Mittwoch, 16. September 2026

Bukarest – Verkehrschaos, kleine Häuser und ganz große Geschichte

Alt und neu direkt neben einander - Bukarest, Rumänien

Bukarest beginnt für uns erst einmal mit einem kleinen Nervenkitzel. Schon auf den großen Straßen ist ordentlich was los – Autos, Busse, Mopeds, Menschen und mittendrin wir. Der Verkehr wirkt manchmal so, als hätte jeder seine eigene Vorstellung davon, wer jetzt eigentlich Vorfahrt hat. Unser Navi versucht tapfer, uns durch das Gewusel zu führen, aber dann kommt das nächste Problem: Wir finden unser Apartment nicht.

Die Adresse stimmt. Das Navi sagt, wir seien praktisch schon da. Nur das Gebäude ist nirgends zu entdecken.

Irgendwann fragen wir uns durch und haben Glück: Ein paar Einheimische wissen tatsächlich, wo wir hinmüssen. Und damit nicht genug. Sie zeigen uns nicht nur den Eingang, sondern steigen kurzerhand bei uns ins Auto und fahren mit, um uns durch die Straßen direkt dorthin zu lotsen. So viel Hilfsbereitschaft hätten wir nun wirklich nicht erwartet.

Und dann verstehen wir auch, warum wir das Haus übersehen haben. Unser Apartment befindet sich in einem kleinen Gebäude mit gerade einmal fünf Stockwerken. In Bukarest fast schon ein Häuschen. Ringsherum stehen gewaltige Wohn- und Bürogebäude, und da geht so ein Fünfstöckler eben ziemlich leicht unter.

Die Wohnung selbst ist prima – und nach dieser Ankunft sind wir erst einmal froh, angekommen zu sein.


Kirche in der Altstadt, Bukarest, Rumänien


Am nächsten Tag geht es dann auf Entdeckungstour durch Bukarest. Und siehe da: Die Stadt kann auch ganz anders.





Früher eine Karawanserei, heute Restaurant



Wir starten in der Altstadt und sind ziemlich angetan. Hübsche historische Gebäude, kleine Gassen, Kirchen, Cafés und dazwischen jede Menge Menschen. Natürlich ist das Ganze touristisch, aber trotzdem hat die Altstadt ihren eigenen Charme und wirkt nicht wie eine auf Hochglanz polierte Kulisse.


Altstadt Bukarest, Rumänien

Altstadt Bukarest, Rumänien

Altstadt Bukarest, Rumänien

Stavropoleos-Kloster, Bukarest, Rumänien


Besonders schön finden wir das kleine Stavropoleos-Kloster. Mitten im Trubel der Altstadt öffnet sich plötzlich dieser ruhige, fast intime Ort. Ein paar Schritte weiter ist wieder Großstadt – hier drin ist davon kaum etwas zu spüren. 




Innenhof Stavropoleos-Kloster, Bukarest, Rumänien


Atheneum, Bukarest, Rumänien

Nach der Altstadt gönnen wir uns erst einmal eine Pause. Bukarest ist schließlich nicht unbedingt die Stadt, in der man möglichst viele Kilometer sammeln muss. Und nachdem wir inzwischen herausgefunden haben, dass die Metro ziemlich praktisch ist, nutzen wir sie auch ausgiebig. Unser Ziel ist schließlich nicht, abends mit qualmenden Füßen im Apartment zu sitzen.

Zum Abschluss geht es noch zum Parlamentspalast.

Oder genauer gesagt: zu dem gigantischen Bau, den Nicolae Ceaușescu während seiner Diktatur errichten ließ.

Parlamentspalast, Bukarest, Rumänien

Von außen ist das Gebäude schlicht überwältigend. Riesig, wuchtig und irgendwie völlig aus der Zeit gefallen. Man steht davor und fragt sich unweigerlich, wie jemand auf die Idee kommen konnte, so ein Monstrum mitten in die Stadt zu setzen. Gleichzeitig wird gerade hier die Dimension der damaligen Herrschaft ziemlich greifbar.

Heute sitzt dort das rumänische Parlament. Seine Entstehungsgeschichte bleibt trotzdem untrennbar mit Ceaușescu und der kommunistischen Diktatur verbunden, der dafür ein ganzes Stadtviertel abreißen ließ.

