinen Besuch, boten mir den bequemsten Stuhl an (das war der mit den vier Beinen!!!), gaben mir eine Tasse Tee und fragten mich brav, auf welche Seite im Reisepass ich den Einreisestempel möchte, um möglichst wenig Platz zu verschwenden. Beim Geldwechseln halfen sie mir auch noch, und der Kurs war noch nicht mal schlecht…

Der Immigration Officer setzte mich nach der Einreiseprozedur auf sein Motorrad und chauffierte mich eigenhändig zum richtigen Sammeltaxi für die Weiterreise nach Maiduguri. Nigeria? Ja, ich war nicht auf einen anderen Planeten gebeamt worden, sondern tatsächlich gerade nach Nigeria eingereist….

In einem extrem altersschwachen Auto, das mit acht Personen samt Gepäck plus Fahrer wirklich bis unters Dach voll besetzt war, ging es dann weiter durch wüstenähnliche Landschaft bis nach Maiduguri, wo wir nach knapp vier Stunden ankamen.
Vandi, der Rezeptionist meines Hotels in Maroua, hatte es sich nicht nehmen lassen, sich auch nach meiner Abreise noch um mich zu kümmern. Telefonisch informierte er seinen Cousin Luka in Maiduguri über meine Reisepläne und schärfte mir ein, Luka anzurufen, sobald ich Maiduguri erreiche. Gesagt, getan, kurz darauf war Luka da und brachte mich ins Gästehaus der Universität.

Am Spätnachmittag begleitete er mich auf den Schwarzmarkt. Banken sind in Nigeria nur von geringem Nutzen, Geld wird auf der Straße bzw. im Markt gewechselt. Bei solchen Aktionen ist es mir immer lieber, wenn ich einen Einheimischen dabei habe. Zum einen traue ich Geldwechslern schon mal aus Prinzip nicht wirklich über den Weg, vor allem, wenn man neu in einem Land ist und den genauen Wechselkurs nicht kennt, zum anderen sehen ja durchaus einige Menschen, dass ich einen größeren Packen Geld eingetauscht habe und den nun logischerweise spazierentrage…. Kein so ganz gutes Gefühl!

Am folgenden Tag setzte mich Luka früh morgens am Busbahnhof für Kano ab. Es dauerte allerdings vier lange Stunden, bis der Minibus endlich voll war und wir endlich starten konnten. Wir waren eine lustige Gruppe, fast ausschließlich Frauen, sodass unsere Reise sehr kurzweilig war. Bei jedem Stopp winkten meine Mitreisenden Mädchen mit Street Food in großen Körben oder Eimern herbei und orderten immer kleine Mengen, sodass ich viele unterschiedliche Snacks probieren konnte!

Nach acht Stunden kamen wir in Kano an. Laut Reiseführer leben hier etwas über drei Millionen Menschen. Ob diese Zahl stimmt, ist sehr fraglich, die Regierung geht wohl von acht Millionen aus und unabhängige Schätzungen gar von 14 Millionen.
Wie auch immer – die Stadt ist riesig, es ist das absolute Chaos auf den Straßen, Autos, Minibusse und Motorräder rasen wild gewordenen Hummeln gleich ohne erkennbare Verkehrsregeln über von Schlaglöchern gesäumte Straßen, die oftmals durch Verkaufsstände auf beiden Seiten extrem eingeengt sind. Dazu kommen Bettler, die sich an Ampeln zwischen die Fahrzeuge zwängen, Wasser- und Zeitungsverkäufer und Buben, die mit Bettelschale durch die staubigen Strassen ziehen…. In Kano gibt es auch Motorradrikschas, die vor allem von gläubigen muslimischen Frauen genutzt werden, die nicht auf einem normalen Motorradtaxi fahren möchten.
All das erinnerte mich sehr an irgendwelche Großstädte in Indien, wenn auch natürlich die Menschen hier anders aussehen.
Kano kann sehr anstrengend sein, deswegen war mir wichtig, eine vernünftige Unterkunft zu haben, in der man sich wirklich erholen kann. Eine solche Unterkunft gibt es im Gästehaus von Ecwa – Evangelic Church of West Africa. Das Zimmer mit eigenem Bad, Fernseher, Ventilator und Klimaanlage kostet den Gegenwert von 20 Euro und ist gut angelegtes Geld.

In Kano gibt es einiges zu sehen, man braucht allerdings schon alleine aufgrund der Größe der Stadt viel Zeit. Für Touristen besonders interessant ist natürlich die Altstadt. Hier gibt es einen großen Emirpalast, den man allerdings im Normalfall nur von außen sehen darf. In der Theorie kann man auch ins Innere und sogar ein Treffen mit dem Emir arrangieren, aber das bedarf eines mehrwöchigen Vorlaufs, den ich natürlich nicht hatte. Aber auch sonst gibt es genügend in Kano zu sehen. Das Zentrum der Altstadt bildet die große Moschee, die in den sechziger Jahren im saudischen Stil erbaut wurde, nachdem der damalige Emir von der Hadsch zurückkam. Davor stand am gleichen Platz eine im typischen Sahelstil errichtete Lehmmoschee.
Ganz in der Nähe der Moschee gibt es die jahrhunderte alten Indigo-Färbereien. Die Löcher mit dem Indigo sind bis zu sechs Meter tief. Diese Löcher werden mit Indigo, Wasser, Asche und Säure gefüllt. Je nachdem, wie lange der Stoff dort eingetaucht wird, reicht die Färbung von sehr hell- bis zu dunkelblau.
In dieser hektischen Stadt war dies einer meiner Ruhepole, wo ich immer wieder vorbeischaute. Einfach am Rand eines nicht benutzten Beckens in Ruhe hinsetzen, mit den ebenfalls gerade ausruhenden Arbeitern die Neuigkeiten des Tages besprechen, mit den Kindern dort spielen, was gibt es denn besseres?

In Kano gibt es zwei sehr gute Museen, die in traditionellen Häusern im Haussastil untergebracht sind. Es sind weniger die ausgestellten Artefakte, sondern vielmehr die Architekturformen der Bauwerke an sich, die spannend sind.

Nicht weit entfernt von Kano liegt Zaria. Per Minibus kann man Zaria von Kano aus innerhalb von 1,5 Stunden erreichen – sobald dieser voll ist. Und das kann dauern…. In meinem Fall waren das fast drei Stunden…. Bei den Minibussen gibt es verschiedene Modelle: am häufigsten hatte ich die Version 2:4:4:4. Das bedeutet, vorne neben dem Fahrer zwei Personen, in den Reihen dahinter jeweils vier. Das ist insofern problematisch, als es eigentlich neben dem Fahrer nur einen Sitz und in den Reihen dahinter nur jeweils drei Plätze pro Reihe gibt. Kinder, Tiere und Gepäck kommen natürlich noch extra dazu. Auf gut deutsch – so ein Minibus ist vollgestopft bis unters Dach!
Bei der Fahrt nach Zaria kam nun verschärfend dazu, dass wir eine sehr querformatige Dame an Bord hatten, die aufgrund ihrer Leibesfülle zwei Plätze brauchte, aber natürlich nicht einsehen wollte, dass sie den doppelten Preis zahlen sollte… Das zog sich in die Länge und deswegen starteten wir auch mit deutlicher Verspätung. Die Einigung beim Fahrtpreis bestand letztendlich darin, dass die Dame nur für einen Platz zahlte, aber zusätzlich einen Obolus für ihr überdimensionales Gepäck…

Zaria ist eine sehr alte Stadt mit einem Emirpalast. Hier durfte ich zwar in den Palast hinein, allerdings nur in den Hof und die äußeren Zimmer. Im Palast habe ich Hamza, einen sehr netten Angestellten kennen gelernt, der sich den restlichen Tag um mich gekümmert hat. So konnte ich nicht nur Teile des Palastes sehen und mit dem ersten Sekretär des Emirs plaudern, sondern er holte auch sein Motorrad und kutschierte mich in der Stadt herum. In Zaria gibt es eine kompakte Altstadt, die von einer hohen Mauer umgeben ist. Einige Häuser sind mit tollen Mustern verziert, durch die dicken Mauern ist es drinnen trotz der glühenden Hitze draußen richtig schön kühl.
Am Nachmittag hatte Hamza noch eine Überraschung parat und fuhr mich mit dem Motorrad zur Amadu Bello Universität. Das ist eine der größten und bekanntesten Unis von ganz Afrika und man kann hier so gut wie alles studieren. Es tat gut zu sehen, dass hier auf dem Campus Moschee und Kirche direkt nebeneinander stehen und ganz offensichtlich Moslems und Christen hier ihren gemeinsamen Platz zum Lernen und Studieren gefunden haben. Natürlich ist der Norden Nigerias vor allem durch die Moslems geprägt, aber die Studenten kommen aus dem ganzen Land, um nicht zu sagen, aus ganz Afrika. Dementsprechend kommen hier Moslems, Christen, Animisten und andere zusammen. Von Religionsproblemen spürt man hier nichts, was nicht bedeutet, dass es keine gibt. Kano ist die Hochburg der Sharia in Nigeria und das islamische Recht wird auch in Zaria an der Uni gelehrt.
Ich persönlich hatte zu keiner Zeit ein Problem mit den Menschen hier, egal, welcher Religion sie angehören. Ganz im Gegenteil. Die Probleme in Jos, wo sich Moslems und Christen seit vielen Jahren bekriegen, liegen laut den meisten Nigerianern in letzter Konsequenz auch nicht in der Religion begründet, sondern in der Politik. Sowohl Christen als auch Moslems haben bestätigt, dass die Religion von Politikern jeder Glaubensrichtung für ihre Zwecke missbraucht wird und so die Kämpfe immer wieder ausbrechen, weil Menschen gegeneinander aufgebracht werden.

Von Kano aus bin ich dann weiter nach Katsina gefahren, das gerade mal 30 Kilometer von der Grenze zu Niger entfernt ist. Ich wollte sowieso nach Katsina fahren, weil es einiges zu sehen gibt, aber es kam noch etwas dazu: im Hotel in Kano habe ich ein Ehepaar aus Katsina kennen gelernt, beide absolut liebenswerte Menschen. Und diese beiden haben mich eingeladen, sie in Katsina zu besuchen. Eigentlich dachte ich an ein oder zwei Tage dort, aber diese Pläne wurden sofort von meinem Gastgebern durchkreuzt, indem sie ein Programm vorstellten, das vier Tage vorsah… Letztendlich reichte aber auch das nicht.
Nicht, dass es so viele touristische Highlights hier gäbe, es ging eher um Dinge wie Freunde und Familie besuchen, aber es stand auch eine große Hochzeit an, die natürlich unglaublich spannend für mich war. Schon allein die Kirche dauerte fast drei Stunden, es gab sehr viel Tanz während des Gottesdienstes, dazu mehrere Chöre und eine toll angezogene Festtagsgesellschaft. Danach zog die Gesellschaft zu noch mehr Tanz, Essen und Trinken in die neue noch nicht fertige Kirche um.

In der Altstadt von Katsina steht das Gobarau Minarett, das eines der seltenen spiralförmigen Minarette ist. Man geht davon aus, dass die Erbauer sich in Samarra/Irak oder in Cairo/Aegypten inspirieren ließen. Außerdem gibt es eine alte Schule und natürlich jede Menge alte Häuser und krumme Gassen in der Altstadt.

Am spannendsten war aber das Familienleben selbst mit meinen neuen Freunden Mariya und Ishyaku sowie den vier Kindern, das fünfte ist gerade unterwegs. Am Markt einkaufen, gemeinsam essen, einen neuen Fernseher kaufen, in die Kirche gehen – das ganz normale Leben halt. Einen Vormittag verbrachte ich mit Mariyana im Krankenhaus, wo sie einige Untersuchungen wegen ihrer Schwangerschaft hatte. Kaum jemand geht in Afrika alleine ins Krankenhaus, und als sich herausstellte, dass Mariya genau an dem Tag zur Untersuchung musste, an dem ich eigentlich weiterfahren wollte, habe ich kurzerhand beschlossen, einen Tag länger zu bleiben, um sie zu begleiten…

Nach fünf Tagen musste ich dann doch weiter fahren, so schwer es auch fiel. An dieser Stelle vielen Dank an Mariya und ihre ganze Familie für ihre große Hilfsbereitschaft, ihre Gastfreundschaft und ihre Freundschaft. Ich hoffe sehr, dass das mit dem Englandaufenthalt klappt und wir uns bald in Europa sehen werden. Falls das nicht funktioniert, muss ich vielleicht meine Drohung wahr machen und wieder nach Nigeria reisen – in das Land, vor dem so gewarnt wird und mit dessen Bewohnern ich nur gute Erfahrungen gemacht habe.

Ehrlicherweise muss ich aber auch erwähnen, dass die Menschen in Nordnigeria mich vor ihren eigenen Landsleuten gewarnt haben. Und zwar vor denen im Süden des Landes. Natürlich warnte mich jeder vor den religiösen und politischen Auseinandersetzungen in Jos, problematisch ist auch Port Harcourt wegen der Entführungen von Ausländern. Ausnahmslos alle Nordnigerianer warnten mich vor der Riesenstadt Lagos, weil dort das geballte Elend von geschätzten 18 Millionen Menschen, das Chaos, die Gewalt und die Korruption regieren.
Da mein Rückflug aber von Cotonou, Benin, gehen sollte und der einzige, von öffentlichen Verkehrsmitteln bediente Grenzübergang via Lagos ist, musste ich mir etwas einfallen lassen.

Über Monate schien ein Besuch der Republik Niger keine Option zu sein. 2007 war erneut eine Rebellion der Tuareg ausgebrochen, was zur Folge hatte, dass Touristen nicht mehr nach Agadez fahren konnten, die Wüste Tenere und das Airgebirge nicht mehr bereisbar waren. Das Ausbleiben der Touristen hatte weitreichende Folgen, die Haupteinnahmequelle Tourismus versiegte mit einem Schlag und somit verloren viele Einheimische ihre Arbeit, sei es als Fahrer, Guides, Hotelangestellte, Restaurantbetreiber, Geschäftsinhaber, etc. Natürlich betrifft das nicht Einzelpersonen, sondern ganze Familien, die in der Armut gelandet sind.

Die Rebellion ist inzwischen offiziell beendet, einige Waffen abgegeben. Die Reiseagenturen haben aber ihre Touren in die Wüste und ins Gebirge eingestellt. Diejenigen, die Agadez verlassen konnten, haben das bereits während der Rebellion getan. Zurück geblieben sind Menschen ohne Job und ohne Geld, oftmals auch ohne Zukunft. Eine gefährliche Mischung für jeden, der zur falschen Zeit am falschen Ort ist.

Noch problematischer sind die Banditen, die ein Produkt der Rebellion sind und immer noch Land und Leute im Air Gebirge, in der Tenere und rund um Agadez terrorisieren. Es werden immer wieder Autos, Lastwägen und Busse überfallen, die Menschen ausgeraubt, und so mancher hat schon sein Leben verloren. Schon aus diesem Grunde muss man in dieser Gegend sehr vorsichtig sein und man darf auf keinen Fall alleine unterwegs sein.

Auf der anderen Seite war Agadez auf meiner letzten großen Afrikareise 2002/2003 meine Lieblingsstadt gewesen, in die ich unbedingt wieder hinwollte.
Also musste ich herausfinden, wie die Situation im Niger und vor allem in Agadez derzeit ist.
Als erstes suchte ich das Generalkonsulat von Niger in Kano auf und fragte vorsichtig nach, ob man überhaupt Visa ausstellt und ob Reisen bis Agadez möglich und erlaubt sind.
Der Sekretär nahm meine Befürchtungen durchaus ernst, telefonierte mit mehreren Behörden und teilte mir schließlich freudestrahlend mit, dass die Straßen bis Agadez sicher seien, ich aber nicht weiter nördlich ins Air oder in die Wüste fahren kann.
All das verifizierte ich noch mit Eva, einer Freundin aus Österreich, die seit vielen Jahren in Agadez lebt und bei der ich auf meiner letzten großen Afrikareise drei Wochen gewohnt habe. Sie sagte das gleiche wie der Botschafter und nahm mir das Versprechen ab, nicht alleine aus dem Haus zu gehen, und somit war ich herzlich willkommen.

Nachdem ich alle pros und contras abgewogen hatte, stand für mich fest, dass ich es versuchen wollte.

Somit war auch klar, wie ich Lagos umgehen kann – indem ich via Niger reise und von dort aus nach Benin fahre!

Der Grenzübergang zwischen Nigeria und Niger war zwar zeitaufwendig (für die 30 km bis Maradi samt Grenzübertritt brauchten wir 2,5 Stunden und ich musste an fünf verschiedenen Stellen sechs Papiere ausfüllen, aha, hier war sie also, die nigerianische Bürokratie), aber nicht wirklich schwierig.
In Maradi wartete ich gerade eine gute Stunde auf den Bus aus Niamey, mit dem ich bis nach Zinder fahren konnte.

Zinder kannte ich schon von meiner letzten Afrikareise, wo ich einige Tage hier verbracht hatte. Natürlich verändert sich eine Stadt in dieser Zeit, aber die preiswerteste Unterkunft war immer noch das Hotel Malem Kalkadanu ganz in der Nähe des Busbahnhofes. Zu arg viel Schlaf kam ich in dieser Nacht nicht, denn in meinem Zimmer hatte es gruslige 33,9 Grad, die von einem altersschwachen Ventilator etwas bewegt wurden. Das ganze erinnerte stark an einen superheißen Fön… Außerdem waren im Hotel die anderen Zimmer von Studenten belegt, die natürlich ausnahmslos diese Ausländerin kennen lernen wollten, die da so unvermutet hereingeschneit war. Da es zum Schlafen eh zu heiß war, war die Unterhaltung mit ihnen doch eine hervorragende Alternative…

Morgens um 06.00 Uhr ging dann der Bus nach Agadez. Die afrikanischen Busbahnhöfe gleichen großen, anscheinend unorganisierten Märkten. Was wie das absolute Chaos aussieht, hat aber durchaus System.
Morgens gibt es Teeverkäufer und mobile Stände mit Sandwiches. Später kommen Obststände und Omeletteverkäufer dazu, Buben, die gekühltes gefiltertes Wasser aus Plastiktüten verkaufen und junge Frauen, die gekochte Eier in einem Eimer auf dem Kopf balancieren. Jede Menge andere dienstbare Geister haben gekühlte Cola und Fanta dabei oder können aus der mobilen Apotheke ein Aspirin oder von nebenan eine Scratchkarte zum Aufladen für das Handy besorgen.
Pünktlich um 06.00 Uhr startete der Bus dann nach Agadez. Schon beim Einsteigen in den Bus zeigte sich, dass die Fahrt in das Land der Tuareg geht. Neben den Menschen vom Stamm der Haussa und Fulbe, die in der Gegend um Zinder leben, kamen nun viele Mitreisende an Bord, die zum Volk der Tuareg gehören. Äußerlich erkennbar natürlich an dem bis zu fünf Meter langen Tuch, das gekonnt um den Kopf geschlungen wird und oftmals nur noch die Augen freilässt. Durchaus sinnvoll in diesem Wüstenklima mit all dem Sand und Staub in der Luft, vom Sonnenschutz mal ganz abgesehen. Das restliche Outfit besteht aus einer langen weiten Hose und einem weiten Hemd, das meist bis zu den Waden reicht, das alles traditionell in indigoblau. (das Indigo färbt häufig ab, deswegen werden die Tuareg oft auch blaue Männer genannt). Abgerundet wird das Outfit oftmals durch einen kunstvoll gearbeiteten Beutel aus Leder, den man sich um den Hals hängt und in dem sich alles wichtige wie Geld, Papiere, etc gut verstauen lässt.

Ich freute mich sehr, wieder bei den Tuareg zu sein. 2002/2003 habe ich eine wirklich tolle Zeit in Agadez, in der Tenere und im Airgebirge verbracht und viele Einheimische kennen gelernt. Natürlich wollte ich in Agadez auch möglichst viele der Freunde von damals wiedertreffen. Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, war, bereits im Bus auf einen alten Bekannten zu stoßen! Die Kopfbedeckung, die meist auch große Teile des Gesichts bedeckt, macht es nicht so ganz leicht, jemanden zu erkennen. Um 05.00 Uhr beim Bus war es schließlich auch noch dunkel, aber einer der Mitreisenden kam mir doch sehr bekannt vor. Im Laufe der Fahrt stellte sich dann heraus, dass wir uns tatsächlich kennen, im Herbst 2002 hatte mich eben dieser Ahmed nach Iferouane ins Airgebirge gefahren, von wo aus ich mit einer Gruppe Österreicher 10 Tage durch die Wüste und das Gebirge fahren durfte! War natürlich ein tolles Wiedersehen und so vergingen die sieben Stunden bis Agadez wie im Fluge.
Wieder einmal stellte ich fest, dass die Welt echt ein Dorf ist!

Am frühen Nachmittag kamen wir dann in Agadez an, dem erklärten Lieblingsort meiner letzten Afrikareise. Assanaga, der Fahrer von Eva und Freund der Familie, wartete schon am Busbahnhof auf mich und brachte mich mit dem Motorrad zu Eva.
Was ich alles in Agadez und dann auf der Weiterreise erlebt habe, wird dann der Inhalt der nächsten und vermutlich letzten Email "Neues aus Afrika" sein.
Von hier jetzt erst mal viele Grüße aus Agadez und wie immer freue ich mich über viele Antworten.

Eure Andy
 

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Neues aus Afrika 15 (24. März 2010)

So leicht die Ausreise aus Gabun und die Einreise nach Kamerun war, so schwierig war es, von diesem elenden Nest an der Grenze Richtung Yaounde weiterzukommen. Das Sammeltaxi wollte und wollte nicht voll werden. Nach fast zwei Stunden Warten waren wir endlich sechs Personen plus Fahrer und konnten losfahren. Das Auto war steinalt und ich hatte (berechtigte!) Sorgen, dass wir die 26 Kilometer bis Amban nicht schaffen würden. Ganz so schlimm wurde es zwar nicht, aber erst mussten wir einen anderen Wagen aus dem Graben ziehen, dann bei einem kaputten, mysteriöserweise querstehenden LKW 30 Minuten warten, bis schließlich danach unser rechter Vorderreifen blockierte. Wohlgemerkt, während der Fahrt! Der Fahrer traktierte den Reifen mit einem Hammer, der sich trotz (wegen?) der Behandlung keinen Millimeter bewegte. Rückwärts fahren ging aber….

Tja, das ist Afrika, also fuhren wir auf dieser Wald- und Wiesenstrecke, die zudem sehr bergig war, die letzten 12 Kilometer rückwärts. Nachdem der Wagen letztendlich zwei Kilometer vor Amban wegen Überhitzung komplett den Geist aufgab, stieg ich auf ein Motorradtaxi um und kam nach fast drei Stunden für diese 26 Kilometer am Busbahnhof von Amban an. Der restliche Weg bis Yaounde war im Vergleich dazu ein Kinderspiel von gerade mal fünf Stunden in einem Bus, der zwar sehr voll war, aber keine einzige Panne hatte….

In Yaounde kam ich im Gästehaus der presbyterianischen Kirche unter. Eine preiswerte Option, zudem ziemlich zentral gelegen, außerdem die einzige Möglichkeit im Stadtgebiet für Camper. Schon allein deswegen ist das Gästehaus mit dem Riesengarten bei allen Überlandreisenden mit eigenem Fahrzeug bekannt.
Hier habe ich Marcel und Daniel aus Deutschland und Barbara aus Österreich kennen gelernt. Sie sind in einem 31 Jahre alten Allradfahrzeug unterwegs und im Oktober in Deutschland gestartet. Schnell stellten wir fest, dass wir die nächsten Tage das gleiche vorhaben und so lag es nahe, dass wir uns zusammentun.

Zwei Tage später starteten wir nach Kribi, die drei per Auto (das so voll war, dass für eine vierte Person beim besten Willen kein Platz war) und ich per Bus. Kribi ist ein richtig schöner kleiner Ort direkt am Meer. Das Hotel, das wir uns ausgesucht hatten, lag ein paar Kilometer außerhalb direkt an einem besonders schönen Stück Strand mit ganz hellem Sand. Das war genau das richtige nach all den langen Reisen im Bus. Absolute Ruhe, grillen mit meinen neuen Freunden, am Strand liegen, endlich mal wieder in Ruhe ein Buch lesen, das nicht mit dem Planen der Weiterreise zu tun hatte…. Urlaub statt Reise!

Nach vier Tagen in Kribi fuhren wir weiter durch Douala bis nach Limbe. Das liegt ebenfalls direkt am Meer, allerdings ist der Blick aufs Meer durch Oelbohrinseln etwas verschandelt. Limbe ist der Ausgangspunkt für Touren auf den Mount Cameroun, mit gut 4000 Metern der höchste Berg Westafrikas.
Von Limbe aus erreicht man aber auch gut die Ring Road weiter nördlich. Daniel wollte auf den Berg, wir anderen die Ring Road fahren. Somit war ein Platz im Auto frei und ich konnte mitfahren!

Die Ring Road ist knapp 400 Kilometer lang und liegt in einer sehr bergigen Gegend nahe der Grenze zu Nigeria. Insgesamt waren wir fünf Tage unterwegs. Zuerst fuhren wir einen Teil der Strecke nach Douala zurück, bogen aber kurz vor der Riesenstadt nach Norden in Richtung Bamenda ab. Die Strasse führte durch dichte Bananenplantagen und ganze Wälder aus Palmen. Irgendwann wurde es hügelig und leider auch immer wolkiger. Mit einem Mal schüttete es wie aus Kübeln. Leider nicht nur draußen, das kommt davon, wenn man in einem sehr betagten Wagen reist…

Gegen Abend erreichten wir unser Etappenziel Bamenda. Die Mission, bei der wir übernachten wollten, war leider ausgebucht, aber das gute GPS spuckte noch ein preiswertes Hotel im alten Teil der Stadt aus. Sinnvollerweise nannte sich das Hotel in der Altstadt "New City Hotel". Das Hotel war aber echt okay mit guten Betten, Bad, pro Zimmer zwei Kondomen und einem Plakat an der Zimmertüre, dass es sich um ein HIV-freies Hotel handelt – na denn! Abends köchelten wir uns ein leckeres Abendessen mit frischen Pilzen, ein paar Zwiebeln und Reis. Das Putzen dieser Waldpilze war allerdings schon etwas anderes als unsere Zuchtschwammerl daheim…. Das Bad sah hinterher nicht mehr ganz so gut aus… Dafür hat es wirklich toll geschmeckt.

Am nächsten Tag begann unser Abenteuer Ring Road. Die Straße war gut und wir kamen schnell voran. Nach dem Ort Wum (was für ein Name!) war aber dann Schluss mit lustig und die Straße wurde immer schlechter. Es waren riesige Löcher mitten in der Piste, geteert war hier schon lange nichts mehr, dann kam auch noch eine Steigung, die wir erst beim zweiten Anlauf und das auch nur mit viel Schwung schafften…. Irgendwann kamen wir durch We, Su Bum und schließlich Bum – wer hat sich nur all diese Namen ausgedacht?

Kurz nach der Steigung stellten wir fest, dass wir Öl verlieren und der Ölstand bedenklich niedrig war. Der Ölschlauch hatte sich irgendwie verklemmt und ein Loch bekommen. Nun war Improvisieren angesagt, denn den Schlauch einfach kürzen bzw. das restliche Stück wieder anbringen kann man nur mit entsprechendem Werkzeug. Also kappten wir ein Stück vom zusätzlichen Wasserschlauch und schufen so eine Hülle um den ursprünglichen Schlauch herum als Verstärkung. Das ganze wurde mit Schellen befestigt und dann mit festem Klebeband umwickelt…
Natürlich warf das Ganze unseren Zeitplan über den Haufen, aber wozu hat man denn Zelt und Schlafsack dabei? Im Gebirge ist es allerdings nicht so einfach, einen vernünftigen Stellplatz für ein Auto mit Dachzelt und ein weiteres Zelt daneben zu finden.
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit fanden wir einen halbwegs geraden Flecken mit einigen Grasbüscheln und schlugen unser Nachtlager auf.
Der ultimative lukullische Genuss war das Abendessen nicht gerade, aber immerhin hatten wir zu unserem Reis-Mais-Gemisch garniert mit ein paar Ameisen und diversen Nachtfaltern auch noch zwei Flaschen Bier….

Am Folgetag war die Piste auch nicht besser. Teilweise hatte der Regen so tiefe Rinnen in den roten Sand gegraben, dass es fast einen Meter nach unten ging – auf der Straße wohl gemerkt. Später haben wir ganz versteckt im Reiseführer gelesen, dass die Autoren empfehlen, diese Strecke zu Fuß zu gehen… Wie man auf einer Ringstraße (die wie der Name schon sagt, mehr oder weniger rund ist) dann wieder zu seinem Auto kommt, schreiben sie allerdings nicht… Guter Spaß!

Auch wenn die Straße in einem wirklich schlechten Zustand war, die Gegend ist wunderschön, sehr gebirgig, viele kleine Dörfer mit sehr freundlichen Menschen, die Touristen ganz offensichtlich nicht so oft zu Gesicht bekommen. Kein Wunder bei der Straße!

Am frühen Nachmittag kamen wir in Nkambe an. Ein lokaler Mechaniker versuchte etwas erfolglos, den lecken Ölschlauch zu reparieren. Da das ganze ziemlich viel Zeit beanspruchte und es sowieso zu regnen anfing, mieteten wir uns im Millennium Hotel ein. Das Zimmer war gut, wenn man mal von der Vorgangstange absieht, die mich beim Tagebuchschreiben beinahe erschlagen hätte. Dass das Waschbecken nicht mit dem Abflussrohr verbunden war, störte auch nicht weiter, fließendes Wasser gabs eh nicht. Dafür eine sehr nette Hotelcrew, die eimerweise wirklich heißes Wasser in die Zimmer schleppte. Am Spätnachmittag lernten wir drei Belgier kennen, die eine Schule in einem Dorf in der Nähe unterstützen. Mit dabei war auch Denis, ein Kameruner, der in Belgien studiert und aus dem Dorf mit dem Schulprojekt stammt. Wir quetschten uns abends alle in das kleine Auto von Denis und fuhren in ein Lokal zum Abendessen und Bier trinken. Es wurde ein sehr lustiger Abend, zumal wir ewig auf das Essen warten mussten und da bleibt es natürlich nicht bei einem Bier…

Am folgenden Tag kam ein anderer Mechaniker und versuchte, den Ölschlauch wieder fest anzubringen. Dieser Versuch war von etwas mehr Erfolg gekrönt als der gestrige, so konnten wir gegen Mittag unsere Reise auf der Ring Road fortsetzen.

Die Straße wurde etwas besser und wir kamen deutlich schneller voran. Entlang der Ring Road gibt es viele Dörfer, in denen die Menschen noch sehr traditionell leben. Hier gibt es noch die sogenannten Fons, Dorfchefs, die in Palästen leben und sehr hohes Ansehen genießen. Es ist eine sehr männerorientierte Gesellschaft, als Touristin muss man sehr darauf achten, keine Etikette zu verletzen. In Mbot steht so ein Fon-Palast direkt an der Strasse. Es waren mehrere Männer hier, die gerne die Zeichnungen an den Wänden und die Masken an den Türeingängen erklärten. Der Fon selbst ist ein sehr freundlicher Mann, der uns sogar erlaubte, das Palastinnere zu besuchen und zu fotografieren! Wieder mal eine tolle Erfahrung mit der Spontaneität der Afrikaner!

An diesem Tag fuhren wir noch weiter bis nach Kumbo. Hier kamen wir im Merryland Hotel unter, das im Lonely Planet sehr gelobt wird. Vielleicht zu sehr, denn so freundlich wie im Buch beschrieben waren weder die Angestellten noch das Hotel selbst. Dafür war es sauber und es gab warmes Wasser. Wichtig auf fast 2000 Metern Höhe, denn es war wirklich kalt hier…. Vor allem, als es wieder richtig zu schütten anfing.

Am nächsten Morgen fanden wir ein günstiges kleines Restaurant mit tollen Omelettes für gerade mal 250 CFA, das sind etwa 35 Eurocent pro Omelett. Derart gestärkt machten wir uns auf den Weg Richtung Yaounde. Langsam verloren wir an Höhe und gegen Spätnachmittag erreichten wir Bandjoun. Wohl wissend, dass es noch etwa 4 Stunden bis Yaounde sind, mieteten wir uns hier in einem nicht ganz sauberen, aber ansonsten annehmbaren Hotel ein. Hier musste ich allerdings nachts die Kakerlakenschlacht meines Lebens schlagen, weil ich eine erlegte Kakerlake dummerweise nicht in der Toilette versenkt hatte. So kamen nachts die Verwandten zur Beerdigung, und zwar wohl alle… Das grenzte schon fast an eine Invasion, aber Gott sei Dank schätzen diese Viecher Licht nicht, und so verschwanden die meisten in irgendwelchen Löchern und Ritzen und ich ließ einfach das Licht im Bad an….

Gegen Mittag des nächsten Tages erreichten wir dann Yaounde und mieteten uns wieder im Foyer der presbyterianischen Kirche ein. Gleich zu Anfang machten wir unsere Botschaftsrunde. Meine Freunde wollen weiter Richtung Süden reisen, deswegen schauten wir zuerst zur Botschaft von DRC. Das Visum war schnell beantragt, mitten im Ausfüllen des Antrages war auf einmal ein ziemlicher Tumult im Hof der Botschaft. Auf einmal lag dort ein Mann, der sich nicht mehr bewegte! Die Sekretärin erklärte, ebenfalls schockiert, dass gerade eben ein paar Leute da waren und diesen Mann einfach im Hof abgeladen hatten. Es war ein Toter, anscheinend ohne Angehörige, aus dem Kongo. Auch das ist Afrika, keiner wusste, was nun zu tun ist, also macht man zur Sicherheit mal nichts!
Beim Hinausgehen deckten Barbara und ich den Toten wenigstens zu, ein Tuch lag ja eh daneben. Ist ja wohl das wenigste, was man in so einem Fall machen kann!

Der folgende Tag in Yaounde hatte es ebenfalls in sich. Es funktionierte einfach nichts. Gemeinsam mit Barbara war ich in der Stadt, um einiges zu erledigen. Zuerst wollten wir Fotos nachmachen lassen, die wir an Einheimische der Ringstrasse verschicken wollten. Das dauerte ewig, deswegen beschlossen wir, in der Zwischenzeit die Musicalkarten im französischen Kulturinstitut zu besorgen – leider hatte dort niemand etwas von diesem Musical gehört, für das Daniel Werbung gesehen haben wollte… Als nächstes das Sportgeschäft, wo es gute T-Shirts geben sollte. Gabs zwar, aber weder die Farbe noch der Preis stimmten. Zurück zu den Fotos – waren nach einer Stunde immer noch nicht fertig. Dann der Versuch – über eine Stunde lang – eine Fahrkarte für den Zug morgen nach N’Gaoundere zu kaufen. Komplett erfolglos, wir drehten uns am Bahnhof im Kreis und gaben entnervt auf. Das sind dann die Tage, an denen man sich fragt, was man hier eigentlich
tut… Schließlich das Internetcafe, wo ich 30 Minuten brauchte, um immerhin bis zur Eingabe des Passwortes zu kommen….

Und dann die Krönung am Abend. Die anderen hatten auch keinen besonders guten Tag, deswegen beschlossen wir (inzwischen fünf Touristen), abends wenigstens was leckeres essen zu gehen. Keine gute Idee, denn auf dem Rückweg zum Hostel wurden wir von vier Männern mit Brecheisen und Macheten überfallen. Der erste Mann kam von hinten und wollte Barbara und mich zu Fall bringen. Wir beide wussten da schon instinktiv, dass da was nicht stimmt, wenn ein Afrikaner im Dunkeln rennt. Deswegen fingen wir da schon an zu laufen, eine weitere Bekannte und Daniel rannten ebenfalls los. Es waren vielleicht noch 200 oder 300 Meter zum Hostel. Aus dem Gebüsch sprangen noch drei weitere Männer, die es nun auf Marcel abgesehen hatten, der der letzte war und sich deswegen wehren musste. Sie hauten ihm die Eisenstange auf den Kopf und raubten alles, was er bei sich trug. Später stellte sich heraus, dass das deutlich schlimmer hätte ausgehen können, denn die Banditen sind häufig durch Drogen komplett enthemmt und bringen Personen auch wegen 5 Euro oder weniger um.
Also insofern Glück im Unglück, wenn das nun auch viel Rennerei für Marcel bedeutet wegen des Verlustes der Wagenpapiere, Führerscheine, internationaler Impfausweis, Handy…. Wir alle mussten noch in der Nacht mit auf die Wache und es wurde ein Protokoll aufgenommen, das wir auch noch bezahlen mussten. Später stellte sich heraus, dass Susanna vom Hostel zusätzlich den Einsatz bezahlen musste, damit die Polizei überhaupt kam und tätig wurde!
Aber, wie gesagt, es war noch Glück im Unglück!

Am Folgetag versuchte ich erneut, ein Ticket für den Zug nach N’Gaoundere zu kaufen. Und tatsächlich konnte ich eins fuer die 1. Klasse Sitzplatz für den gleichen Abend erwerben. Anscheinend können Sitzplätze frühestens 24 Stunden im voraus gekauft werden, der Zug fährt um 18.10, der Schalter schließt aber bereits um 18.00 Uhr. Wegen dieser 24 Stunden Regel können diese Tickets also nur an dem Tag gekauft werden, an dem man auch fahren will…. Wenn nur alles so genau ginge in Afrika…
Beim Ticketkaufen am Bahnhof lernte ich Katrin kennen. Sie stammt aus einem Ort an der Ring Road, lebt aber seit 10 Jahren in Stuttgart und hat dort einen kleinen Beauty Salon! Die Welt ist manchmal schon ein Dorf!

Der Zug fuhr pünktlich um 18.10 Uhr ab, ein gutes Omen. Die Fahrt soll normalerweise etwa 14 Stunden dauern, manchmal kommen die Passagiere aber erst nach drei Tagen an, weil die Züge hier gerne mal aus den Schienen springen.

Kurz nach der Abfahrt starteten Katrin und ich unsere Suche nach freien Betten in einem der Schlafwagen. Ein muslimischer Freund von Katrin nahm das Ganze in die Hand, er hat wohl gute Connections zu diversen Schaffnern. Und, voila, nach einer Stunde hatten wir zwei freie Betten. Keine Ahnung, wie er das geschafft hatte, denn die Betten waren angeblich ausgebucht, ist aber auch egal – die Reise wurde so dadurch viel komfortabler, und das für gerade mal 11 Euro mehr!

Anscheinend bin ich nun wieder auf der Sonnenseite des Lebens angelangt, denn wir erreichten N’Gaoundere am nächsten Tag um 08.30 Uhr morgens. Angeblich waren drei Minister an Bord, deswegen arbeiteten alle daran, dass genau dieser Zug keine Verspätung hatte. Wenn das so ist, möchte ich immer mit irgendwelchen Ministern reisen….

In N’Gaoundere treffen das christliche Südkamerun und das mehrheitlich islamische Nordkamerun aufeinander. Es gibt viele Moscheen, aber auch eine große Kathedrale, viele christliche Geschäfte neben Ständen mit Gebetsteppichen und Koranständern, halale Metzgereien neben lauten DVD Shops mit zweifelhaften Filmen.
Dazu ein ganz eigenartiges Wetter, das auf den ersten Blick neblig erscheint, aber eigentlich aufgewirbelter Staub und Sand aus der Sahara ist, der sogenannte Harmattan.
Arg viel gibt es hier nicht zu sehen, aber für einen relaxten Tag in einer nicht touristischen Stadt gibt es genug zu tun, dass es nicht langweilig wird.

Am nächsten Tag bin ich mit dem Bus weiter nach Maroua gefahren. Die Straße ist in einem guten Zustand, der Bus war auch gut und so brauchten wir für die 550 Kilometer inclusive Pausen knapp neun Stunden.
Auch Maroua und Umgebung ist geplagt vom Harmattan, der normalerweise zwischen November und Anfang Februar wehen soll. Aber auch hier ist der Klimawandel kein unbekanntes Wort mehr. Dieser Wind mit all dem Sand und dem feinen Staub trocknet die Gegend noch zusätzlich aus. Natürlich ist das nicht nur für Straßen und Gebäude schädlich, sondern auch schlecht für Mensch, Tier und Pflanze. Die Haut trocknet schnell aus, die Menschen husten und Augenprobleme werden zur Normalität (ganz toll für jemanden wie mich, der eh schon nicht gerade mit tollen Augen gesegnet ist…).

In Maroua übernachtete ich in einem Hotel mit netten afrikanischen Rundhütten, dem Relais Ferngo. Angeschlossen ist ein Restaurant, wo ich abends extrem leckere Brochettes bekam (Schaschlik mit Rindfleisch und Zwiebeln).

Am Folgetag machte ich mich gemeinsam mit Vandi, dem Rezeptionisten vom Hotel, auf den Weg nach Rhumsiki. Zuerst geht es der Teerstrasse entlang bis nach Mokolo, der einzige größere Ort in dieser Gegend. Hier endet die Teerstrasse. In die Mandaraberge führen nur extrem staubige und steinige Wege, die sporadisch von Minibussen befahren werden.
Natürlich gibt es zusätzlich die obligatorischen Motorradtaxis, die wie die Irren komplett überladen über Stock und Stein rasen. Es ist durchaus eine Erfahrung und einen halbwegs ausgefransten Hintern wert, die 55 Kilometer bis Rhumsiki mit dem Motorrad zu fahren. Staub von unten vom Weg, Staub von oben durch den Harmattan, von der Seite durch entgegenkommende Autos und Lastwägen, Staub von allen Seiten. Ein Tourenrucksack schockt einen solchen Motorradtaxifahrer natürlich nicht, der wird einfach auf den Lenker gelegt und los gehts….

Nach 2,5 Stunden kamen wir in Rhumsiki an, einem Dorf inmitten einer absolut spektakulären Szenerie. Kantige Felsen ragen überall hervor, die weiter entfernten konnte man wegen des Harmatten nur erahnen. Ingesamt trug aber genau das zu einer absolut unwirklichen Stimmung bei, in der man sich selbst komplett winzig vorkommt…

Rhumsiki ist eines der größeren Dörfer hier in der Gegend, in dem etwa 4200 Menschen wohnen. Die Menschen leben vor allem von der Landwirtschaft, aber auch zunehmend vom Tourismus. Derzeit ist hier anscheinend deutlich mehr los. Viele Touristen kommen hierher zum Trekking, sei es zu Fuß oder per Pferd. Dann gibt es wohl immer wieder Kletterer, die sich an den steil aufragenden Felsen versuchen.

Mit Costa, einem sehr jungen Führer, machte ich mich auf den Weg, um den Ort und den Markt zu erkunden. Die Menschen hier gehören ganz unterschiedlichen Religionen an – es gibt Christen, Moslems und Animisten. Alle leben friedlich neben- und miteinander. Tatsächlich miteinander, denn Ehen zwischen den Religionen sind durchaus üblich und kein Problem, die Kinder haben dann grundsätzlich die Religion des Vaters.

Am Spätnachmittag machten Vandi und ich uns auf den Weg zur Hochzeit von Vandis Cousin. Er heiratete seine vierte Frau! Die Bräute werden vom Vater bezahlt, das sind normalerweise drei Kühe oder deren Gegenwert in Geld. So kann ein Mann so viele Frauen heiraten, wie er möchte, solange er das Geld dazu hat, die Hochzeit bezahlen kann und allen Frauen das gleiche bieten kann. Dass es dieses System im Islam gibt, ist ja bekannt, neu war mir, dass es auch bei den Animisten genauso ist. Hier handelte es sich um eine animistische Hochzeit mit traditioneller Musik, Tanz und Geldgeschenken. All das auf offenem Feld mit sehr vielen Zaungästen, die zum einen einfach nur zuschauten (endlich mal was los), zum anderen versuchten, den einen oder anderen fliegenden Geldschein zu ergattern….
Fototechnisch war das natürlich die Gelegenheit, Männer, Frauen und Kinder in ihren traditionellen Gewändern zu fotografieren. Eine einmalige tolle Erfahrung und ich habe mich riesig gefreut, dass ich hier dabei sein konnte.

Im Dorf selbst gibt es einen Fetischeur, der von den animistischen Bewohnern kontaktiert wird, wenn es irgendwelche Probleme gibt oder wenn man dringend einen Rat braucht. Dieser Fetischeur hat eine Krabbe, mit deren Hilfe er die Zukunft voraussagt. Die Krabbe wird in eine Kalebasse mit Sand und Wasser gesetzt, die Kalebasse wird zugedeckt. Je nachdem, wo sich die Krabbe nach einigen Minuten aufhält, gibt es bereits Aufschluss über die Antwort auf brennende Fragen. Ich hatte die Krabbe gefragt, ob die restliche Reise gut über die Bühne gehen wird oder ob ich irgendwo besonders aufpassen muss. Der Fetischeur musste dann nochmal mit der Krabbe sprechen, weil sie nicht eindeutig positioniert saß, aber die restliche Reise wird ohne Probleme verlaufen, wenn auch manchmal ein bisschen schwierig. Aha, Nigeria?
Schon interessant!

Am nächsten Tag haben Vandi und ich ein Motorrad ausgeliehen und sind zu einem kleinen Markt in Sir gefahren. Der Weg dorthin war ein besserer Trampelpfad, es ging buchstäblich über Stock und Stein, aber der kleine Markt war gleich noch viel besser als der große in Rhumsiki. Hierher kommen so gut wie keine Touristen und kaum jemand fragt nach Geld, Bonbons oder Geschenken.
Am Nachmittag fuhren wir in die andere Richtung, den kranken Großvater besuchen. Der lebt auf der anderen Seite der Grenze in Nigeria. Ein ausgetrockneter Bach "markiert" die Grenze. Der über 80jährige Großvater war in der Nacht gestürzt und hat sich böse verletzt, aber Gott sei Dank nichts gebrochen. Das alles ließen wir von einem Arzt feststellen, der auch gleich ein Rezept für Medizin aufschrieb. Ich selbst war derweil bei den Frauen des Hauses, es gab getrocknete kirschenähnliche Früchte, die, welch Wunder, ein bisschen staubig waren, und leicht säuerlich schmeckten.
Nach vielen weiteren Besuchen bei Cousinen, Onkeln, Tanten oder einfach Freunden machten wir uns auf den Rückweg nach Rhumsiki.
Abends wartete dann schon das gebratene Huhn auf uns, das wir vom Markt in Sir mitgebracht hatten.

Nach zwei Tagen in den Bergen machten wir uns per Motorrad und Minibus wieder auf den Rückweg nach Maroua. Hier gibt es neben dem großen Markt ein Museum und einen Künstlermarkt. Also gibt es genug zu tun, ohne dass es langweilig wird.

In ein paar Tagen geht es weiter nach Nigeria. Von dort oder eventuell von Benin kommt dann das nächste Mal Post.

Viele Grüsse aus Maroua;

Eure Andy

P.S. Wem die mail "Neues aus Afrika 14" fehlt, einfach melden. Durch eine Systemumstellung bei Yahoo sind mehrere Adressen aus dem Verteiler gefallen. Die Änderung habe ich nun wieder rückgängig gemacht, deswegen sollte nun alles wieder normal sein.

 

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Neues aus Afrika 14 (7. März 2010)

Nun war ich doch länger als erwartet in Brazzaville, da ich einen Anfangsverdacht für Malaria hatte und das Ganze dann doch lieber beim Arzt testen lassen wollte. Der Test beim Doktor war Gott sei Dank negativ, und so konnte ich beruhigt am nächsten Tag per Bus weiter nach Oyo fahren.

Oyo ist der Ort des Präsidenten, hier wurde er geboren. Wie es sich für einen anständigen Präsidenten gehört, kümmert er sich um seine Heimat und deswegen hat Oyo eine deutlich bessere Infrastruktur, bessere Strassen, Schulen, Verwaltungsgebäude als andere Orte in dieser Größenklasse (etwa 10 000 Einwohner) und sogar bald ein Krankenhaus. Oyo ist auch durch eine zwar schmale, aber sehr gute Teerstrasse mit Brazzaville verbunden, so dauerte die Busreise für die 400 Kilometer gerade mal 5 Stunden.

In RC sind die Menschen sehr freundlich gegenüber Fremden, allerdings rechnet keiner damit, dass es sich bei mir um eine Touristin handelt. Wenn hier Weiße auftauchen, dann meist geschäftlich.
Was in Ostafrika die Mzungu war, ist hier die Mundele (Weiße), allerdings haben mich die Kinder hier anfangs verblüfft, als sie mich Chinoise genannt haben, also Chinesin. Das klärte sich aber auch bald – wie in vielen anderen Ländern Afrikas sind auch hier viele Chinesen im Straßenbau beschäftigt. Die Kinder machen ganz offensichtlich keinen Unterschied zwischen Fremden aus Asien und Europa, ich bin definitiv nicht schwarz, also muss ich Chinesin sein. Ist doch klar!
 
Gleich an meinem ersten Tag in Oyo habe ich per Motorradtaxi die wichtigsten Dinge besichtigt: Das Haus des Präsidenten, die Unterkünfte für die große Familie des Präsidenten, den Friedhof, wo die Lieblingstochter des Präsidenten und Gattin von Gabons Präsidenten Bongo bestattet ist, die Unterkünfte für die Minister des Präsidenten… Man sieht schon an dieser Aufzählung, es ist die Stadt des Präsidenten. Und die Einheimischen sind stolz darauf.
 
Zwischen all den hochherrschaftlichen Gebäuden gibt es durchaus auch Platz für normale Bürger. In Oyo gibt es einen relativ großen, gut organisierten Markt, einen Hafen für Fracht- und Passagierschiffe, ein paar Supermärkte, die vor allem von Libanesen und Mauretaniern geführt werden, und ganz wichtig: eine Hähnchenbraterei, wo der halbe Gockel gerade mal gut 3 US kostet!
 
Derzeit werden fleißig die wichtigsten Straßen um den Präsidentenpalast asphaltiert, weil Mitte März hier ein großes Fest mit vielen afrikanischen Präsidenten und allen verfügbaren Ministern stattfinden wird. Vom Staub und Lärm mal abgesehen, hat ein Großteil der Bewohner seit Wochen kein fließendes Wasser und seit mehreren Tagen auch keinen Strom, weil beides im Zuge der Arbeiten aus Sicherheitsgründen abgestellt wurde.
Das betraf auch mein Hotel, aber man kann sich ja mit Eimerduschen und Kerzen behelfen. Allerdings war es nachts mit 30 Grad unangenehm warm in den Zimmern ohne Ventilator…. Ich bin zwar schon etwas afrikanisiert, was Temperaturen angeht, aber das war dann doch zu viel, alles über 27 Grad zum Schlafen ist wirklich etwas unangenehm…
 
Eigentlich wollte ich in Oyo nur eine Nacht bleiben, letztendlich waren es drei. Der Grund war etwas bizarr, weil ich am ersten Abend bestohlen wurde – und das von einem jungen Mann, der anfangs einen ganz netten und normalen Eindruck machte. Wir besuchten seine Familie und Freunde und tauschten Telefonnummern aus, als wir gemeinsam in einem kleinen Einheimischenlokal saßen. Als ich dort kurz auf die Toilette wollte, habe ich ihn gebeten, auf meinen Rucksack aufzupassen. Gepäck nimmt man auf afrikanische Toiletten besser nicht mit… Kurz darauf begleitete er mich zum Hotel zurück, was gut war, denn es war zappenduster und es gab ja auch keinen Strom, die Strassen waren überall aufgerissen mit Riesenlöchern… Dass die Kamera fehlt, merkte ich erst am folgenden Morgen beim Packen!
Ich hatte ja die Telefonnummer, suchte meine kümmerlichen Französischkenntnisse zusammen und rief ihn an. Er behauptete, er hätte die Kamera nicht und sei außerdem momentan gar nicht in Oyo. Ich machte ihm in drastischen Worten klar, dass ich ihn in dem 10 000 Seelen Ort fertigmache, wenn er die Kamera nicht rausrückt.
 
Gemeinsam mit ein paar Hotelangestellten, einigen Nachbarn und sonstigen Interessierten (endlich mal was los in Oyo) habe ich zuerst die Polizei aufgesucht, dann das Militär. Danach schwärmten alle, die helfen wollten (und das waren viele) aus und erzählten jedem auf der Strasse, wen wir suchen und warum… Es dauerte nur bis zum frühen Nachmittag, da hatte der Typ kalte Füße bekommen und beauftragte einen Buben, die Kamera zum Hotel zu bringen…
 
Natürlich war ich durch diese Aktion in Oyo nun noch bekannter als sowieso schon als Mundele-Touristin oder Chinesin oder was auch immer!  Die Verzögerung hatte viele positive Seiten. Zum einen lernte ich Tayssir, einen Libanesen, Hotelier und Restaurantbetreiber kennen und zog nach der zweiten Nacht zu ihm um, weil er mir das Zimmer für eine Sonderrate anbot.
Außerdem lernte ich eine total liebenswerte Einheimische kennen, Mariette. Wir hatten viel Spaß miteinander auf dem Markt, beim Schneider, oder wenn ich mich beim Stampfen von Gewürzen und Palmfrüchten bei ihr zuhause versuchte… Ich wusste schon immer, dass ich fürs Kochen nicht geeignet bin, aber dass ich sogar beim Stampfen total versage…
 
Mit Abstand das beste, was passiert ist, kommt aber jetzt: Im Hotel Hippocamp in Brazzaville gibt es ein Buch für Überlandreisende, und hier haben viele von Michel aus Frankreich berichtet, der in Okoyo wohnt und gerne Touristen für ein paar Tage aufnimmt. Er ist der Oberboss des Straßenbauprojekts zwischen Oyo und der Grenze zu Gabon, und natürlich wollte ich diesen Franzosen besuchen, von dem alle nur positives erzählen! Tja, und mein Hotelier Tayssir und Michel kennen sich und Michel sollte am folgenden Tag von Brazzaville via Oyo nach Okoyo reisen!
Das ist doch ein Wink des Schicksals!
Es ist auf jeden Fall besser, mit einem Jeep und ortskundigem Fahrer auf einer schlechten Piste unterwegs zu sein, als in einem altersschwachen und überladenen Lastwagen. Von der Sicherheit und vom Komfort mal ganz abgesehen, ist der Jeep noch dazu auch deutlich schneller.
Michel, so stellte sich schnell heraus, ist ein absolutes Original, allerdings wohl etwas einsam als einziger Mundele im Umkreis von etwa 250 Quadratkilometern. Jedenfalls haben wir uns gleich super verstanden und die vier Stunden Fahrt bis Okoyo vergingen schnell. Mit dem Lastwagen wäre das eine Reise von einem Tag gewesen!
 
Okoyo ist ein Nest mit 3000 Seelen, bislang ohne Teerstrasse, auch ohne Elektrizität und fließendes Wasser. Bei den Straßenbauern sieht es etwas anders aus – die Häuser haben Klimaanlage und alle anderen Annehmlichkeiten, außerdem gibt es Satelliteninternet!
Michel beschäftigt einige Einheimische als Koch, Haushaltshilfe, etc. Als wir gegen Mitternacht ankamen, zauberte der Koch ein tolles Abendessen und zur Abrundung gab es etwas, von dem ich schon seit längerem geträumt habe – richtig guten Käse, immerhin wohne ich jetzt bei einem Franzosen!
 
Arg viel gibt es in Okoyo nicht zu sehen: es gibt einen kleinen Markt, ein Geschäft, das besser sortiert ist als die anderen (will in dem Zusammenhang nicht wirklich arg viel heißen), eine Grundschule, ein Krankenhaus ohne Ärzte und ohne Inneneinrichtung, weil die Ärzte, die hier gearbeitet haben, alles mit nach Brazzaville genommen haben, Polizei, diverse Kirchen – das wars dann aber auch schon.
 
Ganz in der Nähe gibt es einen ziemlich großen Fluss. Hier bauen die Chinesen gerade zwei Schiffe, um Dinge für den Straßenbau auch über den Fluss transportieren zu können. Natürlich wurde ich auch hier im Dorf als Chinesin angesehen….
 
Ansonsten verbrachte ich viel Zeit im klimatisierten Haus, habe es einfach genossen, mal nicht unterwegs zu sein, habe mich ausgeruht vom Reisen, die Zeit mit Lesen, Fernsehen und Internet verbracht. Das alles mit gutem Essen, Käse- und Schinkenbroten samt europäischem Bier, Sekt, Pastis etc. Also einfach ein paar Tage Urlaub vom Urlaub.
 
Da die Strasse hier in einem fürchterlichen Zustand ist, wird sie nur sehr selten genutzt, wenn man mal von dem einen oder anderen Truck absieht, der irgendwelche Güter von Gabun nach RC oder umgekehrt transportiert. Eine andere Möglichkeit zum Weiterkommen wären die chinesischen Lastwagen, die immer wieder mal von Okoyo aus nach Franceville fahren, um Nachschub für den Straßenbau zu organisieren. In den vier Tagen bei Michel kamen nur einmal Lastwägen vorbei, die haben wir aber irgendwie verpasst. Als es knapp wurde mit der Gültigkeit meines Visums für RC, hat Michel beschlossen, dass sowieso mal einer der Ingenieure die Strecke bis zur Grenze abfahren und fotografisch dokumentieren muss, warum nicht jetzt. So kam ich in den Genuss einer weiteren Fahrt mit dem tollen Jeep, die Strasse war allerdings mit Abstand die schlechteste, auf der ich auf dieser Reise bisher unterwegs war…. Für die knapp 80 Kilometer brauchten wir trotzdem nur 4 Stunden, Hut ab vor dem Chauffeur!

Die beiden Grenzposten sind etwa 20 Kilometer voneinander entfernt, und ich war froh, dass mich der Jeep durchs Niemandsland bringen konnte, denn natürlich ist auch hier auch nicht mehr Verkehr als auf dem Rest der Strecke!  
 
An dieser Stelle vielen Dank an Michel, den Chef der Straßenbauer von Okoyo, für seine Hilfsbereitschaft und seine Gastfreundschaft. Ohne ihn wäre es für mich ungleich schwieriger, unangenehmer und gefährlicher gewesen, diese Gegend zu bereisen.  Unsere Trinkgelage mit den beiden chinesischen Chefs werde ich auch nicht so schnell vergessen….
Die Ausreise aus RC war mal wieder stressig, weil der Beamte touristische Visa nicht lesen konnte und stur behauptete, das Visum sei abgelaufen. Es brauchte einiges an Zeit und Argumentationskunst, dass er mich ausreisen ließ, das böse Wort Cadeau (Geschenk) habe ich zur Sicherheit einfach nicht verstanden….
 
Umso leichter war die Einreise nach Gabun, wenn man mal davon absieht, dass der einzige Beamte gerade auf der Post war  – 26 Kilometer entfernt. Dadurch hat sich die Einreise unwesentlich verzögert. War aber nicht so tragisch, denn hier war für den congolesischen Jeep Schluss und ein anderes Transportmittel für die Weiterreise war eh nicht da.
Mit dem Einreisebeamten kam ein weiteres Auto und das war mein Glück. Julian, ein freundlicher Mann jenseits der 60 ohne einen Zahn im Mund war erfreut über Gesellschaft im Auto und nahm mich die 26 Kilometer bis Leconi mit. Er baut gerade eine Fabrik für die Verarbeitung von Maniok auf – der wird nicht nur als Nahrung genutzt, sondern auch zur Herstellung von Arzneimitteln und Öl. Was man nicht alles lernt auf so einer Reise! Danach hat er mich zum Hotel gebracht, und weil ich so interessiert an seiner Arbeit mit der Fabrik war und er der Oberboss dort ist, hat er kurzerhand beschlossen, dass ich ein VIP Gast aus Europa bin, der die Fabrik, die Maniokpflanzungen und den Ort Leconi besichtigt, und deswegen Kost und Logis auf Rechnung der Fabrik gehen…. Da war ich nun wirklich platt! Sowas passiert bei uns in Deutschland wohl eher nicht!
 
Im Hotel war auch eine Filmcrew untergebracht, die einen Film vorbereiten: Der Löwe von Poubara. Dabei soll es um die Auswilderung von Löwen in Gabun gehen. Emmanuel, Architekt und Oberboss der Hütten- und Kulissenbauer, hat mich zu den Dörfern mitgenommen, die gerade für den Film errichtet werden.
In Leconi selbst gibt es nicht viel zu sehen, etwas außerhalb liegt der rosa Canyon, der am Spätnachmittag wirklich ganz toll rosa leuchtet. Leider wachen zur gleichen Zeit die berühmt-berüchtigten Fourous, klitzekleine Mücken auf, die aber ganz scheußlich beißen können und deren Bisse oder Stiche nur ganz schlecht heilen, vor allem in einem schwülheißen Klima mit ca. 35 Grad und gut 90 Prozent Luftfeuchtigkeit.
 
Da Emmanuel am folgenden Nachmittag eh nach Franceville musste, hat es sich natürlich angeboten, dass er mich mitnimmt.
 
In Franceville selbst gibt es auch nicht viel zu sehen, aber außerhalb. Natürlich war Emmanuel hier zum Arbeiten, aber diese Arbeiten waren alle im Busch, am Setting und schon allein deswegen spannend! Mit von der Partie war auch Jean aus Frankreich, der die Planungen für das Setting mit den Löwen leitet, die im Käfig nach Poubara kommen und dort in die Freiheit entlassen werden sollen. Es ging darum, den richtigen Ort zu finden mit dem richtigen Licht, den richtigen Bäumen, mit möglichst vielen Lianen und Buschwerk, wo man den Käfig gut verstecken kann, etc….
 
Am Nachmittag brachten wir dann Jean zum Flughafen und fuhren weiter in ein kleines Dorf. Hier haben die Einheimischen für die Dörfer des Films Matten geflochten. Die wurden nun gezählt, in einen großen LKW verladen und nach Leconi transportiert. All die Verhandlungen und vor allem das Zählen der Matten dauerte viel länger als geplant. Wäre im Normalfall kein größeres Problem, aber für mich wurde die Zeit knapp, denn mein Zug nach Libreville sollte um 19.15 gehen… Und natürlich – wenn man es einmal bräuchte, dass ein Verkehrsmittel in Afrika später startet als geplant, ist es mit Sicherheit pünktlich. Und so kam es, wie es kommen musste, der Zug war weg! Aber gut, es gibt unangenehmere Orte als Franceville, um für zwei Tage hängen zu bleiben…
 
Um Franceville herum gibt es einiges zu sehen, ohne Auto ist allerdings der Zugang etwas schwierig. Etwa eine Stunde von Franceville entfernt und ebenfalls in Poubara gibt es eine Lianenbrücke und einen großen Wasserfall. Da Emmanuel wieder nach Leconi musste, nahm ich ein Taxi dorthin. Schon allein die Fahrt war reichlich abenteuerlich. Bereits auf dem Hinweg platzte mit einem Knall ein Reifen.
Die Brücke war wirklich toll, schaukelte aber wie zu erwarten ziemlich und mein Guide, ein etwa 12jähriger Bursch, machte sich einen Spaß daraus, das ganze noch mehr zum Schwanken zu bringen…. Die Wasserfälle und Stromschnellen waren beeindruckend, vor allem auch weil das Ganze mitten im Regenwald liegt.
Der Rückweg per Taxi wurde noch spannender, weil kurz nach unserem Aufbruch der zweite Reifen platzte. So viele Ersatzreifen hat natürlich kein Mensch dabei. Im Busch gibt es logischerweise auch keinen Handyempfang. Also hoppelten wir mit kaputtem Reifen und zunehmend kaputter werdender Felge die restlichen 20 Kilometer bis zur Teerstrasse. Von hier aus konnten wir einen Freund des Taxifahrers telefonisch informieren, wo wir sind, sodass er mit einem weiteren Reifen zu Hilfe kommen kann….
 
An diesem Spätnachmittag hatte ich noch eine unheimliche Begegnung mit einer Schlange, die sich ausgerechnet die Steine vor meiner Zimmertüre zum Sonnenbaden ausgesucht hatte… Nicht, dass sie wirklich groß war, vielleicht einen halben Meter, aber in Afrika traue ich keiner Schlange über den Weg… Der Kellner, den ich zur Hilfe holte, schaute sich die Schlange nur kurz an, holte ein langes Stück Holz und die Schlange war tot. Anscheinend war sie giftig, nicht so, dass man daran stirbt, aber man muss mehrere Tage ins Krankenhaus….
Von Franceville aus ist es ein weiter Weg bis in die Hauptstadt Libreville. Von anderen Überlandreisenden wusste ich bereits, dass die Strasse nicht im besten Zustand ist. Aber es gibt ja den Zug, der die 820 Kilometer fährt. Wenn alles gut läuft, ist man etwa 10 Stunden unterwegs. Letzte Woche gab es allerdings einen Schaden an der Lokomotive und die armen Passagiere waren drei volle Tage und Nächte im Zug….. Ich rüstete mich mal zur Sicherheit mit Essen und Getränken aus – man weiß ja nie. Der Zug fuhr ganz planmäßig um 20.15 los. Das ließ hoffen für den Rest der Reise. Ich hatte erste Klasse gebucht, zuerst war ich mit einem cubanischen Arzt alleine im Sechserabteil, dann kamen zwei weitere Personen dazu.
Zum Schlafen war das zwar nicht mehr ganz so gut wie zu zweit, aber immer noch deutlich angenehmer als zweiter Klasse ohne reservierten Sitzplatz. Anscheinend lieben Afrikaner die Kälte, die Klimaanlage war so krass eingestellt, dass ich sogar meinen Schlafsack aus dem Rucksack fischte. Gegen 8.00 morgens blieb unser Zug auf einmal stehen und rührte sich nicht mehr. Auch Strom gab es keinen mehr, sodass es ziemlich schnell ziemlich heiß im Abteil wurde. Bald sprach es sich herum, dass ein Motorschaden vorliegt…… Mehrere ölverschmierte Mechaniker kamen und gingen, ein paar Krawatten- und Uniformträger wuselten herum. Drei Stunden tat sich gar nichts – dann auf einmal ging es weiter und ohne eine weitere Störung bis nach Libreville, wo wir nach 17 Stunden am frühen Nachmittag ankamen.
 
Mein Domizil hier in Libreville nennt sich Maison Liebermann. Dahinter versteckt sich die Organisation Christlicher Frauen, es werden aber auch ohne Probleme Touristen aufgenommen. Bisher hat auch keiner nach meiner Religion gefragt – praktischerweise haben mich meine Eltern auf den Doppelnamen Andrea Maria getauft, das kommt in solchen Unterkünften immer gut an und erübrigt vielleicht die eine oder andere Frage….
Den ersten Nachmittag in Libreville verbrachte ich mit dem Versuch, irgendeinem der vielen ATMs mit meiner Visacard Geld zu entlocken – habe letztendlich zur bewährten Methode gegriffen und Bargeld beim Libanesen um die Ecke gewechselt, nachdem der ATM gleich zweimal meine Visacard geschluckt hat. Es ist nicht gerade ein beruhigendes Gefühl, wenn der Automat die Kreditkarte nicht mehr rausrückt, aber wenn das in Afrika passiert, ist Schluss mit lustig.
Inzwischen weiß ich, dass die Karte nicht mehr gültig ist, weil die tolle DKB entgegen aller Versprechungen vorzeitig eine neue Karte erstellt hat, die jetzt zuhause in Regensburg liegt – dadurch wurde natürlich die alte Karte ungültig. Ist schon erstaunlich, wie sich die Geschichte wiederholt, denn haargenau das gleiche Problem hatte ich auf meiner letzten Afrikareise 2002, wenn auch mit einer anderen Bank…..
 
Den ersten vollen Tag in Libreville verbrachte ich mit dem Organisieren der Visa für Kamerun und Nigeria. Das für Kamerun war absolut unproblematisch und innerhalb von 1,5 Stunden fertig. Das für Nigeria war eine etwas härtere Nuss. Zuerst musste ich ziemlich lange warten, weil Madame an der Rezeption erst mal ihr Mittagessen verspeisen musste – es warteten etwa 20 Personen geduldig, bis sie fertig war. Jeder wusste, dass man erst mal an ihr vorbei muss, um an ein Visum zu kommen. Also, egal, ob man sich ärgert oder nicht, ruhig und höflich bleiben, ansonsten scheitert man schon, bevor man den Botschafter überhaupt gesehen hat….
Der Botschafter selbst wollte von mir ein Einladungsschreiben sehen, das ich natürlich nicht vorweisen konnte. Woher sollte diese Einladung auch kommen, die paar Nigerianer aus Regensburg, die ich kenne, erwähnt man in diesem Zusammenhang vielleicht besser gar nicht…
Jedenfalls versuchte ich ihm klarzumachen, dass ich im Reisebüro arbeite und unter anderem nach Nigeria reisen möchte, um Kontakte für die Arbeit zuhause zu bekommen. sozusagen, damit Nigeria endlich die Masse an Touristen bekommt, die das Land verdient…. Die Antwort hat ihm anscheinend gefallen, jedenfalls durfte ich mein Antragsformular ausfüllen, zwei Fotos abliefern und die Unsumme von 50.000 CFA, also etwa 75 Euro bezahlen.
Ob der Botschafter für seine Exzentrik bekannt ist, weiß ich nicht, aber bisher musste ich noch nie für ein Visum meine Reiseroute auf einer Landkarte nachmalen und bunt markiert präsentieren. Aber gut, es gibt für alles ein erstes Mal. Also kopierte ich eine Landkarte aus dem Lonely Planet, kaufte diverse Leuchtstifte und fing an zu planen und zu malen. Eigentlich wollte ich nur den Norden von Nigeria bereisen, da der Botschafter aber eindeutig aus dem Süden Nigerias stammt, musste ich natürlich die Reiseroute so planen, dass seine Regionen auch vertreten sind. Stolz präsentierte ich am Nachmittag mein buntes Werk, das dann zu den anderen Unterlagen geheftet wurde.
Am nächsten Tag war ich brav wie vereinbart um 12.00 Uhr wieder beim nigerianischen Botschafter. Tatsächlich klebte ein wunderschönes, ebenfalls buntes Visum in meinem Pass. Na also, geht doch!
 
Wie auch immer, weil ich gerade so drin war im Visa-Shoppen, bin ich weiter zur Botschaft von Benin gefahren und habe dieses Visum auch gleich noch beantragt….
Als nächstes bin ich mit dem Sammeltaxi nach Lambarene gefahren. Die Strasse führt durch sehr dichten Regenwald, hin und wieder sieht man kleine Dörfer oder einzelne Häuser. In ganz Gabun leben nur etwa 1,5 Millionen Menschen, mehr als die Hälfte davon in der Hauptstadt.
In Lambarene quartierte ich mich bei den Seures Bleues ein, christliche Ordensschwestern, die ein paar Zimmer an Reisende vermieten. Die wichtigste Sehenswürdigkeit, eigentlich auch die einzige in Lambarene, ist das Krankenhaus von Albert Schweitzer. Hier gibt es ein Museum mit Fotos, alten Möbeln und diversen chirurgischen Bestecken, Apparaten und Mikroskopen aus der Zeit von Albert Schweitzer. Die Klinik damals war anscheinend besser ausgerüstet als so diverse andere afrikanische Kliniken heute… Ansonsten ist Lambarene eine Stadt mit etwa 30 000 Einwohnern, in der das Leben eher ruhig und beschaulich ist. Beim Frühstücken habe ich einen Einheimischen kennen gelernt, der mir anbot, gemeinsam einen Freund zu besuchen, der deutsch spricht. Letztendlich war es nicht deutsch, sondern englisch, aber interessant war der Beruf des Herr – oberster Gefängnisdirektor von Lambarene. Hier sind 200 Menschen inhaftiert, allerdings sind die Räume derart überbelegt, dass er beschlossen hat, dass sich die Insassen tagsüber im Freien aufhalten dürfen. Hier wird wie in einem normalen Dorf gekocht, Wäsche gewaschen, Kleinkinder versorgt – nur dass die Insassen halt nicht aus dem Gelände heraus dürfen.
 
An folgenden Tag habe ich das Boot von Lambarene nach Port Gentil genommen. Es gibt keine einzige Strasse dorthin. Reisende können nur entweder das Boot nehmen oder fliegen. Auch eigenartig, dass die wichtigste Industriestadt des Landes, Port Gentil, nicht per Auto erreichbar ist.
Wie auch immer, die Reise auf dem Fluss war wunderschön, der Fluss ist zwar sehr breit, aber meist fährt das Boot am Ufer entlang, sodass man einen richtig schönen Blick auf den Dschungel hat. Tiere sieht man hier wenige, dafür umso mehr riesige Bäume, Büsche,  Palmen, hin und wieder kleine Dörfer, oftmals mit überdimensionalen Kirchen. Die Fahrt dauert etwa 7 Stunden und ist keine Sekunde langweilig.
 
Port Gentil ist zwar die wichtigste Industriestadt von Gabun, macht aber einen sehr provinziellen Eindruck. Es gibt kaum hohe Gebäude, wenn man mal von den Hafengebäuden und den Öltürmen im Meer absieht. Bei der erfolglosen Suche nach einem funktionierenden Internetcafe (keine Verbindung wegen Blitzeinschlag in der vergangenen Nacht) habe ich Gisela aus Deutschland kennengelernt. Sie lebt seit vielen Jahren in Gabun, ist hier mit einem Einheimischen verheiratet und hat ihre Arbeit einfach stehen und liegengelassen, um mich mit dem Auto in ihrer Stadt herumzukutschieren! Port Gentil ist nun nicht gerade gesegnet mit Sehenswürdigkeiten, aber es gibt einen schönen Strand, die Anlage von Total, das Hafengelände mit Blick auf die Bohrtürme im Ozean und das neue Krankenhaus. Vielen Dank an Gisela für einen tollen Nachmittag mit vielen Infos über Land und Leute!
 
Mit einem großen Schiff gings dann am folgenden Tag über das Meer zurück nach Libreville.
 
Nach einer weiteren Nacht in Libreville bin ich mit dem Minibus nach Oyem gereist. Das ist bereits nahe der Grenze zu Kamerun. Im Bus habe ich Pepe kennengelernt, die in Frankreich verheiratet ist, aber gerade auf dem Weg zu ihren Eltern in Oyem war. Mit dabei ihr zweijähriger Sohn Cameroun. Kurz entschlossen hat sie mir angeboten, die Nacht bei ihrer Familie zu verbringen. Sowas ist immer spannend! Der Vater hat sich von Pepes Mutter schon vor langer Zeit getrennt und neu geheiratet. Polygamie ist hier etwas sehr normales, er ist inzwischen mit zwei Frauen verheiratet und hat eine etwas unüberschaubare Anzahl von Kindern. Platz und Geld ist begrenzt und natürlich müssen alle mithelfen. Größere Kinder ab ca. 6 Jahren passen auf die kleineren auf, andere kochen, waschen Wäsche oder Geschirr oder holen Holz für das Kochfeuer. Zimmer und Bett teilte ich mit Pepe und ihrem kleinen Sohn. Da das das Bett nicht gerade exorbitant groß war, hatte ich nachts
ständig im Schlaf zappelnde Arme oder Beine von Cameroun im Gesicht, bis ich auf die schlaue Idee kam, mich einfach anders herum ins Bett zu legen. So kam ich wenigstens auch zu einem Stündchen Schlaf….  
 
Der restliche Weg zur Grenze war ein Kinderspiel, auch die Grenze selbst war kein Problem und nach wenigen Minuten war ich in Kamerun! So einfach können Grenzen sein!
 
Inzwischen bin ich in Kribi, einer kleinen Stadt am Meer und genieße es, ein paar Tage nichts zu tun, bevor es dann weitergeht in den Norden des Landes.
Die nächste mail wird dann Kamerun zum Inhalt haben.
 
Viele Grüße aus Kribi, wie immer freue ich mich über mails.
 
Eure Andy
 

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Neues aus Afrika 13 (8. Februar 2010)

 

Die demokratische Republik Congo (DRC) ist so riesengroß, dass es ziemlich schwierig ist, einen halbwegs vernünftigen Eindruck in ein paar Wochen zu gewinnen. Viele Gegenden sind seit Jahren nicht wirklich bereisbar, weil dort Bürgerkriege herrschen, das gilt vor allem für die östlichen Gebiete Ituri und Kivu, also die ehemals touristischen Gebiete mit den Gebirgen und den Berggorillas. Auf meiner Reise habe ich deswegen nur einen sehr kleinen Teil von DRC besucht, und das alles auf der westlichen, also "sicheren" Seite.

Die Hauptstadt Kinshasa ist derzeit eine riesige Baustelle mit sehr viel Staub, Abgasen, zu vielen Menschen, viel zu vielen Autos und Smog. Deswegen auch unerträglich heiß. Natürlich auch nicht ungefährlich, was Kleinkriminalität, Überfälle und Erpressung durch korrupte Beamte, Polizisten und Soldaten angeht. All das realisiert man als Tourist schnell, wenn nicht gar nach ein paar Minuten. Unser Hotel lag praktischerweise im Zentrum, war relativ sauber und durch Tag- und Nachtwächter auch sicher. Arg viel zu sehen gibt es in Kinshasa nicht. Wir haben unser Visum für die Republik Congo (RC) organisiert, haben den Handwerkermarkt besucht, wo es tolle Masken und anderen touristischen Krimskrams gibt, und waren oft im libanesischen Restaurant. Interessant ist das ethnografische Museum mit all den alten Masken, Musikinstrumenten und Statuen von Koenig Leopold und Stanley.

Ansonsten muss man hier sehr mit dem Fotografieren aufpassen. Angeblich wurde das alte System zwar abgeschafft, dass man eine schriftliche Bestätigung benötigt, um überhaupt fotografieren zu dürfen, aber das ist natürlich noch nicht bis zu jedem Polizisten oder Soldaten durchgedrungen. In ganz DRC gibt es unglaublich viele Uniformierte, die extrem schlecht bezahlt werden und deswegen jede Chance nutzen, ihr mageres Gehalt durch eine "Spende", eine sog "Motivation" oder ein Geschenk also ein "Cadeau" aufzubessern. Das geht bei der Einreise an, wo man an der Grenze eine Spende gibt, wenn die internationalen Impfausweise auf die Gelbfieberimpfung kontrolliert werden – wer den internationalen Ausweis hat, zahlt nur eine kleine Spende, diejenigen mit nur einer schriftlichen Bestätigung ohne richtigen Ausweis mehr, die ohne alles….
Und so geht das in einer Tour!

Nach vier Tagen in Kinshasa hatten wir alles Wichtige organisiert und waren bereit für die Weiterreise nach Kikwit.

Nun fragt sich bestimmt der eine oder andere: Kikwit – wo ist das und was gibt es dort so wichtiges zu sehen, dass man 525 Kilometer reist?
Laut Reiseführer ist Kikwit nur bekannt für einen verheerenden Ebolaausbruch 1995, bei dem fast 200 Menschen den Tod fanden. Ansonsten spricht der Führer noch über ein paar Wasserfälle in der Nähe. Weder Ebola noch die Wasserfälle waren der Grund für unsere Reise dorthin, sondern wir hatte eine Einladung von Vincent und Celine Uluma, sie in Kikwit zu besuchen.

Vincent hat vor einem Jahr in meiner Geburtsstadt Günzburg einige Wochen als Arzt gearbeitet. Zu dieser Zeit wurden im Günzburger Krankenhaus einige Materialen ausrangiert – OP-Bestecke, Betten, Schränke, medizinische Geräte, etc. Alles Dinge, die in DRC fehlten und dringend gebraucht wurden. So kam schnell die Idee auf, diese Dinge doch lieber in den Congo zu schicken. Die Kosten dafür übernahm der Lionsclub Günzburg.

Nach einer langen Reise sind die Sachen inzwischen in Kikwit eingetroffen und in mehreren Kliniken in Gebrauch. Als im Lionsclub Günzburg meine Reiseroute bekannt wurde, kam natürlich gleich die Idee auf, den Kontakt mit Dr Uluma herzustellen. Ich hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass er uns gleich einlädt, nach Kikwit zu kommen und bei ihm und Celine, seiner belgischen Frau zu wohnen.

Im Vorfeld hatten wir herausgefunden, dass die Busse nach Kikwit in der Nähe des internationalen Flughafen jeden Tag morgens starten. Also waren wir um kurz nach 7 Uhr dort. Es gab jede Menge Busse, alle nach Kikwit. Nach bestem Wissen und Gewissen suchten wir das Gefährt aus, das am besten aussah und schon die meisten Passagiere hatte in der Annahme, dass dieser Bus als erstes starten würde. Die Sache zog sich etwas in die Länge, riesige Lasten wurden angeliefert und irgendwann aufs Dach geladen. Irgendwann – das war gegen 13.00 Uhr. Gegen 14.00 Uhr kamen dann unsere Rucksäcke dran und kurz darauf fuhren wir los. Von Vincent und Celine wussten wir, dass es 10 oder 12 Stunden dauern würde, bis wir die 525 Kilometer nach Kikwit hinter uns haben, also machten wir uns gedanklich auf eine Ankunft in der Nacht bereit. Aber wieder mal kam alles anders als gedacht.

Letztendlich verließen wir Kinshasa gegen 16.00 Uhr, nachdem wir einige Zeit in einer Werkstatt und an einer Tankstelle verbracht hatten. Etwa 10 Kilometer nach der Stadtgrenze hatten wir eine Panne – eine Sache von nur einer knappen Stunde. Fünf Kilometer weiter war der nächste Halt, ein Ersatzteil musste besorgt werden – das gute daran war, dass wir noch nicht weit von Kinshasa entfernt waren. Nachdem das Teil geliefert und eingebaut war, fuhren wir im Dunkeln weiter. Da dachten wir noch, okay, für Vincent und Celine ist es besser, wenn wir früh morgens ankommen als mitten in der Nacht……

Auch das war ein Trugschluss!!!!

Morgens gegen 5.00 Uhr war es dann endgültig vorbei mit unserem Bus. Mitten im schlechtesten Stück der Piste gab der Bus definitiv seinen Geist auf. Da hatten wir etwa 250 Kilometer hinter uns – also noch nicht mal die Hälfte. Die meisten Passagiere fügten sich in ihr Schicksal, nun mehrere Tage im Busch festzusitzen, bis ein weiteres Ersatzteil samt Mechaniker von Kinshasa oder Kikwit kommt. Diejenigen mit Geld (nicht viele) schauten nach einer anderen Fahrgelegenheit. Dazu marschierten wir mit vollem Gepäck ins nächste Dorf.
Dort war ein Bus, der dankenswerterweise gerade repariert wurde. Dieser Bus lag hier bereits seit 5 Tage (sprach nicht wirklich für das Gefährt), war nun aber fertig repariert, also hoffentlich in besserem Zustand als vorher und hoffentlich auch besser als unser erster Bus. Wir bezahlten nochmal den halben Fahrpreis pro Person und konnten unsere Reise fortsetzen. Nach weiteren acht Stunden Fahrt kamen wir nach insgesamt 27 Stunden Reisezeit in Kikwit an.

Blonde Haare fallen in Afrika sofort auf, und dementsprechend waren die Immigration Officers sofort am Bus und begannen, unangenehme Fragen zu stellen. Natürlich lief das auf ein Cadeau, ein Motivation oder was auch immer hinaus. Kurz darauf kam Celine mit Kipling, einem Einheimischen, und holte uns da raus! Frau Uluma ist in Kikwit durchaus bekannt, und sofort war der Spuk vorbei!

Wir hatten eine tolle Zeit in Kikwit mit Vincent und Celine. Eine Zeit, in der wir viel über DRC, seine Geschichte, Geographie, die Menschen und die Politik lernen konnten. Und natürlich die tolle Natur, mit der dieses Land gesegnet ist. Wenn das Land nur endlich zur Ruhe käme, könnten die Menschen hier sehr gut von dem leben, was das Land hergibt.
Natürlich müssten dazu erst mal die Strassen besser werden, die Verkehrsmittel logischerweise auch. Die Armut ist sehr groß in diesem Land, damit meine ich nicht nur tatsächlichen Hunger, Unterernährung und Krankheiten. Es fehlt auch an geistiger Nahrung, und wenn es nur ein Kino ist. In Kinshasa gibt es wieder eines, aber das dürfte auch das einzige im ganzen Land sein. König ist, wer einen Fernseher hat, vor allem zu Zeiten des Africa Cup of Nations, damit konnte man richtig Geld verdienen!

Wir verbrachten sage und schreibe 10 Tage in Kikwit, einer Stadt mit etwa einer Million Menschen, die aber eher wie ein großes Dorf aussieht. Im Stadtzentrum sind riesige Berge Schlamm und Sand. Bei jedem Regen wird mehr Erdreich von den Hügeln heruntergespült. Die Bäume, die das Erdreich früher festhielten, mussten illegalen Hütten weichen, seitdem rutscht immer mehr Schlamm in die Strassen der Stadt. In Kikwit gibt es sechs mal pro Woche Strom – dreimal vormittags fuer drei Stunden, dreimal abends fuer drei Stunden…
Reichere Haushalte oder auch manche der Kliniken (aber nicht alle) haben einen Generator.

Natürlich haben wir mit Vincent viele der Kliniken angesehen, in denen nun Ausrüstung aus Günzburg eingesetzt wird. Immer wieder bin ich auch auf stabile Alukisten der Firma Munk Steigtechnik gestoßen. Alles, was geliefert wurde, ist in Gebrauch und macht das Leben vieler Menschen dort leichter! Vielen Dank an diejenigen in der Klinik und im Lionsclub Günzburg, die das möglich gemacht haben. Ich möchte gar nicht wissen, wie die Arbeitsbedingungen ohne das alles wären….

Immer wieder sind wir mit Vincent auch in den Busch gefahren, sei es, um die Farm zu besuchen, der gerade für die Klinik aufbaut, um frisches Fleisch zu haben, einen Patienten zu besuchen, der 120 Kilometer von Kikwit lebt oder ein Meeting im größten Krankenhaus der Gegend, für dessen Besichtung mit einer Ordensschwester wir drei Stunden unterwegs waren!

An einem Tag konnten wir den Besuch eines Patienten auch mit dem Besuch der Wasserfälle von Kakobola verbinden. Wirklich riesige Wasserfälle, die außer den Einheimischen vermutlich kaum jemand kennt.

Nach 10 Tagen nahmen wir schweren Herzens Abschied von Vincent und Celine. Ich möchte mich an dieser Stelle für ihre Gastfreundschaft und ihre Geduld unseren vielen Fragen gegenüber herzlich bedanken. Wir hatten eine tolle Zeit in Kikwit und ich hoffe sehr, dass wir uns bald in Europa wiedersehen!

Auf dem Rückweg machten wir es uns leicht und nahmen einen Flug mit Kin-Avia. Der Flug war mit einer 25-Sitzer-Propeller-Maschine und wir brauchten gerade mal 75 Minuten bis Kinshasa.

Hier wollten wir gar nicht mehr übernachten, sondern nach einem Besuch des Kunstmarktes gleich mit dem Boot nach Brazzaville übersetzen. Aber da hatte uns die Unwägbarkeit des Reisens in Afrika wieder voll im Griff.

Es dauerte etwa 2 Stunden, bis der ganze Papierkrieg bezüglich der Ausreise aus DRC erledigt war, wir die Tickets für das Boot hatten und wir endlich über den Fluss Congo nach Brazzaville übersetzen konnten. Auf der anderen Seite nahm uns ein lokaler Agent in Empfang, der uns bei dem Papierkrieg auf der anderen Seite behilflich sein sollte. Damit fing das Problem aber erst an. Aus irgendeinem Grunde hatte der Chef der Einreisebehörde am Beach von Brazzaville ein Problem mit unserem Agenten, es gab ein großes Palaver, gegenseitiges Anschreien und da wussten wir schon, da läuft irgendwas total schief….
Das Ergebnis bekamen wir gleich geliefert: wir wurden von Uniformierten wie Schwerverbrecher zum Boot eskortiert undzurück nach Kinshasa abgeschoben!
Das muss man sich mal bildlich vorstellen – abgeschoben vom relativ sicheren und an sich freundlichen RC zurück nach DRC. Und das logischerweise ohne gültiges Visum für DRC, das wurde bei der Ausreise natürlich abgestempelt…. Das stellte die Behörden auf der anderen Seite vor große Probleme, letztendlich haben sie uns ein neues Visum für nur 60.- US pro Person ausgestellt. Kurz bevor es dunkel wurde, fanden wir uns dann mit vollem Gepäck auf Kinshasas unsicheren Strassen wieder. Um diese Uhrzeit war es alles andere als einfach, ein Dach über dem Kopf zu finden.

Am folgenden Tag versuchten wir unser Glück noch einmal. Um 7.00 Uhr waren wir bereits bei unserem Lieblingsofficer auf der DRC Seite. Er telefonierte mehrmals mit der anderen Seite, bis das okay kam, dass wir reisen dürfen. Um 10.00 Uhr fuhren wir per Boot los auf die andere Seite des Congo Rivers.
Doch zu früh gefreut: der Officer auf der anderen Seite machte wieder Ärger. Diesmal hatten wir zwar vorgesorgt und ein Hotel in Brazzaville telefonisch vorreserviert, aber der Officer wollte das so nicht akzeptieren. So musste unser armer Hotelier kommen und uns am Beach abholen! Was dieser tatsächlich machte, und es dauerte gar nicht lange und der Papierkrieg war endlich vorbei. Wow, geschafft!

Wenn man es endlich geschafft hat, nach Brazzaville einzureisen, stellt sich der Ort als sehr angenehm heraus. Brazzaville hat viele Restaurants, einige Hotels, gut sortierte Supermärkte, einige Internetcafes und jede Menge Taxis. Also alles, was man so braucht. Sehenswertes gibt es nicht allzu viel, aber das ist für afrikanische Großstädte ja nicht unüblich.
Es gibt ein paar Denkmäler, eine Handvoll interessante Gebäude, ansonsten hat sich die Stadt vom Krieg schon wieder ganz gut erholt. Eine unserer ersten Aktionen war, Ecofac aufzusuchen. Das ist die Parkverwaltung für den Odzala Nationalpark im Norden von RC. Erst mal war es schwierig, herauszufinden, wo das Büro ist, dann war es schwer, an Infos über den Park heranzukommen. Angeblich gehen in der nächsten Zeit Gruppen in den Park, aber keiner weiß, wann. Von der Anzahl der Teilnehmer hängt es ab, wie teuer der Trip kommt. Also ist die Frage der Gruppengröße und natürlich auch des Datums nicht unerheblich. Leider weiß ich heute, nach fünf Tagen in Brazzaville, nicht mehr als am ersten Tag. Afrika lässt einen manchmal schon verzweifeln….
Aber gut, am Montag werde ich es nochmal versuchen, und falls es keine Infos gibt, am Dienstag weiter Richtung Gabun fahren.

Shahid ist inzwischen wieder auf dem Heimweg in die USA. Wir hatten eine tolle Reise durch Angola und DRC und haben unseren Angolatraum gelebt. Mit ihm war es deutlich leichter, diese beiden Länder zu bereisen und selbstverständlich auch viel sicherer, logischerweise auch preiswerter, wenn man sich Taxis und Hotelzimmer teilen kann.
Es gibt schon neue Pläne für eine weitere Reise in ein paar Jahren….

Nun gehts allein weiter, erst mal innerhalb von RC bis in einen kleinen Ort namens Oyo, von dort aus über eine sehr schlechte Strasse nach Francistown und Gabun.. Auf diesem Stück gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel, aber viele Trucks. Mal was neues, Trucks hatte ich auf dieser Reise noch nicht!

 Die nächste mail kommt dann wohl aus Gabun, wohl über die Weiterreise in RC und Gabun.

Viele Grüße aus Brazzaville. Ich freue mich immer über mails

Eure Andy

P.S. Vor ein paar Tagen erreichte mich die tolle Nachricht, dass der Stammtisch meiner Eltern beschlossen hat, Monica und die Kinder in der Suppenküche in Katutura bei Windhoek finanziell zu unterstützen. Durch diese 1000 Euro können vier weitere Kinder ein Jahr zur Schule gehen inclusive Schuluniform, Bücher und Schreibutensilien. Im Namen von Monica und den Kindern vielen Dank an den Stammtisch!!!!!

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Neues aus Afrika 12 (20. Januar 2010)

 

Nachdem Shahid doch glatt den Flug von Johannesburg nach Windhoek verpasst hatte und eine Nacht in Südafrika verbringen musste, kam er endlich am 30.12.09 in Namibia an. Nach einem kurzen Rundgang durch Windhoek und der Erkenntnis, dass sich die Stadt in den letzten 10 Jahren seit seinem letzten Besuch deutlich verändert habe, packten wir unsere Sachen und waren bereit für den Bus, der am Nachmittag gegen 17.00 oder 18.00 Uhr von Katutura abgehen sollte.
Es war ziemlich eigenartig, von den Freunden in Windhoek Abschied zu nehmen, Monica ließ es sich nicht nehmen, uns zum Busbahnhof zu begleiten, um sicher zu sein, dass wir auch im richtigen Bus an die angolanische Grenze sitzen. Die gute Seele!

Na ja, nun konnte es anfangen, das Abenteuer Angola. Im Chameleon Backpackers habe ich auch eine nette angolanische Familie kennen gelernt, die aus Luanda kommt. Zur Sicherheit habe ich ihre Telefonnummer, falls irgendwas schief läuft oder die Verlängerung meines Visas nicht klappt. Der Bruder der Frau arbeitet eng mit der Visastelle in Luanda zusammen…. Das ist doch mal ein gutes Omen!

Am 30.12.09 fuhren Shahid und ich also los. Der Bus sollte eigentlich spätestens um 18.00 Uhr losfahren….. Tja, es dauerte, bis der Bus voll war und so starteten wir letztendlich um 22.00 Uhr nach Oshikango. Während der Fahrt schüttete es wie aus Kübeln, es war wahnsinnig eng im Bus und die Musik möchte ich eigentlich nicht wirklich Musik nennen. Aber es war ein gutes Gefühl, wieder unterwegs zu sein!

Gegen 08.00 Uhr morgens kamen wir ziemlich gerädert in Oshikango an und nahmen die Grenze in Angriff.
Grenzen in diesem Teil Afrikas sind nicht so einfach zu passieren wie die in Ostafrika oder im südlichen Afrika. Ausreisen aus Namibia war natürlich unproblematisch, aber die Einreise nach Angola war schon etwas abenteuerlicher…. Natürlich wurden wir als die einzigen Weißen gleich mal aus der normalen Warteschlange herausgefischt, weil sich um uns selbstverständlich der Chef persönlich kümmern muss. Zu dieser frühen Stunde war der Herr aber noch nicht da. Es dauerte gut 1,5 Stunden, bis wir vorgelassen wurden. Er wollte unbedingt unsere Einladungsschreiben aus Angola sehen. Diese Einladungen braucht man, um das Visum überhaupt zu bekommen. Logischerweise werden diese Einladungsschreiben von der Botschaft, an der das Visum beantragt wird, einbehalten. In meinem Falle war es noch nicht mal ein Einladungsschreiben einer angolanischen Person, Organisation oder eines Hotels, sondern ein Empfehlungsschreiben der deutschen Botschaft von Windhoek. Aber das wusste der Grenzbeamte nicht und brauchte es auch nicht zu wissen. Wir wurden peinlichst genau nach unseren Finanzen gefragt, mussten belegen, dass wir mindestens 3000.- US pro Person und jede Menge Kreditkarten bei uns haben….
Tja, nach weiteren 30 Minuten Befragen nach dem Warum und Wohin durften wir endlich einreisen. Vermutlich war eines unserer Zauberworte der Africa Cup of Nations, das Fußballereignis schlechthin, das in Angola stattfindet. Es ist natürlich absolut nachvollziehbar, dass wir beide extra aus Deutschland und den USA anreisen, um die Fußballspiele in Angola zu sehen…. Jeder, der mich auch nur halbwegs kennt, weiß, dass mein Fußballverständnis noch weniger als rudimentär ist…. Also die volle Lachnummer, aber was solls, wenn das der Grund ist, dass wir einreisen dürfen – bitte, warum nicht!

Nachdem wir in Ermangelung einer Bank auf der Strasse US Dollar in einheimische Kwanza gewechselt hatten, machten wir uns auf den Weg zum Busbahnhof in Santa Clara, dem Grenzort auf angolanischer Seite. Der Bus war ganz gut, die Musik deutlich besser als auf der namibischen Seite, die Straße anfangs ganz toll geteert und gut in Schuss. Das sollte sich aber schneller ändern als uns lieb war!
Es waren zwar keine mannshohen Löcher, vor denen ich von den wenigen entgegenkommenden anderen Reisenden gewarnt worden war, aber es war eine Rüttelpiste, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt habe. Die Einheimischen im Bus waren aber alle gut gelaunt. Das hatte durchaus seinen Grund: ein Truck vor uns hat immer wieder volle Whiskeyflaschen verloren, die erstaunlicherweise den Fall auf die Piste heil überstanden haben. Je höher die Anzahl der aufgelesenen Whiskeyflaschen, desto besser wurde die Stimmung im Bus….

Gegen 20.30 Uhr kamen wir nach 9 Stunden im Bus endlich in Lubango an. Unsere erste Stadt in Angola stellte uns anfangs auf eine Geduldprobe. Es war alles andere als einfach, eine Unterkunft zu finden. Alle halbwegs preiswerten Hotels (unter 100 US) schienen ausgerechnet in der Sylvesternacht ausgebucht zu sein.
Mithilfe mehrerer netter Einheimischer fanden wir schließlich eine Unterkunft zu einem akzeptablen Preis. Von außen sah das Hotel zwar ziemlich eigenartig aus, hatte keinen Namen, noch nicht mal eine Tür. Na ja, es hatte eine Tür, allerdings nur den Rahmen, man konnte hindurchsteigen und war an der Rezeption… Aber das Zimmer war okay und man konnte diese Tür samt Rahmen hinter sich zusperren. Das ist doch schon mal was!
Also gingen wir das nächste Problem an: Abendessen! In Europa wie auch in den meisten anderen Ländern dieser Welt ist es normalerweise kein Problem, am 31.12 abends irgendwo etwas Essbares zu organisieren. Nicht so in Lubango/Angola. Es war einfach alles geschlossen, sei es Snackbars, Cafes, Restaurants, Supermärkte, Märkte, noch nicht mal fliegende Händler waren unterwegs! Um nicht komplett hungrig schlafen zu gehen, genehmigten wir uns in der Pianobar des Grand Hotel einen Drink. Essbares gabs auch hier leider nicht.

Nachdem wir beide Sylvester verschlafen hatten, dachten wir an ein nettes Frühstück zum Neujahrstag – aber auch das war ein Fehlstart, es hatte einfach nichts auf. Also schauten wir zumindest nach einer preiswerteren Unterkunft, die wir in der Pension Jasil auch fanden. Hier gibts zwar kein fließendes Wasser und auch kein eigenes Bad – wozu auch ohne Wasser – dafür kostet das Zimmer auch "nur" etwas über 50.- US. Tja, Angola ist teuer, und man bekommt nicht wirklich viel für sein Geld….

Immerhin war das Mittagessen durch ein Buffet im Grand Hotel gesichert. Durch die Buffetform konnten wir auch so viel essen, dass es für den ganzen Tag gereicht hat.

Am Nachmittag lernten wir dann Carlos kennen, der durch einen Aufenthalt in London sehr gut englisch spricht. Mit ihm waren wir gemeinsam etwas außerhalb von Lubango bei einer Kirche, von wo aus wir einen tollen Blick auf die Stadt hatten.

Am nächsten Tag waren die Dinge wieder etwas normalisiert und wir fanden tatsächlich ein offenes Restaurant, wo wir ein Frühstück bekamen. Nachdem wir auch noch Geld auf der Straße wechseln konnten (Samstags sind ja die Banken auch geschlossen), machten wir uns auf den Weg zum Busbahnhof.

Wir hatten Glück und bekamen die letzten Plätze im Bus nach Namibe, einer Kleinstadt am Meer. Mit dabei war auch Baptista, der beruflich nach Namibe musste. Er arbeitet für eine Organisation, die HIV-Patienten unterstützt und Aufklärung betreibt. Das ganze wird durch den Verkauf von Second Hand Kleidung finanziert. Baptista ist derjenige, der die Gelder verwaltet und sich um den Papierkram kümmert. Er und sein Partner halfen uns dann bei der Suche nach einer preiswerten Unterkunft in Namibe.
Von dem sozusagen gesparten Geld konnten wir so richtig toll schlemmen gehen und fanden uns wieder in einem Restaurant am Meer, von es eine Fischplatte mit Lobster, Muscheln und Scampi gab!
Von den zum Teil schön restaurierten Kolonialhäusern abgesehen hat uns ein Geschäft besonders fasziniert. Hier gab es Cornflakes zu kaufen – für umgerechnet 28.- US!

Am folgenden Tag sind wir per Bus wieder zurück nach Lubango gefahren. Da diesmal die Sonne schien, hatten wir einen richtig tollen Blick auf die Haarnadelkurven und die Felsabbrüche rauf auf das Plateau – wirklich spektakulär.
Wir hatten eigentlich vor, gleich weiter nach Benguela zu fahren, aber die Busse der Busgesellschaft SGO waren für die nächsten drei Tage ausgebucht. Bei der Konkurrenz gab es wenigstens Tickets für morgen. Also eine weitere Nacht in der Pension Jasil.

Die Fahrt nach Benguela dauerte etwa 6,5 Stunden und führte zuerst durch dichten Busch, dann die Berge hinunter und es wurde deutlich trockener. Immer wieder konnten wir Steine mit rot-weißen Markierungen sehen, die lokale Variante, vor Minen zu warnen. Demnach muss es hier noch viele Gegenden geben, in denen Minen herumliegen.

Benguela stellte sich als sehr angenehme Stadt heraus. Es gibt einige wirklich schöne alte Häuser aus der Zeit der Portugiesen, die Stadt hat sehr viele Plätze mit großen schattigen Bäumen, und zudem liegt sie am Meer. Die Menschen sind sehr relaxed und freuen sich über Fremde.
Mitbestimmend bei dem guten Eindruck von Benguela ist natürlich auch die Unterkunft. Wir wohnten bei Nancy, einer Amerikanerin, die seit vielen Jahren in Benguela lebt, eine Englischschule hat und ein Guesthouse betreibt. Zum einen hat sie ein Herz für die wenigen Traveller, die durch Angola kommen, und kennt die Probleme der teuren Unterkünfte, zum anderen steht sie mit Tipps und Tricks zur Seite, ob nun ein Visum verlängert werden, eine Unterkunft in Luanda gefunden oder ein Ausflug nach Lobito geplant werden soll. Egal, um was es geht, erst mal Nancy fragen. Das alles gepaart mit der Tatsache, dass das Hostel blitzsauber ist, interessante Menschen als potentielle Lehrer hier ebenfalls wohnen und es neben fließendem kaltem und heißem (!) Wasser auch noch eine Klimaanlage in jedem Zimmer gibt! Eine Oase der Erholung!
In der Stadt selbst gibt es viel zu entdecken, vor allem Kulinarisches. An unserem zweiten Tag hat Shahid es allerdings etwas übertrieben – gekochte Rinderhufe und anschließend Hühnerinnereien…. Na ja, bereits abends kündigte sich die Lebensmittelvergiftung an, die ihn den nächsten Tag zwischen Zimmer und Bad hin und her pendeln ließ. Letztendlich konnte er sich keinen besseren Ort für sowas aussuchen.

Nach einem Ruhetag war Shahid wieder fit und wir konnten nach Lobito fahren.. Angeblich sollte es hin und wieder Schiffe geben, die von hier aus nach Luanda fahren. Gleich vorweg, ein solches Boot konnten wir nicht finden, aber Lobito hat ein gutes Internetcafe, nette Restaurants direkt am Meer und einige Kolonialhäuser, sodass man sich gut und gerne einen halben Tag hier aufhalten kann.

Dank Nancys Hilfe und dem guten Paypal kamen wir auch ohne große Probleme an mehr US-Bargeld. Angola ist doch deutlich teurer als erwartet und diese Finanzspritze ließ uns etwas aufatmen.
     
Nach 4 Tagen in Benguela mussten wir denn doch weiter und nahmen Abschied von Nancy und dem gastlichen Ort, an dem wir doch längere Zeit verbracht haben als zuerst geplant.

Der Bus nach Huambo fuhr durch eine wunderschöne Gegend. Zuerst war alles noch sehr trocken, dann kamen die Felsen, schließlich spärliches Grün, etwas später Büsche und Bäume, viele Baobabs und dann grüne Felder, je weiter wir Richtung Huambo kamen. In dieser Gegend waren auch nicht so viele Warnhinweise wegen Minen wie entlang der Strecke Lubango – Benguela. Die Dörfer und kleinen Städte waren allerdings wie ausgestorben, man hatte das Gefühl, dass viele Häuser überhaupt nicht mehr bewohnt sind. Die Gegend um Huambo war besonders betroffen von den letzten Tagen des Krieges, ich kann nur vermuten, dass viele Menschen damals vor den Kämpfen geflohen sind und deswegen die Häuser nach wie vor leerstehen.

Huambo ist nach Luanda die zweitgrößte Stadt Angolas und liegt auf etwa 1500 Metern Höhe. Das Klima ist deswegen sehr angenehm, abends wird es sogar richtig kühl. Huambo war ein Zentrum der Kämpfe, die nach dem Waffenstillstand von 1988 stattfanden. Der Krieg war eigentlich schon vier Jahre zuvor beendet, 1992 fand dann eine Wahl statt, die die UNITA verlor, das Ergebnis aber nicht anerkennen wollte. So kam es wieder zu Kämpfen, und das Zentrum war diesmal Huambo. Diese mehrmonatigen Kämpfe kosteten mehrere hunderttausende Menschen das Leben. Die Stadt wurde so gut wie komplett zerstört, noch heute sieht man Häuser mit vielen Einschusslöchern. Huambo war einer der Orte, wo wir länger nach einer passablen Unterkunft suchen mussten. Ein Portugiese brachte uns zunächst zu einer Pension, die zwar nur umgerechnet 80.- US für das Zimmer haben wollte, aber dieses Zimmer war echt ein Loch! Also machten wir uns zu Fuß weiter auf die Suche und fanden das Restaurant Gigi. Laut unserem Reiseführer ein Einheimischenrestaurant. Eigentlich wollten wir hier nur was trinken und unser Gepäck unterstellen. Wie so oft kam alles anders. Wir lernten Raymondo von Radio Huambo kennen, der uns mit einer kompletten Fan-Ausstattung für die Fußballspiele ausrüstete. Außerdem fanden wir in einem Nebensatz heraus, dass es hier auch Zimmer gibt! Wir sind gleich in die Verhandlungen eingetreten und konnten den Zimmerpreis ein bisschen nach unten korrigieren. Immerhin waren wir die ersten Touristen, die jemals in dieser Pension waren!

Huambo hat wenig wirkliche Sehenswürdigkeiten, aber die Menschen hier sind besonders freundlich und aufgeschlossen. Es gibt zwei große Plätze. An einem steht ein riesiges Monument mit einem lesenden Soldaten, rings herum sind die wichtigsten Gebäude der Stadt, Gouverneurspalast, Verwaltung, Post, etc. Der andere zentrale Platz ist mit sehr viel Grün, Springbrunnen, einem Spielplatz und vielen Sitzgelegenheiten ausgestattet.
In Huambo fällt ganz besonders auf, wie jung die Bevölkerung in Angola ist. Man sieht kaum Menschen, die über 50 Jahre alt sind. Die meisten sind eher sogar deutlich unter 20!

Ich bin mir nicht ganz im klaren, woran das liegt, aber es gibt wohl mehrere Erklärungen: Der Krieg hat mit Sicherheit vielen Erwachsenen das Leben gekostet, deren Kinder nun als Waisen oder Halbwaisen aufwachsen. Außerdem leben viele Menschen nach wie vor auf dem Land, die Kinder wandern aber eher in die Städte ab, die Älteren bleiben im Dorf. Oftmals waren Shahid und ich im Bus oder im Restaurant die absoluten Methusalems im Vergleich zu allen anderen…

In Huambo haben wir Edelgard getroffen, die für eine deutsche Hilfsorganisation arbeitet. Wir haben mit ihr und ihrem südafrikanischen Arbeitskollegen einen interessanten Abend in einem Restaurant verbracht.
An diesem Abend begann auch CAN, die afrikanischen Fußballmeisterschaften, die diesmal in Angola ausgetragen werden. Natürlich saßen wir, wie die Angolaner auch, ausgerüstet mit unseren Angolafahnen und Angolamützen vor der Glotze. Anfangs waren im Restaurant alle komplett begeistert vom Spiel, kein Wunder bei 4 Toren für ihre Mannschaft, am Ende hieß es aber 4:4 und logischerweise war die Stimmung dann nicht mehr ganz so gut….

Am folgenden Tag mussten wir mal wieder früh aufstehen. Früh heißt in dem Zusammenhang wirklich früh (4.15 Uhr), denn unser Bus nach Luanda sollte bereits um 6.00 Uhr abfahren. Um diese Zeit ist es immer ein bisschen schwierig, Transport zum Busbahnhof zu finden, aber nach 30 Minuten Fußmarsch mit vollem Gepäck fanden wir ein Sammeltaxi mit einem supernetten Fahrer, der noch nicht mal Geld von seinen ersten Touristen wollte!

Die Angolaner sind meist sehr freundlich und neugierig, wenn sie uns mit den Rucksäcken sehen. Touristen sind nach wie vor ein Novum, auch wenn bereits seit zwei Jahren Touristenvisa vergeben werden. Diese Visa sind unheimlich schwer zu bekommen. Also kein Wunder, dass viele Einheimische noch nie einen Touristen gesehen haben…. Noch dazu, wenn diese Menschen mit den großen Rucksäcken gerade mal zehn Wörter Portugiesisch sprechen können, dann erwacht die Neugier…

In Luanda hatten wir das Glück, ein Zimmer bei Cuamm, einer italienischen Hilfsorganisation zu bekommen. Glück deswegen, weil Hotels in Luanda höllisch teuer und in der unteren Preiskategorie auch nicht besonders sicher sind. Wir bezahlten 100 US,- für unser Zimmer ohne eigenes Bad, also ein richtiges Schnäppchen, und sicher war es auch noch mit Tag- und Nachtwächter!
Luanda ist eine riesengroße Stadt mit sehr vielen slumartigen Stadtvierteln, die sich rings um die Stadt herum ausbreiten und Favelas genannt werden.

Am ersten Abend suchten wir in der Innenstadt entlang der Promenade am Meer nach einem Restaurant – vergebens. In der Innenstadt gibt es Banken, Verwaltungsgebäude etc, aber kein normales Restaurant. Die findet man etwa einen oder zwei Kilometer vom Meer entfernt. Aber auch einfache Gerichte in sehr einfachen Restaurants kosten gut und gerne 20 Dollar…. Es heißt nicht umsonst, dass Luanda derzeit die teuerste Stadt der Welt ist.

Einen Nachmittag haben wir uns mit Helder getroffen. Ihn und seine Familie habe ich im Hostel in Windhoek kennen gelernt, als sie dort über Weihnachten Urlaub machten. Helder konnte uns viel über Angola, seine Geschichte, Geographie, Politik und natürlich seine Bewohner erzählen. Vielen Dank Helder für die Geduld mit all unseren Fragen!

Zuerst nahmen wir unsere Visa für die demokratische Republik Congo (DRC) in Angriff. Schon das dauerte zwei komplette Vormittage.

Arg viel Touristisches gibt es in Luanda nicht zu sehen, aber alles, was man vorhat, dauert prinzipiell schon mal ewig, weil der Verkehr hier einfach höllisch ist!
Ein Trip zum Stadtteil Esquanza, wo der Bus in Richtung Congo abfährt, dauerte ca vier Stunden return! Hinkommen war noch leicht, weil uns ein Einheimischer per PKW dorthin brachte, zurück mit öffentlichen Verkehrsmitteln war Schluss mit lustig. Vor allem, als einer der Busse mitten in einer Favela seine letzte Station hatte. Ein bisschen eigenartig, in solch einem Viertel ohne ortskundigem Einheimischen unterwegs zu sein. Aber auch hier hatten wir Glück, als uns ein Sammeltaxifahrer, der zehn Jahre in Südafrika gearbeitet hat, aufgabelte und wieder rausbrachte…

Wer mich kennt, weiß, dass ich normalerweise mit Fußball nichts am Hut habe, aber natürlich wollten wir in Luanda ein Spiel des Africacups anschauen! Tickets dafür wurden bei den Banken verkauft, aber es war nicht herauszufinden, in welcher. Jede Bank verwies uns an die andere, sodass wir uns im Kreis bewegten. Also beschlossen wir, zum Spiel Mali – Algerien einfach zum Stadion zu fahren und unser Glück dort zu versuchen.

Zum Stadion zu kommen, ist auch eine Geschichte für sich – das ist nämlich ewig weit außerhalb! Da wir kein Sammeltaxi finden konnten, das dorthin fuhr, fragte ich in meinem nicht vorhandenen Portugiesisch zwei Männer in einem mit Angolafahnen geschmückten Auto, ob sie wissen, wie man am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln und nicht per Privattaxi dorthin kommt. Zumindest dachte ich, dass ich das gefragt hatte… Sie bedeuteten uns, dass wir einsteigen sollten. Da war ich noch der irrigen Annahme, dass sie uns zum nächsten Sammeltaxi bringen…. Nach etwa 20 Minuten fanden wir das Ganze allmählich eigenartig, waren aber gleichzeitig neugierig, was da kommen würde. Nach insgesamt 50 Minuten Fahrt hielten wir bei einem Bus voller Fußballfans, der Fahrer unseres Wagens drückte uns noch Geld für den Bus in die Hand, drehte um und fuhr vermutlich den ganzen Weg zurück… Irgendwie muss ich sehr überzeugend, komplett mittellos und absolut
fußballfanatisch gewirkt haben….

Am Stadion fanden wir nach langem Herumsuchen heraus, dass die Spiele ausverkauft sind, weil die Tickets im Doppelpack verkauft wurden. Aber dafür gibt es noch den Schwarzmarkt, sodass wir endlich zu unseren Tickets kamen!
Die Stimmung im Stadion war toll. Das erste Spiel Mali – Algerien war natürlich nicht so gut besucht, weil viele Fans nur die angolanische Mannschaft sehen wollten. Dafür war dann die Stimmung im Stadion beim zweiten Spiel genial, fast 60 000 Menschen, viele in den Nationalfarben angezogen, mit Fahnen, Perücken, Kostümen… Genial! Vor allem, als Angola auch noch gewonnen hat!

Da wir das absolute Verkehrschaos befürchteten, wenn alle Besucher gleichzeitig heimfahren, verließen wir das Stadion noch vor Ende des Spiels. Wir fanden schnell einen Minibus in Richtung Luanda. Leider stellte sich heraus, dass der Fahrer erst noch einem Freund helfen musste, der mit seinem Auto auf dem Highway in der Nähe des Stadions hängengeblieben war. Die Abschleppaktion dauerte ewig, sodass wir letztendlich genau das Problem hatten, das wir durch unser frühes Verschwinden aus dem Stadion eigentlich hatten vermeiden wollen. Es war das absolute Chaos auf der Strasse. Letztendlich liefen wir zu Fuß gut 40 Minuten zur nächsten Abzweigung, wo wir einen netten Fahrer fanden, der uns bis zum Stadtteil Sao Paulo brachte. Dort konnten wir nach einem weiteren langen Fußmarsch ein Sammeltaxi in die Innenstadt finden, von dort aus nur noch 30 Minuten zu Fuß zu den Taxis zur Ilha, 10 Minuten später waren wir am Hostel – kurz nach Mitternacht und komplett fertig…. Aber es war ein einfach toller Tag!

Nach fünf Tagen in Luanda fuhren wir mit einem sehr altersschwachen und höllisch unbequemen Bus in Richtung kongolesische Grenze. Der Bus sollte eigentlich um 09.00 morgens starten, aber irgendwie waren alle da – bis auf den Fahrer… Der kam erst um 10.30 Uhr, und so konnten wir unsere Reise beginnen.. Die Fahrt nach Mbanza Congo sollte eigentlich etwa 10 Stunden dauern. Es sind etwa 450 Kilometer, und die Strasse dorthin ist in einem sehr schlechten Zustand. Natürlich brauchten wir länger, aber dass wir zu der grotesken Zeit um 01.30 Uhr nachts dort ankommen würden, damit hatte ich nicht wirklich gerechnet… Alle anderen wohl schon, denn alle machten es sich im geparkten Bus bequem, um auf den nächsten Transport an die Grenze oder zumindest auf Tageslicht zu warten… Die Plastiksitze waren davor schon unbequem und wurden durch die lange Reise und die Wartezeit nicht wirklich besser, aber ausgerüstet mit einem Schlafsack ging es leidlich gut. Morgens um 06.00 kam dann ein Sammeltaxi, um uns an die Grenze zu der demokratischen Republik Congo (DRC) in Luvu zu bringen.
Die Grenzformalitäten zogen sich endlos in die Länge, aber nach sechs Stunden hatten wir samt allen anderen Passagieren unseres Taxis die Grenze endlich hinter uns….

Wir waren übrigens die ersten Touristen, die diesen Grenzübergang passierten, die Beamten auf angolanischer Seite verbrachten eine ganze Zeitlang damit, das richtige Buch zu finden, um uns als Touristen eintragen zu können……

Nun sind wir in Kinshasa angekommen. Eine durchaus chaotische Stadt mit wenig Sehenswürdigkeiten und wenig Charme, aber voller Leben, sehr afrikanisch und vor allem mit vielen preiswerten Restaurants!

Aber DRC wird der Inhalt der nächsten mail sein. Es ist an der Zeit, die Angola-Mail endlich loszuschicken!

Für Anrufe oder SMS hier die neue Nummer für DRC: 00243 819389402

Viele Grüße aus Kinshasa

Andy

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Neues aus Afrika 11 (27. Dezember 2009)

Nach der Reise mit meinen Eltern war ich doch noch eine ganze Zeitlang in Namibia. Hier im Chameleon Backpackers habe ich einige Freunde gefunden, die über mehrere Monate in Windhoek leben und auch z.T. hier arbeiten. Erstaunlicherweise extrem viele Piloten, die entweder in Windhoek oder in Swakopmund arbeiten wie Etienne und Jerome aus Frankreich oder eine Stelle suchen wie zum Beispiel Mohamed aus Ägypten und Dave aus England.
Dann lebt hier Hendrik, der deutsche Arzt mit seinem enormen Enthusiasmus und seiner grenzenlosen Liebe zu Afrika und seinen Menschen trotz all der Gewalt, die er tagtäglich im Krankenhaus in Katutura erlebt. Neben dem Krankenhaus arbeitet er für seine NGO, wo er HIV Patienten kostenfrei betreut. Nun kommt im neuen Jahr noch die Aufgabe dazu, 12 neue Kliniken im ganzen Land aufzubauen und zu betreuen. Da all dies nicht genügend Geld zu Leben abwirft, arbeitet er zusätzlich an der Hostelbar. Schon erstaunlich, wo er diesen Elan hernimmt, jeder andere wäre schon lange verzweifelt und hätte Afrikas Kranke den Afrikanern überlassen….
Schließlich Nicole, die aus Australien stammende Frau von Mohamed, und Caroline aus Schweden, Freundin von Hendrik, die unermüdlich bei Monica in der Suppenküche mithalf. Nicht zu vergessen Mohsine, eigentlich in Windhoek, um TV- und andere Türme zu bauen, aber nie zu müde, um für die volle Mannschaft abends noch ein marokkanisches Essen aus dem Hut zu zaubern. Mohsine ist nun im wohlverdienten Urlaub daheim in Marokko.

Ich habe die Zeit hier in Windhoek nicht komplett nutzlos verbracht. Ein paar Tage Erholung von der dreiwöchigen Namibiarundreise mit den Eltern habe ich mir gegönnt, danach war ich wieder jeden Vormittag in Katutura, um Monica in der Suppenküche ihres Projektes Home of Good Hope zu helfen.
Die Kinder hier sind zwischen 2 und 16 Jahre alt und bekommen einmal am Tag eine Mahlzeit aus der Suppenküche. Dies ist oftmals die einzige Mahlzeit des Tages. Unsere Aufgabe war das Austeilen des Essens, Zusammenräumen der kleinen Stühle, Zusammenkehren, Abspülen und Abtrocknen.
Danach war immer Zeit, mit den Kindern zu spielen. Die kleineren Kinder waren ganz versessen auf Körperkontakt und wollten in der Gegend herumgetragen werden. Blonde Haare sind natürlich selten und absolut spannend, und nicht wenige der Mädchen auf meinem Arm nutzten die Chance, mit dem Lockengewirr herumzuspielen, sodass ich nachmittags immer mit vielen vielen Knoten in den Haaren zu kämpfen hatte…..

Ein eher unschönes Erlebnis hatte ich auch in Windhoek, als ich alleine vom Einkaufen zurückkam und mitten in der Stadt nachmittags um 14.30 auf offener Strasse von zwei Männern mit einem Messer bedroht wurde. Die beiden waren mir gefolgt, das war mir aufgefallen, weswegen ich schneller ging, die beiden rannten mir nach und hatten eben dieses Messer….
Nun ja, ich hatte nicht vor, wegen eines Rucksacks, eines Telefons, dem Gegenwert von 15 Euro im Geldbeutel und zwei Flaschen Softdrinks den Helden zu spielen. Der Rucksack war weg, die Diebe samt dem Messer auch, aber mir war Gott sei Dank nichts passiert.
Freunde aus dem Hostel kamen gerade in dem Moment per Auto um die Ecke, als es passierte, konnten die Attacke aber auch nicht verhindern und wurden sogar auch mit dem Messer bedroht, als sie mir helfen wollten.
Ich merkte erst, wie geschockt ich war, als ich wieder im Backpackers war.
Meine Freunde hier schauten die nächsten Tage sehr darauf, dass ich nicht alleine unterwegs war, aber inzwischen ist wieder Normalität eingekehrt, schließlich bin ich ja alleine in Afrika unterwegs und muss auch in der Lage sein, alleine auf die Strasse zu gehen.

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass Shahid sein Visum für Angola durch eine kleine zusätzliche Spende an die angolanische Botschaft erhalten hat und hoffentlich bald hier eintrifft.
Dann kann es losgehen mit dem Abenteuer Westafrika, eine Gegend, die sowohl bei Shahid als auch bei mir schon seit langem ein ungelebter Traum war. Das Visum für Angola war schon immer schwierig zu bekommen, aber dass wir es nun beide in der Tasche oder besser im Pass haben, grenzt an ein Wunder. Angola, die beiden Congos, dann Gabun, was nach den Congos wahrscheinlich richtig zivilisiert erscheinen wird…

Ich werde immer wieder gefragt, wann ich denn eigentlich wieder in Deutschland sein werde. Tja, gute Frage. Vermutlich irgendwann im April, so ist zumindest der Plan, nachdem ich nun aber deutlich länger in Namibia war als geplant, muss ich sehen, wie realistisch das alles ist. Darüber mache ich mir jetzt aber keine Gedanken, es macht keinen Sinn, durch die nächsten Länder zu hetzen, da die Strassen dort sehr schlecht sein sollen, zudem ist Regenzeit, was die Sache natürlich nicht besser macht.

Weihnachten habe ich im Chameleon Backpacker mit einem tollen Fisch-Grillfest samt leckeren Salaten verbracht, und nächste Woche geht es wohl in Richtung angolanische Grenze.

Inwieweit es dort Internet und Handyempfang gibt, kann ich nicht abschätzen, aber ich werde mich auf jeden Fall bemühen, Lebenszeichen auf die eine oder andere Weise zu schicken.

Viele Grüße aus Windhoek und vielen Dank für die vielen Weihnachtsgrüße

Eure Andy
 

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Neues aus Afrika 10 (17. Dezember 2009)

Wie versprochen kommt hier nun die Mail Namibia 2. Immerhin haben die Eltern und ich hier in Nambia wirklich viel erlebt und angeschaut. Bereits vor meiner eigenen kleinen Reise in den Süden des Landes hatte ich zur Sicherheit alles Wichtige organisiert, die Campingplätze in den Nationalparks reserviert und Permits für die Parks besorgt.

Nun brauchten sie nur noch kommen, die Eltern. Aufgeregt waren wir wohl alle drei, als sie am 18.11.09 morgens in Windhoek landeten. Natürlich war das Wiedersehen nach gut 6 Monaten etwas ganz besonderes. Ziemlich geplättet nach 9 Stunden Flug brachte ich sie erst mal zum Chameleon Backpacker. Arg viel Erholung gestattete ich ihnen aber schon am ersten Tag nicht, am späten Vormittag erkundeten wir Windhoek zu Fuß und auf eigene Faust, am Nachmittag hatten wir eine geführte Tour per Bus. Abends gabs dann ein leckeres Begrüßungsessen mit Fisch auf marokkanische Art im Hostel, gekocht von unserem Chefkoch Mohsine aus Marokko.
Natürlich war erst mal alles neu, fremd und obendrein für die beiden Neuankömmlinge aus dem kalten Deutschland trotz Bewölkung ziemlich warm.

Ganz tapfer haben die beiden noch an diesem Tag entschieden, am nächsten Vormittag, bevor wir den Mietwagen abholen, noch in Katutura vorbeizuschauen.. Katutura ist das Viertel von Windhoek, in welchem deutlich unterprivilegierte Schwarze leben. Früher war hier das Township, das die Weißen errichtet haben, als die schwarze Bevölkerung aus dem Zentrum ausgeschlossen wurde. Monica, eine rührige Einheimische, hat hier vor zwei Jahren eine Suppenküche für Kinder ins Leben gerufen. Mit der Unterstützung von drei Schwedinnen und drei Deutschen wurde in einem Kraftakt innerhalb weniger Wochen im Oktober diesen Jahres auf Freiwilligenbasis ein Haus für die Kinder errichtet, sodass die Kinder beim Essen nicht mehr in der prallen Sonne sitzen müssen.
Inzwischen kommen jeden Tag etwa 200 Kinder in zwei Sitzungen hierher und bekommen ihren Maisbrei mit Bohnen. Das ist oftmals die einzige Mahlzeit des Tages. Voluntäre sind hier gern gesehen Gäste und können bei der Essensverteilung mithelfen und danach mit den Kindern spielen. Vor allem für meine Mutter war es eine überwältigende Erfahrung, die Kinder hier zu erleben. Sie sind durchaus fröhlich, allesamt liebenswert und es hat schon etwas, zu sehen, wie sie fast andächtig und ohne jede Hast ihr Essen mit den Fingern in den Mund schieben. Alle Kinder sind ganz versessen darauf, auf den Arm genommen und in der Gegend herumgetragen zu werden. Ganz früh morgens um 7.00 Uhr werden die größeren Kinder und Jugendlichen bis zum Alter von 16 Jahren versorgt, um 9.00 Uhr sind es dann die Kinder zwischen 2 und 8 Jahren. Es war ganz offensichtlich, dass meine Muttern am liebsten alle 200 Kinder mitgenommen hätte…
Finanziert wird das Ganze derzeit durch eine einzige Spenderin, die aus Kanada kommt und Monica jeden Monat 300 US überweist. Das Geld reicht für die Speisung von 200 Kindern einmal täglich unter der Woche.
Natürlich wären zwei Mahrzeiten pro Tag besser, außerdem möchte Monica für die kleinsten Kinder einen Kindergarten mit Vorschule einrichten. Es gibt also noch viel zu tun. Der unerschütterliche Optimismus von Monica, den ich auch bei anderen Projekten ihrerseits sehen konnte, lassen durchaus hoffen, dass diese Ziele verwirklicht werden können!

Von Katutura aus sind wir mit einem Einheimischentaxi zur Vermietstation gefahren – also mit genau solch einem Taxi, vor denen man als Tourist immer wieder gewarnt wird. Es kommen tatsächlich immer wieder Entführungen vor, oder dass Passagiere ganz woanders hingefahren und dann beraubt werden. Auf der anderen Seite kann man im Township nun mal nicht einfach ein Taxi telefonisch bestellen…..

Beim Vermieter angekommen, war erst mal der Papierkrieg zu erledigen, dann dauerte es eine ganze Weile, bis das Auto erklärt worden war. Warum das so lange dauerte? Na ja, es war ein Allradfahrzeug, das unsereiner auch nicht jeden Tag fährt, dann wurde die Zusatzausrüstung erklärt, Wagenheber, Ersatzreifen, Schlauch zum Ablassen der Luft oder zum Aufblasen der Reifen, Kühlschrank und dann natürlich unsere Dachzelte! Ja ja, meine Eltern wollten hier nicht verweichlicht von Lodge zu Lodge reisen, sondern sie wollten das wirkliche Abenteuer mit Allradfahrzeug und Zelten auf dem Dach. Tja, das sollten sie dann auch bekommen.

Nach geschlagenen zwei Stunden durften wir dann endlich losfahren. Das erste kleine Stück bis zur Stadtgrenze durfte ich noch fahren, dann hat mein Vater seine Leidenschaft für das Allradfahrzeug und für den Linksverkehr entdeckt und fuhr die restlichen 4300 (!) Kilometer selbst.

Die erste Nacht verbrachten wir am Spreethoogte Pass, wo wir eine geniale Aussicht auf die Berge und die angrenzende Namib hatten. Vor allem der Sonnenuntergang war spektakulär. Das Aufbauen des Zeltes gestaltete sich gar nicht so leicht, unter anderem, weil es auf diesem Pass ganz extrem windig war.. Nach gut 1,5 Stunden waren endlich beide Zelte fertig, Muttern zauberte noch ein Abendessen, was bei diesem Sturm mit Sicherheit auch nicht leicht war.
Bereits nach der ersten Nacht im Dachzelt konnten wir sagen, dass das für uns die richtige Art des Reisens ist, wir haben gut geschlafen, niemand ist die Leiter heruntergefallen, wir haben zum Auf- und Abbau der Zelte zwar lange gebraucht, aber das ist schlicht und ergreifend Übung und ein gewisses Maß an Taktik.

Nun ging es weiter nach Sesriem, wo wir zwei Übernachtungen auf einem staatlichen Campingplatz gebucht hatten. Schon im Campingplatz mussten wir auf Allrad umschalten, weil die normale Übersetzung Probleme mit dem tiefen und weichen Sand hatte.  
Am Nachmittag wanderten wir durch den Sesriem Canyon, eine tiefe Schlucht, die von einem Fluss gegraben wurde, der hier entlangdonnert, wenn es denn mal regnet (was aber nicht allzu oft der Fall ist).
Der Canyon leuchtet in der Nachmittagssonne gelb, ocker und orange und bietet bei jeder Kurve neue tolle Fotomotive.
Den Spätnachmittag verbrachten wir auf der Elimdüne, die gerade mal drei Kilometer vom Camp entfernt liegt. Hier kann man sehr gut das Farbenspiel beim Sonnenuntergang auf die Naukluftberge beobachten. Und endlich mal wieder Sand. Ich weiß, dass viele Menschen Sand zwischen den Zehen nicht so sehr schaetzen, ich fands schon immer toll!

Da wir am folgenden Tag zum Sonnenaufgang auf Düne 45 sein wollten und deswegen sehr früh aufstehen mussten, entschied ich mich dafür, an diesem Abend mein Dachzelt wegen Zeitersparnis in der Früh nicht aufzubauen und lieber auf der Matratze im Sand zu schlafen. Die Eltern, gar nicht feige, schlossen sich mir an und so übernachteten wir alle drei im Freien. Ich konnte damals noch nicht ahnen, dass diese Idee zu einem für die Eltern gefühlten Highlight der ganzen Reise werden sollte. Ja ja, die Nächte im 1000 Sterne Hotel sind schon etwas besonderes, vor allem in der Wüste, wo man das Gefühl hat, dass die Sterne deutlich näher an der Erde sind als sonst.

Am folgenden Morgen waren wir mit die ersten im Nationalpark und die ersten bei Düne 45. Allerdings war es ziemlich neblig zu Beginn, sodass der Sonnenaufgang leider nicht so eindrucksvoll wie erhofft war, dafür war etwas später das interessante Phänomen zu sehen, wie Sonne und Nebel bei den Sanddünen aufeinandertreffen. Die Farben waren dadurch zwar nicht leuchtend gelb oder orange, das Ganze hatte aber gerade durch den Nebel seine eigenen Reize.

Als nächstes fuhren wir weiter nach Death Vlei. Hier sammelt sich neben den riesigen Sanddünen immer wieder mal Wasser, das aber sehr schnell verdunstet. Zurück bleibt eine sehr helle, fast weiße Schicht, die sehr hart ist und später in rissige Stücke bricht. Man hat hier das Gefühl, auf einem anderen, extrem unwirtlichen Planeten zu sein. Ganz davon abgesehen, dass hier wirklich die Sonne unbarmherzig brennt, gibt es außer ein paar knorrigen, meist abgestorbenen Bäumen keinen Schatten und natürlich auch keine Tiere. Eine unwirtliche, aber trotzdem beeindruckende Szenerie!

Die höchsten Dünen mit bis zu 325 Metern stehen im Sossusvlei selbst. Die Sicht von den Duenen hier ist definitiv spektakulär und das Sandmeer zu allen Seiten einfach überwältigend. Bei meinem Aufstieg war es leider schon etwas zu spät für leuchtende Farben (ich war gegen 9.30 dort), aber es war trotzdem toll!

Muttern hat es anscheinend nicht so mit Sand, vor allem nicht mit dem zwischen den Zehen, aber Papa und ich wollten unbedingt am Nachmittag nochmal im Sand spielen. So fuhren wir die 65 Kilometer bis zu den großen Dünen, diesmal zum Hidden Vlei. Fototechnisch gesehen war dies eines der Highlights, weil sowohl die Uhrzeit und damit das Licht als auch die Formen der Dünen stimmten. Nur gut, dass die Eltern den Laptop mitgeschleppt haben, sodass ich die Fotos der bisherigen Reise herunterladen konnte, um Platz zu schaffen für neue. Immerhin sind inclusive Namibia bisher 9000 Fotos entstanden!

Nach unseren Sanderfahrungen sind wir weiter nach Swakopmund gefahren. Die Strecke ist ab Solitaere eher etwas eintönig, es gibt außer Steinen und grauer Wüste über eine Strecke von ca 200 Kilometern kaum etwas zu sehen. Das größte Highlight waren zwei entgegenkommende Radfahrer, die angesichts der Hitze, der leichten Steigung über die gesamte Distanz und der Trostlosigkeit der Landschaft auch nicht gerade einen sehr glücklichen Eindruck machten.

Swakopmund ist sehr deutsch, sehr neblig und an einem Sonntag Nachmittag seeeehr verschlafen. Weil es hier zudem auch ziemlich kalt war, mieteten wir uns in der Desert Sky Lodge ein, was nicht sehr viel teurer war, als dort zu zelten. Swakopmund selbst mit der deutschen Architektur und den deutschen Traditionen hat uns alle drei nicht wirklich vom Hocker gerissen. Dafür haben wir einen Schiffsausflug zu den Pelikanen, Pelzrobben und Delphinen bei Walvis Bay gemacht. Es war ziemlich kalt auf diesem Boot, aber es war den Ausflug definitv wert.
An diesem Abend hatten wir noch ein ganz besonderes Treffen vereinbart. Die Mutter einer Günzburger Bekannten lebt seit 22 Jahren in einer Art betreutem Wohnen in Swakop. Natürlich statteten wir der Dame einen Besuch ab. Wir dachten eher an Kaffee, aber sie bewirtete uns mit Sekt und Weißwein samt belegten Häppchen, sodass das Ganze ein sehr vergnüglicher Abend wurde.

Ganz in der Nähe von Swakopmund gibt es eine Gegend, in der viele Welwitschien wachsen. Diese Pflanzen können Wasser sehr lange speichern und sind bis zu 2000 Jahre alt. Diese Pflanzen sind sehr selten und wachsen nur in Namibia. Eine spannende Sache, zumal das Ganze wie ein Naturlehrpfad angelegt ist. Neben den Welwitschien werden auch noch andere Pflanzen erklärt, z.B. die Wichtigkeit von Flechten, um losen Sand zu halten und zu befestigen. Außerdem gibt es hier das Mondtal. Das ist ein großer Canyon aus felsigem Gestein, wo man wegen der beeindruckenden Blicke immer wieder gerne anhält und hinunterschaut.

Nach diesem Ausflug fuhren wir wieder zurück nach Swakop und gleich weiter in Richtung Skelettküste. Hier wurden früher immer wieder Schiffe angetrieben, die gestrandeten Menschen konnten in dieser lebensfeindlichen Umgebung ohne Wasser kaum überleben. Heute führt eine gut gewartete Piste die Küste entlang, es ist extrem windig hier, so gut wie immer neblig und für namibische Verhältnisse sehr kalt. Trotzdem kommen hier ziemlich viele Touristen her, vor allem Einheimische. Das Wasser hier ist sehr fischreich und die Männer stehen hier mit Riesenangeln herum, die nicht mal in eingefahrenem Zustand ins Auto passen, sondern vorne am Kühlergrill befestigt werden.
10 Grad Außentemperatur war denn doch etwas ungemütlich, und so zogen wir uns bald in die Zelte zurück.

Am folgenden Tag fuhren wir wieder in die Wärme zurück, und zwar zuerst in den versteinerten Wald. Hier liegen versteinerte Baumstämme herum, die
260 bis 280 Millionen Jahre alt sind. Die größten sind bis zu 30 Meter lang.

Das nächste Highlight war Twyfelfontein mit den Felsritzzeichnungen und -malereien, die mehrere tausend Jahre alt sein sollen. Bekannt ist vor allem die Darstellung eines Löwen. Es gibt außerdem jede Menge Antilopen, Nilpferde, Nashörner und Fußabdrücke von Tieren oder Menschen, die hier eingeritzt wurden.

Auf dem Weg nach Norden kurz vor Palmwag hatten wir unsere erste Panne: Der Schutzrahmen vor dem Kühlergrill, der das Auto samt Insassen bei einem Zusammenstoss mit einem Tier vor größerem Schaden bewahren soll, war gebrochen und hing auf einer Seite herunter. Guter Rat war teuer, denn so konnten wir defintiv nicht weiterfahren. Also, Vermieter anrufen, was zu tun ist. Schweißen war mangels Mechaniker nicht möglich, das Ding auf dem Dach oder gar im Innenraum mitnehmen, ging auch nicht, weil zu groß.
Also ließen wir diesen Tierfänger letztendlich in Palmwag und fuhren weiter nach Sesfontein, wo wir auf einem etwas rustikalen Campingplatz übernachteten. Rustikal deswegen, weil Dusche und Toilette unterm Himmelszelt waren und beide auch keine Türen besaßen….

Unser nächster Stopp war Opuwo, die größte Stadt im Nordwesten Namibias. Diese Stadt lockt Menschen aus der ganzen Umgebung wie magisch an, und viele stranden hier auf der Suche nach einem Job, den es für so viele Menschen gar nicht geben kann. Geld für die Rückreise haben die wenigsten, daher war hier die Zahl der bettelnden Menschen besonders groß. Zudem gab es hier sehr viele Himbafrauen, deren Auftreten recht wenig mit dem stolzen Volk zu tun hatte, das diese Menschen einmal waren oder draußen im Busch noch sind. Nichtsdestoweniger verbrachten wir eine Nacht etwas außerhalb dieses Ortes, feierten den Geburtstag meiner Mutter in einem Restaurant und ergänzten unsere Vorräte für die Weiterreise.

Die Straße von Opuwo zu den Epupafällen direkt an der Grenze zu Angola war in einem sehr guten Zustand und so kamen wir bereits am frühen Nachmittag an den Wasserfällen an. Diese Fälle werden durch den angolanischen Staudamm bei Ruacana sehr beeinträchtigt, aber fünf Tage pro Woche fließt so viel Wasser herunter, dass die Wasserfälle richtig toll aussehen. Dann drehen die Angolaner den Hahn wieder zu, und es ist ein eher spärliches Rinnsal, das hier durchfließt.
Am folgenden Tag machten wir mit John, einem Himba, einen Besuch in einem größeren Himbadorf. Zuerst kauften wir Gastgeschenke wie Maismehl, Zucker, Kaffee und Salz ein.
Die Himba hier leben noch sehr traditionell in ihren Hütten aus Holz, die sie mit einem Gemisch aus Lehm, Kuhdung und getrockneten Blättern verkleiden.
Die Frauen tragen jeden Tag eine Paste aus Ocker und Fett auf den ganzen Koerper auf. Diese Paste dient natürlich zur Körperpflege, hilft aber auch gegen Hitze oder Kälte, gegen Moskitos und anderes Ungeziefer und wird darüber hinaus als schön angesehen.
Der Häuptling ist ein sehr wichtiger und reicher Mann, der bereits in Europa war, weil die namibische Regierung einen Staudamm auf dem Land seines Volkes errichten wollte. Dagegen hat er formvollendet mit Hilfe eines Anwaltes vor dem europäischen Gerichtshof protestiert. Das führte dazu, dass nun zunächst einmal die Gelder eingefroren wurden und das Projekt eventuell komplett abgeschrieben wird.
So traditionell diese Menschen leben, sind sie trotzdem nützlichen Dingen gegenüber sehr aufgeschlossen. Gefragt ist, wie überall bei den Naturvölkern, westliche Medizin, vor allem Augentropfen, die ich selbst ja eh immer pfundweise mit mir rumschleppen muss, sowie Schmerztabletten. Abnehmer finden immer auch feste Plastiktaschen oder alles, was man irgendwie als Schmuck verwenden kann.
Wir hatten eine tolle Zeit in diesem Dorf, und die Kinder waren vor allem an den durchaus nicht wenig behaarten Beinen meines Vaters interessiert….

Am Nachmittag machten wir uns am Fluss entlang auf die Suche nach Krokodilen und Affen, wurden bei beiden fündig, aber aus sicherer Entfernung. Am nächsten Morgen entdeckten wir dann allerdings nicht weit von unserer Badestelle entfernt ein nicht gerade kleines Krokodil….

Die Straße von den Epupafällen bis nach Ruacana ist zwar seit kurzem zu einer sogenannten D-Strasse upgegradet, was bedeutet, dass sie immer wieder mal gewartet wird. Trotzdem barg diese Straße einige Tücken wie tiefe Schlammlöcher und steile Steigungen, beides nicht wirklich mit einem normalen Fahrzeug befahrbar. Es braucht nicht notgedrungen ein Allradfahrzeug, aber ein Auto mit hoher Bodenfreiheit sollte es schon sein, damit man nicht stecken bleibt. Dazu kam die Angst vor einem geplatzten Reifen, weil wir bereits einen kaputten Reifen mit uns herumkutschierten, den wir bei den Epupafällen nicht ersetzen konnten…. Aber es ging alles gut und wir kamen wohlbehalten und mit extrem schlammverspritztem Auto in Ruacana an.

Ruacana ist ein wirkliches Nest, auch hier konnten wir keinen neuen Reifen bekommen, aber immerhin waren wir nun auf einer besseren, wenn auch deutlich langweiligeren Teerstraße unterwegs.

Den neuen Reifen und gute Supermärkte gabs dann in Oshakati. Die nächste Nacht verbrachten wir auf der Sachsenheimfarm. Was sich zunächst ziemlich komisch anhört, stellte sich als einer der schönsten Campingplätze unserer ganzen Reise heraus mit tollen Stellplätzen für die Autos mit Zelten auf dem Dach, viel Grün für Tisch und Stühle, elektrischem Anschluss an allen Stellplätzen, große Bäume, gute sanitäre Anlagen, Schwimmbad, Bar…… Was will man denn bitte mehr!

Von hier aus waren es nur noch 200 Kilometer via Tsumeb bis nach Tsintsabis.. In Tsumeb mussten wir mal wieder einen Reifen reparieren lassen, nach Tsintsabis wollten wir wegen der Buschmänner und Baumschläfer (diese Menschen werden so genannt, weil sie früher auf mehrtägigen Jagdausflügen in den Zweigen der hohen Bäume geschlafen haben). Wir campten diese Nacht kurz vor Tsintsabis im Treesleeper Camp, wo man das Zelt auch auf Plattformen in Bäumen errichten kann – natürlich nicht, wenn man das Zelt fest auf dem Autodach installiert hat. Draußen schlafen ohne Moskitonetz war keine Option, weil es zu viele Malariamoskitos in dieser Gegend gibt.
Gleich am Ankunftstag besuchten wir mit Elizabeth, einer Angestellten vom Treesleeper Camp, zwei Familien im Dorf. Wieder kauften wir Essen und Kaffee als Gastgeschenke ein. Die Situation der beiden Volksgruppen der Buschmänner und Baumschläfer ist sehr deprimierend. Die Menschen können nicht mehr auf die traditionelle Art leben, weil sie kein Land haben, in welchem sie jagen könnten. Sie leben jetzt in Städten und Dörfern, haben keine Bildung, deswegen ist kaum jemand berufstätig, deswegen haben sie kein Geld für Essen oder Kleidung, natürlich auch nicht für Medizin. HIV und TBC sind große Probleme in diesen Volksgruppen, Alkoholmissbrauch tut sein übriges. Eine sehr traurige Situation, auch verbunden mit der Einsicht, dass durch die jetzige Lebensweise und die mangelnde Bildung der neuen Generation verbunden mit der nicht mehr Weitergabe von Fertigkeiten wie Fährtenlesen oder Überleben im Busch, Suchen nach Wasser, etc das alte Wissen in den nächsten Jahren verschwunden sein wird.
Alles in allem sehr interessante, aber auch sehr traurige Einsichten.

Am Campingplatz gibt es die Möglichkeit, einen sogenannten Bushwalk mitzumachen. Hierbei führt ein junger Baumschläfer  Touristen auf einer Art Naturlehrpfad durch den Wald. Erklärt werden Heilpflanzen, Giftpflanzen für Pfeile, der Bau von Fallen, verschiedene Tierspuren, das Ernten von Termiten, wenn sie ausschwärmen sowie das Leben früher im Dorf. Auf der einen Seite ist es selbstverständlich positiv, dass so das Wissen bei einigen Menschen präsent bleibt, es kann aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass diese Fertigkeiten im Alltag heute nicht mehr gebraucht, sondern für Touristen eingeübt werden.      

Als nächstes kam für uns eines der Highligts einer jeden Namibiareise, die Etoschapfanne. Es gibt drei Campingplätze im Park, und in jedem hatten wir eine Übernachtung gebucht. Das war auch gut so, denn in jedem Camp  gab es ein Wasserloch, zu dem in der Dämmerung und nachts andere Tiere kamen. Wir hatten sehr viel Glück, haben jede Menge Impalas, Gnus, Zebras, verschiedenste große und kleine Antilopen, Giraffen, Elefanten, Nashörner, Schakale und Löwen (von der Ferne) gesehen.

Die Abstände zwischen den einzelnen Camps sind gerade mal 75 Kilometer, sodass man gemütlich von Wasserloch zu Wasserloch fahren kann. Alle Camps haben einen Pool, aber nur Namutoni hat Gras für die Camper zu bieten. Die beiden anderen Campingplätze haben den Charme eines großen Sandkastens mit elektrischem Anschluss. Aber gut, man kommt ja nicht hierher, um sich am Campingplatz herumzutreiben, sondern man macht es sich doch eher am Wasserloch mit einem kühlen Bier und gezückter Kamera gemütlich….

Es waren tolle drei Tage mit vielen Tieraufnahmen und einem etwas auf den Kopf gestellten Rhythmus. Aufstehen spätestens um 6.00 Uhr, Sitzen am Wasserloch, Frühstück und Zeltabbauen gegen 9.00 Uhr, danach Weiterfahren zum nächsten Camp, relaxen am Pool, von 18.00 Uhr bis 21.30 am Wasserloch, danach Abendessen.
Aber es hat sich gelohnt!

Die letzten Tage verbrachten wir am Waterberg Plateau, wo 1904 eine verheerende Schlacht zwischen deutschen Truppen und der einheimischen Hererobevölkerung stattfand. In der Folge fanden viele Soldaten beider Seiten und noch viel mehr zivile Herero den Tod, als die Truppen die Menschen in die Wüste trieben, wo zehntausende von ihnen elend verdursteten. Nicht gerade ein rühmliches Kapitel in der deutschen Geschichte….

Das Waterbergplateau ist eine etwa 40 Kilometer lange Hügelkette, die aussieht wie ein überdimensionaler Tafelberg. Natürlich gibt es hier jede Menge Wanderwege und einen tollen Blick vom Plateau. Trotz der Hitze sind wir tapfer zum Aussichtspunkt aufgestiegen, und nicht einmal eine Speikobra konnte uns davon abhalten.
Dieses Vieh baute sich etwa 50 Zentimeter vor mir auf und spuckte in meine Richtung. Habe daraufhin erst mal einen geordneten Rückzug angetreten, dann die Flucht ergriffen und aus sicherer Entfernung Steine geworfen, um die Schlange zu verscheuchen. Später haben wir erfahren, dass es sich um eine Speikobra handelt, das Gift kann zur Erblindung führen. Na, das hätte wohl gerade noch gefehlt!    

Der Waterberg war unsere letzte Destination, bevor wir wieder zurück nach Windhoek fuhren. Nach fast drei Wochen waren wir richtig gut im Zelt auf- und abbauen. Statt anfangs 1,5 Stunden hatten wir das ganze auf etwas über 20 Minuten reduziert – für beide Zelte zusammen wohlgemerkt!

Die letzte Nacht vor dem Heimflug der Eltern verbrachten wir wieder im Chameleon Backpackers. Viele der alt bekannten Gesichter waren immer noch oder schon wieder da und so gab es ein tolles Wiedersehen mit den neuen, alten Freunden.

Am letzten Abend waren wir in einer Institution, die man in Windhoek auf keinen Fall verpassen sollte: Joes Beerhouse. Hier gibt es alle möglichen Biersorten, aber auch sehr interessante Fleischgerichte wie Zebra, Kudu, Strauß oder Krokodil! Alles sehr lecker und ein würdiger Abschluss unserer Reise!

Es war eine tolle Zeit mit den Eltern, zugegebenermaßen für alle Beteiligten nicht immer leicht, aber nichtsdestotrotz ein Erlebnis, an das wir drei noch lange denken werden. Vielleicht wollte ich oft zu viel und sie hatten zu wenig Zeit für sich selbst oder um sich zu erholen, aber es gibt halt einfach so viel hier zu sehen! Für so manche ruppige Antwort sowie eine hin und wieder aufkeimende Ungeduld meinerseits möchte ich mich hier formvollendet entschuldigen!

Ich habe mich sehr gefreut dass sie im Mai diesen Jahres doch recht spontan beschlossen haben, mich in Afrika zu besuchen, und ich bin sehr froh, dass diese Reise ein Erfolg war. Von Kunden habe ich vor meiner Abreise einen tollen Spruch von Humbold per mail erhalten, der hier ganz genau passt:

"Die schlimmste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Menschen, die die Welt nicht geschaut haben."

Schon allein deswegen ist es gut und wichtig, zu reisen, die Welt zu sehen und neue Freunde und Einsichten zu gewinnen. Die Welt ist zu groß und zu schön, um daheim zu bleiben!

In diesem Sinne schließe ich diese Namibiamail mit dem Wissen, dass die kommende mail anfangs immer noch Namibia beinhalten wird. Das liegt daran, dass ich hier auf meinen alten Freund Shahid aus den USA warte, der mit mir nach Angola und vermutlich in die Congos reisen wird. Da er derzeit noch um sein Visa für Angola kämpft, werde ich wohl eine oder zwei Wochen in Windhoek sein. Gibt schlimmere Strafen auf der Welt, zumal ich ja, wie gesagt, viele Freunde im Chameleon Backpackers gefunden habe, sodass es mit Sicherheit nicht langweilig werden wird.

Viele Grüße aus Windhoek, und ich freue mich wie immer üeber mails.

Eure Andy
 

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Neues aus Afrika 9 (10. Dezember 2009)

 Da ich vor der Ankunft meiner Eltern einfach nicht mehr dazukam, die erste mail über Namibia fertigzustellen, kommt sie halt diesmal einfach ein bisschen später, dafür die nächste über die Zeit mit den Eltern bereits in ein paar Tagen. Viel Spaß beim Lesen!

Die ersten Tage in Windhoek verbrachte ich mehr oder weniger mit dem Organisieren von allen möglichen Dingen. Zuerst galt es herauszufinden, welchen Teil Namibias die Eltern überhaupt bereisen wollen. Dann mussten die Campingplätze gebucht und Permits für die Nationalparks beschafft werden. War nicht so ganz leicht über die Distanz Deutschland – Namibia hinweg, aber es hat funktioniert. Da in Namibia Ende November die Ferien beginnen, wird es auch mit den Zeltplätzen ganz schön eng. Die Namibier reisen gerne und anscheinend durchaus auch im eigenen Land…

Nachdem ich drei volle Tage mit Organisationsarbeit verbracht hatte, war die Zeit für meine eigene kleine Reise durch Namibia gekommen. Bei einem lokalen Autovermieter habe ich einen Toyota Corolla zu einem akzeptablen Preis bekommen und habe mich in den Süden des Landes aufgemacht. Natürlich waren die ersten Kilometer abenteuerlich. Der Vermieter ist in der Innenstadt, also fängt man gleich mit viel Verkehr beim Losfahren an. Das Ganze selbstverständlich auf der falschen, der linken Seite. Anfangs habe ich statt dem Blinker ständig den Scheibenwischer erwischt! Aber noch ein paar Kilometern wurde auch das besser, wenn es auch nie ganz aufhörte…

Mein erster längerer Stopp war in Mariental. Hier gabs einige große Supermärkte, wo ich mich mit Schwarzbrot, Salami und Obst versorgt. Ja, es ist wirklich Kleindeutschland hier! Vom Weissbier über Sauerkraut bis hin zur Surhaxen gibts alles! Natürlich auch viele deutsche Orts- und Straßennamen. Die Landschaft ist dafür deutlich weniger typisch deutsch – sehr trocken, dürres gelbes Gras, ein paar vertrocknete Büsche, ein paar Bäume mit spärlichem Laub. Also genau die Art Landschaft, die ich mag, je trockener, je lieber!

Die Straße bis Keetmanskoop war in einem sehr guten Zustand, z.T. mit Überholspuren, wenn es bergauf ging. Mit der Zeit wurde ich dann auch, was die Geschwindigkeit anging, etwas mutiger, und so war es kein Problem, bereits am ersten Tag 500 Kilometer zu fahren!
Um zum Köcherbaumwald zu gelangen, musste ich mein erstes Stück ungeteerte Piste fahren. Das war aber weniger problematisch als ich dachte (lag aber auch daran, dass speziell diese Gravel Road in einem sehr guten Zustand war, aber das wusste ich ja damals noch nicht!).

Mein Zelt stellte ich direkt am Campingplatz vor dem Köcherbaumwald auf. Ein sehr gut ausgestatteter weitläufiger Campingplatz mit Solarenergie und sehr guten sanitären Anlagen. Die Köcherbäume sind nur eine Attraktion dieses Camps, denn hier gibt es auch Geparden. Sie leben in einem großen Gehege nahe des Campingplatzes und werden jeden Spaetnachmittag gefuettert. Zwei der Geparden leben seit ihrer Geburt bei Menschen, sind deswegen sehr zahm. Besonders Mutige, wie z.B. ich, können mit ins Gehege und die Katzen anfassen! Das war schon etwas ganz besonderes, einen Geparden streicheln! Das Fell war ganz weich, ob durch die vielen Streicheleinheiten der anderen vor mir oder von Natur, weiß ich nicht….

Nach diesem beeindruckenden Erlebnis war der Köcherbaumwald dran. Diese Bäume sind Aloen, und die langen Äste sind innen hohl, um in dieser trockenen Gegend möglichst viel Wasser speichern zu können. Die Buschmänner der Kalahari nutzten diese Äste für die Aufbewahrung ihrer Pfeile, daher der Name Köcherbaum. Diese Bäume sehen im Abendlicht wirklich surreal aus, von der knorrigen Gestalt mal abgesehen, und haben viele riesige Vogelnester in den Zweigen hängen. Die ganze Gegend ist unheimlich trocken und es war auch sehr windig, sodass mir Sand und Staub nur so um die Ohren flogen. Da zieht man sich doch gerne mit einem guten Buch und einer Taschenlampe ins Zelt zurück.

Am nächsten Tag bin ich weiter zum Fish River Canyon gefahren. Das ist eines der großen Highlight im Süden Namibias. Dieser Canyon ist der zweitgrößte Canyon der Erde. Es gibt zwei Aussichtspunkte, von denen aus man ungesichert in den Abgrund schauen kann (nichts für schwache Nerven oder Leute mit Höhenangst, hier geht es mehrere hundert Meter senkrecht nach unten). Da es sehr bewölkt war, war das Licht am Nachmittag fürs Fotografieren nicht geeignet, aber ein vorsichtiger Blick am folgenden Morgen kurz nach 6.00 Uhr bestätigte, dass der Morgen gut ist. Der Canyon leuchtete vor allem in Gelb-, Orange- und Sandtönen. Ich fand es beeindruckend, die Touristen, die bereits am Grand Canyon in den USA waren, waren anscheinend eher enttäuscht. Gut, dass ich dort noch nicht war!

Mein nächstes Ziel war Ai Ain, eine Oase mit heißen Quellen. Schon der Weg dorthin war spektakulär, eine richtige Mondlandschaft aus vielen großen Felsen, schwarzem Sand und unbewachsenen felsigen Bergen. Die Strasse sehr kurvig, sodass man beim Fahren sehr vorsichtig sein musste. Ai Ais hat ein Schwimmbad voll warmem, angeblich gesundem Wasser, und Liegen, einen Campingplatz ohne Grün und ein Restaurant. Ich bin lieber noch ein Stück weitergefahren bis an die Grenze zu Südafrika. Gerade, als ich in Noordoewer ankam, fing es zu regnen an. Alles andere als gute Voraussetzungen fürs Zelten. Beim Zeltplatz angekommen, schüttete es dann so richtig, aber ich hatte Glück und konnte mein Zelt unter einem Dach aufbauen, sodass ich nicht wirklich im Regen stand.
Abends gabs richtig leckeres Huhn, zubereitet von einem Südafrikaner, der ebenfalls im Camp war. Reiseinfos für meine Weiterreise waren inclusive und so kam ich auf ganz neue Ideen, wo ich noch hinfahren könnte.
Die Nacht war regnerisch, aber nicht zu kalt, allerdings musste ich zweimal einen Riesenfrosch aus meinem Zelt entfernen, der anscheinend unbedingt das Zelt mit mir teilen wollte… Hätte ich ihn vielleicht küssen sollen?!
Am nächsten Tag hörte es zwar auf zu regnen, war aber sehr bewölkt und kühl (etwas über 20 Grad). Die Strasse von Noordoewer nach Rosh Pinah führt zum Teil am Oranjefluss entlang und es gibt immer wieder richtig schöne Ausblicke auf den Fluss, das Gebirge oder Weinberge. Trotz oder zum Teil auch wegen der dramatischen Wolken zum Teil wirklich tolle Farben! In Rosh Pinah begann dann wieder die Teerstrasse, sodass die nächsten 300 Kilometer bis Lüderitz schnell gefahren waren. In Lüderitz quartierte ich mich statt im Zelt in einem Backpacker Hostel ein, weil es dort grundsätzlich stürmisch und kühl ist. Hier habe ich abends tatsächlich meinen dicken Fleecepulli gebraucht! Lüderitz ist sowas von deutsch – unglaublich. Die Hauptstrasse nennt sich Bismarckstrasse, viele andere Straßennamen sind ebenfalls deutsch, es gibt Surhaxen mit Kraut, Weissbier und Apfelkuchen nach Omas Rezept. Natürlich spricht man deutsch hier! Die Häuser sehen ebenfalls sehr deutsch aus, wenn auch etwas bunter als normalerweise bei uns.
Gerade mal 15 Kilometer von Lüderitz entfernt liegt das ehemalige Diamantenschürfgebiet Kolmanskop. Hier lebten bis in die 50er Jahre etwa 4000 Deutsche. Die Stadt war sehr gut organisiert mit Schule, Krankenhaus, Schlachterei, Bäckerei, sogar eine Eismaschine für die Kühlschränke gab es. Die Männer arbeiteten alle als Diamantenschürfer, und die Arbeitsbedingungen waren für damalige Zeit so gut, dass es keinen Mangel an Arbeitskräften gab. Die Arbeiter konnten unbesorgt ihre Familien mit hierher bringen, es gab sogar Kaffeekränzchen und Clubnachmittage für die Damen, um sie bei Laune zu halten.
Ganz in der Nähe von Lüderitz liegt die Lüderitz Peninsula. Hier treffen gelber Sand, dunkle Felsen und türkises Meerwasser unmittelbar aufeinander. Es gibt viele Vögel und Seelöwen, die faul am Diaz Point auf einer kleinen Felseninsel herumliegen. Es gibt hier auch sehr schöne Sandstrände, allerdings sind die Wassertemperaturen, bei denen sich Seelöwen und Pinguinen wohlfühlen, für Menschen zum Baden eher nicht geeignet – es sei denn, man fürchtet sich nicht vor 10 oder 12 Grad kaltem Wasser…. Das kalte Wasser kommt durch eine Meeresströmung direkt aus der Antarktis. Nach einer weiteren Nacht in Lüderitz bin ich auf der Teerstrasse zurück nach Keetmanskoop gefahren und dann weiter zu den Mesaurus Fossilien bei der Spitzkoppe. Die Fossilien hat der Sohn des Farmbetreibers vor 20 Jahren per Zufall gefunden. Es handelt sich um Tiere, die wie kleine Krokodile ausgesehen haben müssen, es waren aber wohl Pflanzenfresser. Es gibt jede Menge von diesen Versteinerungen, außerdem weitere Köcherbäume, die auf einem sehr felsigen Terrain wachsen. Das Ganze nennt sich Giants Playground, und es sieht wirklich so aus, als hätten ein paar Riesen hier mit überdimensionalen Steinen gespielt und sie einfach wild in der Gegend liegen lassen.

Da mir das Fahren der Schotter- und Sandpisten inzwischen wirklich gut gefallen hat, habe ich beschlossen, weiter in die Kalahari zu fahren. Das hört sich verwegener an, als es ist. Diese Gegend besteht aus eher trockenen Flusstälern ohne jegliches Wasser, roten Sanddünen mit ein paar Büscheln gelbem Gras und jeder Menge riesengroßer Farmen. Das Überqueren der Dünen machte jedenfalls Spaß, natürlich nicht auf dem Sand mit meinem Toyota Corolla, sondern auf der normalen gewarteten Piste. Angeblich werden diese ungeteerten Strassen in Namibia alle 14 Tage von Planierraupen wieder glattgewalzt. Wie auch immer, die Piste war in einem sehr guten Zustand.
Die Nacht verbrachte ich im Red Dune Camp kurz vor Gochas, allerdings nicht auf der Düne selbst, denn dort gibt es nur zwei Stellplätze, und die waren ausgebucht. Auf der Düne wäre es schon schön gewesen, eine absolut tolle Location, jeder Platz mit Dusche und Toilette ausgestattet. Drunten im Camp hatte ich dafür den Luxus, auf echtem, wirklich grünem Rasen zu zelten. Das ist in dieser Gegend etwas extrem rares! Außerdem bekam ich ein richtig tolles Schnitzel zum Abendessen. Na, das ist doch mal was!
Wer mal Lust auf was anderes hat, man findet es unter www.reddunecamp.weebly.com! Sehr empfehlenswert!
Am nächsten Tag bin ich über diverse Rüttelpisten wieder zurück Richtung Windhoek gefahren. Eigentlich wollte ich die letzte Nacht meiner kleinen Südnamibiatour bei der Arnhem Höhle verbringen, wo es einen sehr schönen Campingplatz geben sollte. Aber wie so oft kommen die Dinge anders als geplant. Ich hatte drei Landkarten auf meiner Namibiareise dabei. Auf einer war die Höhle gar nicht eingezeichnet, auf der zweiten westlich von Dordabis, auf der dritten östlich von Dordabis…. Toll, nachdem ich die Karte eingehend studiert hatte, war klar, dass es nicht an mir und meinen Fähigkeiten des Kartenlesens lag, sondern dass zumindest eine der Karten falsch sein musste (wenn nicht gar beide!). Also habe ich ein paar der Einheimischen gefragt, in welcher Richtung die Arnhem Höhle liegt und wurde nach eingehender Beratung nach Westen geschickt. Okay, das war eine gute Teerstrasse, außerdem in Richtung in Windhoek. Als nach 40 Kilometern immer noch keine Höhle oder zumindest ein Hinweisschild zu sehen war, habe ich an einer Farm nochmal nachgefragt. Dort bekam ich dann die Auskunft, dass die Höhle östlich von hier liegt…. Na ja, da war es bereits 17.30 Uhr, aber in Namibia geht die Sonne erst kurz nach 19.00 Uhr unter, also immer noch Zeit.
Dann begann die Gravel Road…. Und wieder kein Hinweis auf die Höhle….Dafür eine Weggablung, wo ich dann nach Norden geschickt wurde. Kurz vor 19.00 Uhr gab ich den Gedanken an die Höhle dann komplett auf, vor allem, nachdem ich beinahe ein Warzenschwein überfahren und kurz darauf eine Sandwehe übersehen hatte, die mich fast in einen Dornbusch katapultierte. In dieser Gegend gibt es nicht sehr viele Übernachtungsmöglichkeiten, deswegen freute ich mich sehr über ein Schild Mountain View Lodge 20km. Als ich endlich vor dem Gatter der Lodge stand, hing dort ein Schild mit der dringenden Warnung, nicht weiterzufahren, weil es sich bei dem Gelände rund um die Lodge um Jagdgelände handelt, wo scharf geschossen wird! Himmel hilf!!!
Nur 6 Kilometer entfernt war eine andere, kleinere Lodge, wo ich um Hilfe bat, weil ich mich nun wirklich hoffnungslos verfahren hatte, und dieser Beinahezusammenstoss mit dem Warzenschwein hatte mir den Rest gegeben. Auch diese Lodge war eigentlich nur für Jäger, aber die Inhaberin hat den Ernst der Lage schnell erkannt und ließ mir ein Zimmer herrichten, gab mir erst mal ein kühles Glas Bier und einen bequemen Sessel zum Ausruhen. Nach einer Dusche fühlte ich mich schon wieder viel besser. In dieser Lodge wohnten drei Bulgaren, die hier zum Jagen waren. Natürlich gab es abends Bushmeat, zuerst eine Bushmeat-Wurst, dann Steaks vom blauen Gnu, alles von den Jägern selbst geschossen. Die Gespräche der Jäger während des Essens möchte ich hier besser nicht wiederholen….
Am nächsten Morgen gabs noch ein leckeres Frühstück, diesmal ohne Jäger, weil die in der Früh Zebras schießen wollten. Dann ging es um die unangenehme Frage des Bezahlens, denn eigentlich kostet diese Lodge 150.- US pro Person und Nacht…. Ich war total überrascht, das die Inhaberin Geraldine meinte, dass sie doch von jemandem in einer solchen Notlage kein Geld nehmen würde! Sprachs, wünschte mir weiterhin viel Spaß in ihrem Land und seinen Bewohnern und eine gute Reise!
Wow! Ich war hin und weg!

Zurück nach Windhoek bei Tageslicht war natürlich einfach, die Gravel Road entlang, einmal rechts abbiegen und dann immer geradeaus! Wenn nur alles so leicht wäre!

Alles in allem bin ich bei meinem 8-Tage-Trip 3002 Kilometer Auto gefahren, die Hälfte davon auf unbefestigten Strassen. Alles ohne jedes technisches Problem. Sämtliche verbogenen Zelthäringe wurden von Pieter vom Red Dune Camp in der Werkstatt wieder zurechtgebogen, und auch sonst hatte ich nur gute Erfahrungen mit Land und Leuten im Süden von Namibia.
In Windhoek stieg ich im Chameleon Backpacker ab, dem bisher besten Backpacker in Afrika. Der Schlafsaal ist mit 3 Stockbetten relativ klein und jeder Schlafsaal hat eine eigene Dusche und eine eigene Toilette. Es gibt auch Doppelzimmer mit eigenem Bad. Im Preis eingeschlossen ist ein gutes Frühstück in Selbstbedienung, es gibt TV, Internet, ein kleines Reisebüro, eine Bar und einen kleinen Pool. Natürlich sind die Bewohner wie immer in dieser Art Hostels international. Die Spanne reicht von Australien über Asien, Nordafrika, Europa bis nach Suedamerika. Also die ganze Welt und ein buntes Völkchen, das das Ganze sehr interessant macht.
Das alles wollte ich meinen Eltern natürlich nicht vorenthalten, auch wenn bedenkliche Stimmen aus Deutschland kamen, dass andere Eltern im Leben nicht in einem Hostel wohnen würden… Ich kann das schon mal vorausnehmen: Meine schon! Alles weitere über die gemeinsame Reise in die Mitte und in den Norden Namibias mit den Eltern kommt in einer extra mail in ein paar Tagen.

In diesem Sinne, bis bald in der nächsten mail und ich freue mich schon über viele Antworten.

Eure Andy
 

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Neues aus Afrika 8 (5. November 2009)

Meinen letzten Tag in Malawi verbrachte ich in der Hauptstadt Lilongwe. Hier gibt es einen ziemlich großen Markt, auf dem man so gut wie alles bekommt, was man sich nur vorstellen kann. Nachmittags war ich mit Günter und seinem Hund – mit dem typisch malawischen Namen Anton – außerhalb von Lilongwe spazieren. Das war recht spannend, weil mir Günter als alter Botaniker, der sogar ein Buch über die Pflanzenwelt Malawis geschrieben hat, viele der Pflanzen erklären konnte.

Am folgenden Tag ging es weiter nach Sambia. Grenzübertritte sind in diesem Teil Afrikas wenig problematisch, die jeweiligen Visa erhält man einfach an der Grenze, meist gegen 50.- US. In Lilongwe konnte ich endlich mein Bankproblem von Karonga lösen. Damals wollte ich etwa 100.- Euro abheben, bekam auch eine Quittung vom Automaten, aber leider kein Geld. Die Filiale in Karonga konnte dieses Problem nicht lösen, das Ganze wurde nach Lilongwe transferiert mit der Aussage, dass das Geld innerhalb von 24 Stunden auf die Kreditkarte zurückgebucht würde…. Das waren afrikanische 24 Stunden. Fast zwei Wochen später war ich dann auf der Bank in Lilongwe, sie konnten das Geld nicht auf die Kreditkarte zurückbuchen. Deswegen bekam ich die 100 Euro in Kwacha ausbezahlt. Prinzipiell okay, aber das war an meinem vorletzten Tag in Malawi…

Es ist selten gut, an der Grenze mit einem hohen Betrag in einheimischer Währung aufzutauchen, jeder Geldwechsler weiß, dass man den Betrag dringend tauschen muss. Malawische Kwacha kann man auf der anderen Seite der Grenze und weiter in Sambia kaum mehr loswerden.
Geldwechsler an der Grenze sind per se windige Burschen, aber die an dieser Grenze waren schon besonders dreist. Einer wollte mich gar auf derart dummdreiste Art und Weise übers Ohr hauen, dass es schon fast beleidigend war!
Erst schmuggelte er zwischen seine 50000er Scheine ein paar 10000er, die ziemlich ähnlich ausschauen. Als nächstes behauptete er, ich hätte ihm keine 18000 malawische Kwacha gegeben, sondern nur 11000…. Da hatte ich aber Gott sei Dank sein Geld schon! Ich bin dann zur Immigration und meinte, er hat nun 10 Minuten Zeit sich folgendes zu überlegen:
1. Wir canceln den ganzen Deal, ich bekomme mein Geld komplett zurück und er seines.
2. Wir lassen alles so, wie es ist. Oder:
3. Wir gehen zur Polizei.
Der Typ war nicht begeistert, aber letztendlich cancelten wir das alles und beschäftigten  neutrale Unbeteiligte mit dem Zählen der jeweiligen Kohle.

Von der Grenze war es nicht weit bis nach Chipata. Hier habe ich in Deans Hill View Lodge übernachtet. Eine sehr relaxte und preiswerte Unterkunft mit den besten (heißen) Duschen seit langem. Dean ist aus England und hilft gerne mit Tipps und Tricks weiter. Dean hat einen jungen Einheimischen an der Hand, der einen Taxiservice zum South Luangwa Nationalpark anbietet. Die Insiderinfo, dass der junge Mann am Folgetag im Nationalpark Kunden abholen musste, war natürlich Gold wert und es war ein leichtes, den Preis für meine Hinfahrt nach unten zu diskutieren…
Man kann auch in den Nationalpark trampen, aber da ist man gut und gerne einen Tag unterwegs. Da waren die zwei Stunden im Taxi schon deutlich angenehmer.

Das Croc Valley Camp liegt direkt am Luangafluss und nur ein paar Kilometer vom Nationalpark entfernt. Durch die Nähe zum Fluss kommen hier immer wieder mal tierische Besucher vorbei. Tagsüber erscheinen immer wieder Elefanten, die anscheinend kleine gelbe Zelte (so wie meines!) nicht so sehr mögen… Jedenfalls musste ich auf Geheiß des Campingbetreibers Hals über Kopf aus meinem Zelt. Die Elefanten haben es aber nur genauer unter die Lupe genommen und sind dann weiter marschiert. Die Hippos in der Nacht fanden gelb wohl ganz attraktiv und kamen meinem Zelt näher als mir (schließlich lag ich ja drin) genehm war…
Der South Luanga Nationalpark ist einer der wenigen Nationalparks, in denen man auch nachts auf Game Drive gehen darf. Eine spannende Sache, weil dann die nachtaktiven Tiere unterwegs sind. Natürlich Hippos, aber auch Hyaenen und Leoparden, kleinere Buschkatzen und vieles mehr. Der Eintritt von 20.- US gilt für 24 Stunden, und so kann man einen Besuch am Abend mit einem Game Drive morgens kombinieren, um kein Geld zu verschenken. Tagsüber sieht man hier viele Elefanten, verschiedene Antilopenarten, Zebras, Giraffen und Löwen.
Leider war unser Fahrer nicht gerade der beste aller sambischen Fahrer und setzte unser Fahrzeug gleich zweimal so in den Sand, dass alle Gäste – Löwen hin oder her – aussteigen und schieben mussten…. Das kostete uns locker zwei Stunden, und deswegen kam unsere Gruppe in den Genuss eines kostenfreien weiteren Game Drives am folgenden Tag…. Leider mit dem gleichen Fahrer, der diesmal was neues ausprobierte und mit dem Unterboden aufsaß, sodass wir das Fahrzeug per Wagenheber und Steinen auf einer Seite gewaltig anheben mussten, um wieder freizukommen!
Der Rückweg vom Nationalpark nach Chipata war leicht, weil ich mich einer Gruppe Italiener anschließen konnte, die mit einem kleinen Truck unterwegs waren. Das war ein komfortables Reisen für diese drei Stunden, vielen Dank an Francesca und Stefano für ihre Hilfe!

Am folgenden Tag bin ich mit dem Bus von Chipata nach Lusaka gefahren. Das sind etwa sieben Stunden Fahrt durch eine sehr trockene Gegend. Es gibt hin und wieder kleine Dörfer, ansonsten dornige Büsche, einige Büschel gelbes Gras und eine mehr oder weniger schnurgerade Straße.
Lusaka ist die Hauptstadt von Sambia und besteht aus einem sehr modernen Zentrum mit eigenartigen Hochhäusern, die sehr an Sowjetbauten erinnern. In der Haupteinkaufsstraße finden sich viele Banken, Versicherungen, ein großer Supermarkt und einige Boutiquen, dazu jede Menge Fast Food Restaurants, vor allem Ketten aus Südafrika.
Außerhalb des Zentrums gibt es zwei große Shoppingmalls, die genauso in Europa oder Amerika stehen könnten. Ein etwas uninspiriertes Museum, einige wenig attraktive Märkte – das war es dann auch schon!
Kein Wunder, dass hier kein Tourist länger bleibt!     

Auch ich bin zügig weitergereist. Mein nächstes Ziel war Livingstone an den Victoriafällen. Die Victoriafälle sind in der Trockenzeit natürlich nicht so imposant wie in oder kurz nach der Regenzeit. Auf sambischer Seite ist es eher ein Rinnsal, deutlich mehr Wasser gibt es auf der simbabwischen Seite der Fälle. Mit einiger Phantasie kann man sich aber vorstellen, wie gewaltig die Wassermassen sein müssen, die zur Regenzeit hier herunterrauschen!

Während meines Aufenthaltes in Livingstone habe ich 2 Engländer kennen gelernt, die sich ebenfalls nach Ruhe sehnten. So kamen wir auf die Idee, nach Bovu Island zu fahren. Das ist eine kleine Insel etwa eine Stunde Fahrtzeit von Livingstone entfernt. Hier gibt es nur ein kleines Hotel, es gibt keine Elektrizität und keinen Handyempfang! Es war tatsächlich so erholsam, wie ich es hier beschreibe. Es gab jede Menge Ausflüge per Boot, zum Sonnenuntergang, rund um die Insel oder ein Ausflug zum Dorf. Hier unterstützen Evelyn und Brett von der Jungel junction Lodge den Bau einer Schule. Hilfskräfte dafür sind jederzeit willkommen! Derzeit werden die kleinen Kinder in der Kirche unterrichtet, die größeren müssen jeden Tag fünf Kilometer oneway ins nächste Dorf laufen!

Wieder zurück in Livingstone habe ich den Gedanken, die Fälle auf der Simbabweseite zu sehen, endgültig ad acta gelegt. Brett von der Jungle junction hat mich auf die Idee gebracht, über die Fälle zu fliegen. Er dachte wohl eher an einen Helikopterrundflug, aber ein Leichtflugzeug hört sich doch noch viel spannender an! Und es war einfach toll! Natürlich war ich zuerst etwas indifferent, immerhin ist dieses Flugzeug höllisch klein und es wackelt auch wie die Pest. All das vergisst man schnell, sobald man über den Fällen und den Schluchten ist! Am Ende kann man die CD mit den Fotos kaufen, die der Pilot während des Fluges geschossen hat. Die Kamera ist an einem der beiden Flügel montiert.

Von Livingstone aus bin ich mit einem Sammeltaxi an die Grenze zu Botswana gefahren. Der Grenzübergang war sehr gut organisiert und auch das Überqueren des Grenzflusses per Fähre war unproblematisch. Auf der anderen Seite gab es zwar keine öffentlichen Verkehrsmittel, aber offensichtlich habe ich den Grenzbeamten so leid getan, dass sie gleich den erstbesten Jeep angehalten und den Fahrer gebeten haben, mich die paar Kilometer bis zum Thebe River Camp in Kasane mitzunehmen.
Es ist geradezu lachhaft, wie die meisten Touristen in Livingstone panisch nach Möglichkeiten suchen, diesen Grenzübergang irgendwie zu meistern und dann in einer organisierten Safari zum Chobe Nationalpark in Botswana landen. Vielleicht eine clevere Geschäftsidee, die Ängste der Rucksacktouristen vor dieser Grenze zu schüren und somit Safaris ab Livingstone besser zu verkaufen, weil dann der Grenzübergang per Minibus in der Gruppe absolviert wird….

Wie auch immer, das Thebe River Camp ist ziemlich groß und es steigen vor allem diese großen Überlandtrucks dort ab, also genau die Art Reisende, die man normalerweise als Individualtourist eher meidet. Diese Überlandtrucks werden vor allem von jungen, eher unerfahrenen Reisenden gebucht. Die klassische Route ist über Land von London nach Capetown, wobei natürlich auch Teilstrecken gebucht werden können. Übernachtet wird in Zelten auf einem Campingplatz oder wild, eingekauft und gekocht wird gemeinsam. Die Gruppendynamik bei solch einer Reise ist nicht ganz ohne und wilde Parties sind die Regel. Letzteres ist auch oft der Grund, warum Individualreisende diese Gruppen nicht so sehr schätzen. Sie sind einfach meistens sehr laut.

An der Bar der Thebe River Lodge habe ich gleich am ersten Tag Kibonye und Simon aus Kasane kennengelernt. Die beiden sind Lehrer an einer Privatschule, Kibonye ist von Botswana und Simon aus England. Wir haben einen interessanten Nachmittag miteinander verbracht. Über diese beiden habe ich Heinz aus Deutschland kennengelernt, der mehrere Wochen im Jahr in Kasane verbringt. Er hat vor einigen Jahren ein Haus gekauft, in dem auch Sandra, eine Einheimische, lebt.
Die beiden haben mich eingeladen, am folgenden Tag mit zu Sandras Mutter nach Kavimba zu fahren. Das ist ein kleines Dorf etwa 80 Kilometer von Kasane entfernt.
Schon allein die Fahrt zum Dorf war interessant, die Gegend total trocken, steppenartig, die meisten Bäume nur mit wenig Laub, ein paar Bäume eigenartigerweise voll mit Blättern, weil es vor 10 Tagen geregnet hatte. Anscheinend reicht ein ausgiebiger Regen manchen Bäumen schon, um Blätter auszutreiben. Das Dorf hat etwa 800 Bewohner, Arbeit gibt es kaum, durch die lange Trockenheit müssen die Menschen 15 Kilometer gehen, um Trinkwasser schöpfen zu können – oneway. Die Menschen hier leben von Subsistenzwirtschaft, angebaut wird vor allem Mais, der einmal im Jahr geerntet werden kann. Es gibt eine Grundschule im Dorf, für jede weiterführende Schule müssen die Kinder allerdings nach Kasane. Das ist für die meisten Familien unerschwinglich, weil die Kinder aufgrund des weiten Weges ins Internat müssten.
Sandra unterstützt ihre Mutter, soweit es ihr möglich ist. Derzeit ist sie allerdings selbst ohne Job, weswegen Heinz wiederum aushilft.

Auf dem Rückweg sind wir durch den Chobe Nationalpark gefahren. Durch diesen Nationalpark fließt der Chobe River, der das ganze Jahr über Wasser hat. Deswegen sind viele Tiere das ganze Jahr über da. Bekannt ist der Chobe vor allem für die großen Elefantenherden, die man abends oder am späten Nachmittag bei einem gepflegten Bad im Fluss findet. Daneben grasen friedlich diverse Hippos, Büffel und verschiedenste Antilopen. Es gibt auch Warzenschweine, Giraffen, Krokodile, Leoparden, Löwen……

Heinz hat mich dann eingeladen, statt im Thebe River Camp doch lieber bei ihnen zu wohnen. Das war natürlich toll! Somit hatte ich für die nächsten Tage ein eigenes kleines Appartement mit Schlafcouch, Kühlschrank und ein Bad ganz für mich alleine! Eine absolute Verbesserung nach meinen Nächten im kleinen gelben 1 1/2 Mann Zelt! Und das Ganze dann auch noch mit Vollverpflegung – es war wie Urlaub vom Urlaub, und zusätzlich eine Zeit, in der ich ohne viel Organisationsaufwand sehr viel gesehen und erlebt habe! An dieser Stelle vielen Dank an Heinz und Sandra, ich werde meine Zeit in Kasane mit Sicherheit nicht vergessen!
Neben dem Nationalpark, in den wir gleich dreimal fuhren, haben wir auch
diverse Lodges besucht, z.B. Elephant Valley Lodge, die direkt an einem großen Wasserloch liegt. Die Tiere kommen am Spätnachmittag und nachts hierher zum Trinken und können von den Besuchern von einer Aussichtsplattform aus in Ruhe betrachtet werden. Das ist eine dieser superteuren Lodges, die man als Reiseverkäufer gerne mal für Kunden buchen würde (die Preise beginnen bei 400 oder 500 Dollar pro Nacht). Ich war mit einer Cola und der Aussichtsplattform schon mal ganz zufrieden.

An einem Tag war ich auch mit dem Boot auf dem Chobe River unterwegs. Das war wegen der Hippos, Krokodile und Elefanten besonders interessant. Wir hatten auch das Glück, zwei junge Elefanten in einem heftigen Streit zu beobachten.

Nach fast einer Woche in Kasane mit sehr vielen interessanten Einblicken ins afrikanische Leben bin ich mit einem Sammeltaxi weiter nach Nata und dann per Bus weiter nach Maun gefahren. Maun ist das Zentrum für Fahrten ins Okavangodelta.
Der Okavango, der in Angola entspringt, fließt durch den Caprivistreifen Namibias und dann weiter nach Botswana. Hier verzeigt sich der Fluss in unzählige Arme mit diversen Inseln und versickert letztendlich im Sand der Kalahari. In diese Landschaft aus Wasser, Inseln und Schilf fährt man am besten mit einem traditionellen Mokoro, einem kleinen Holzboot. Diese Boote werden meist aus den Stämmen der Baobabbäume gefertigt. Es dauert ca einem Monat, bis so ein Boot fertig ist. Bei Niedrigwasser wird durch die Kanäle gestakt, nach der Regenzeit gerudert. Natürlich kann man nicht alleine ins Okavangodelta aufbrechen, als Unkundiger würde man sich im Schilf und zwischen den Inseln heillos verfahren.
Ich habe gemeinsam mit zwei Australiern einen 2-Tagestrip mit zwei Mokoros unternommen. Geschlafen haben wir auf einer der größeren Inseln in Zelten. Da das Ganze mit Selbstverpflegung war, mussten wir vorher einiges an Proviant einkaufen, auch für unsere Bootsführer.
Die Hinfahrt mit dem Mokoro zur Insel dauerte etwa drei Stunden. Es war eine tolle Erfahrung, durch die Kanäle gestakt zu werden. Diese Kanäle werden oft durch Hippos geformt, die mit ihren massigen Körpern eine Fahrtrinne für die kleinen Boote schaffen. Logischerweise sind die Bootsführer immer auf der Hut, auf Hippos zu treffen. Einmal waren wir fast ein bisschen nahe an einem großen Hippo dran, sodass unsere beiden Bootsleute in einer irrsinnigen Geschwindigkeit mit uns im Schlepptau das Weite gesucht haben. Hippos sind zwar Pflanzenfresser, aber sie schätzen es gar nicht, wenn man ihnen zu nahe kommt. Es ist schon passiert, dass Hippos Mokoros umgeworfen und die Insassen attakiert haben. Durchaus zum Teil mit tödlichem Ausgang. Am Nachmittag sind wir zum Hippopool gefahren, wo wir die Tiere dann in gebührendem Abstand vom Boot aus betrachtet haben.

Nach einem leckeren Spaghettiabendessen mit phantasiereicher Sauce sind wir sehr bald alle in unseren Zelten verschwunden. Bootfahren macht einfach müde, ob man nun stakt oder nur drinsitzt.
Mitten in der Nacht fing es dann plötzlich an zu regnen – aber wie! Die Regenzeit sollte eigentlich erst in etwa 14 Tagen beginnen, aber irgendwie sah das schon fatal danach aus! Vor allem hörte das auch morgens nicht auf. Trotzdem sind wir ganz tapfer im Regen zu unserer Buschwanderung aufgebrochen. Ganz unerwartet haben wir doch viele Tiere gesehen. Es ist schon eine ganze Ecke anders, ob man große Tiere wie Elefanten, Büffel oder Giraffen vom sicheren Autos aus betrachtet oder ihnen zu Fuß begegnet… Wegen des Regenwetters hielten wir die Wanderung etwas kürzer als geplant, waren aber trotz Regenjacken komplett durchnässt. In der Hoffnung, dass der Regen irgendwann doch aufhören muss, warten wir einfach eine Weile in unseren Zelten. Irgendwann half es aber nicht mehr – also Zelte abbauen im stömenden Regen, was ja schon immer ekelhaft war, aber bei einem solchen Regenguss ist es wirklich scheußlich! Und dann die Fahrt zurück im
Mokoro. Man sitzt einfach nur da und tut nichts – außer so langsam vor sich hinfrieren. Je länger wir unterwegs waren, desto kälter wurde es, zwischendrin hielten wir mal an, um das Wasser aus den Plastiksitzen zu leeren…. Auf dem Speedboot wurde es dann nochmal so richtig kalt, auch wenn wir Regenmäntel mit eingenähter Decke bekamen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals in meinem Leben so gefroren habe!!! Nach gut 30 Minuten im Speedboot kamen wir wieder in Maun an, wo Kaffee und eine heiße Dusche auf uns warteten. Wir hatten Glück und konnten Safarizelte anmieten, die unseren waren ja komplett nass, außerdem regnete es auch in Maun! Diese Safarizelte sind sehr komfortabel eingerichtet mit richtigen Betten drin und Elektrizität. Ein Luxus, den wir alle dringend brauchen konnten.

Über einen anderen Traveller aus England kamen wir in Kontakt mit Will aus Südafrika, der in Botswana eine Gruppe Tierfilmer aus Brasilien herumgefahren hat und am Folgetag mit seinem Jeep nach Windhoek aufbrechen wollte. So kamen wir in den Genuss einer genialen Mitfahrgelegenheit für fast 900 Kilometer und brauchten nur für das Benzin aufkommen, das wir unter uns vier aufteilten. Diese Strecke Maun – Windhoek wird erstaunlicherweise nicht von einem durchgehenden Bus bedient, obwohl das so viele Reisende brauchen könnten. Man kann zweiTeilstrecken mit dem Bus fahren, zwischendrin etwa 250 Kilometer trampen, allerdings beidseitig der Grenze zwischen Botswana und Namibia, sodass man mindestens zwei Tage für diese Strecke benötigt! Wir brauchten nur 10 Stunden bis Windhoek.

Für mich gibt es in Windhoek viel zu organisieren, das Visum für Angola, die Permits und Campingplatzbuchungen für die Etoschapfanne und Sossuvlei. Das Ganze muss Hand und Fuß haben, denn in zwei Wochen fliegen meine Eltern ein. Das wird ein komplett andere Reisen werden – statt alleine zu dritt, statt mit öffentlichen Verkehrsmitteln per Jeep mit zwei Zelten auf dem Dach. In Namibia müssen Camps in den Nationalparks vorgebucht werden, also bedarf es einer genauen Planung. Ziemlich ungewohnt nach fünf Monaten Leben von einem Tag auf den anderen. Aber gut, da kommt der Reiseverkäufer und Planer wieder zum Vorschein – macht ja Spaß! Nach fünf Monaten unterwegs muss man auch mal an das eine oder andere neue T-shirt denken, ein Friseur schadet nach all den Monaten auch nicht. Schließlich will man präsentabel aussehen für die angolanische Botschaft und für die Eltern….

Also, das wars für diese mail. Namibia bekommt eine extra mail, schließlich gibt es hier wirklich viel zu sehen.

Viele Grüße aus Windhoek und ich freue mich schon auf viele Antworten!

Eure Andy

 

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