Damit endet unser Bukarest-Tag ziemlich passend: erst die lebendige Altstadt, dann Kunst im ehemaligen Königspalast und zum Schluss dieses gewaltige Relikt einer ganz anderen Epoche.

Und unser Eindruck von Bukarest?

Nach dem etwas chaotischen Start hat uns die Stadt richtig gut gefallen. Vor allem die Mischung aus Geschichte, Kunst, Großstadtleben und diesen manchmal ziemlich überraschenden Begegnungen mit den Menschen macht Bukarest für uns interessant.

Und dass uns völlig fremde Leute einfach ins Auto steigen, um uns zu unserem Apartment zu lotsen, war vielleicht die schönste Begrüßung, die diese Stadt uns geben konnte.


Dienstag, 15. September 2026

Wenn die Erde schlechte Laune hat

Pâclele Mari, Rumänien

Nach Kirchen, Klöstern, Holzschnitzereien, Schluchten und jeder Menge wunderschöner Landschaft war offenbar die Zeit gekommen, sich einmal etwas richtig Schmutziges anzuschauen: Schlammvulkane. 

Pâclele Mari, Rumänien

Klingt zunächst nicht unbedingt nach einem Höhepunkt einer Rumänienreise. „Heute schauen wir uns Schlamm an“ ist schließlich nicht der Satz, mit dem man bei Freunden normalerweise Fernweh auslöst. Aber rund um Berca nimmt die Erde das Thema erstaunlich ernst. Hier blubbert, zischt und quillt Schlamm aus dem Boden – und formt dabei eine Landschaft, die tatsächlich aussieht, als hätte jemand ein Stück Mond nach Rumänien verpflanzt. 

Es gibt zwei große Vulkanfelder: Pâclele Mari und Pâclele Mici. Groß und klein also. Wir nehmen selbstverständlich beide. Wenn man schon bis hierher fährt, kann man schließlich auch gleich beide Sorten Schlamm mitnehmen.


Pâclele Mari, Rumänien

Pâclele Mari – Schlamm mit Aussicht

Am späten Nachmittag geht es zunächst zu Pâclele Mari. Der Vorteil: Der Parkplatz ist bequem erreichbar und der Weg zum Vulkanfeld kurz. Das kommt meinem fußlahmen Mann durchaus entgegen. Wir haben schließlich nicht vor, ausgerechnet wegen ein paar blubbernder Erdklumpen eine Expedition zu starten.

Und dann stehen wir tatsächlich mittendrin.

Vor uns liegen graubraune Hügel, kleine Krater, Rinnen und Kegel. Aus einigen quillt langsam der Schlamm heraus. Nicht spektakulär schnell, eher nach dem Motto: Wir haben Zeit. Sehr viel Zeit.

Man kann den kleinen Vulkanen förmlich dabei zusehen, wie sie vor sich hin arbeiten. Blubb. Pause. Blubb. Pause.

Wobei man sich bei näherer Betrachtung fragt, ob das überhaupt noch Vulkane sind oder einfach nur besonders schlecht gelaunte Löcher im Boden.

Die Landschaft ist jedenfalls erstaunlich. Fast kein Grün, dafür graue und beige Erdformen, die sich über das Gelände ziehen. Bei entsprechendem Licht könnte man problemlos behaupten, man sei gerade auf einem anderen Planeten gelandet.

Nur die Besucher mit ihren Handys verraten, dass wir doch noch auf der Erde sind.


Pâclele Mari, Rumänien

Am nächsten Morgen: Teil zwei - Pâclele Mici

Eigentlich hätten wir es bei Pâclele Mari belassen können. Aber nun gibt es ja noch Pâclele Mici.

Also geht es am nächsten Morgen noch einmal los – diesmal ohne meinen Mann. Der darf sich vom Vortag erholen, während ich allein den kleineren Vulkanen einen Besuch abstatte.

Der Zugang vom Campingplatz aus ist etwas sportlicher. Es geht bergauf. Nicht dramatisch, aber genug, um daran erinnert zu werden, dass „Mici“ offenbar nur für die Vulkane gilt und nicht für den Höhenunterschied.

Oben angekommen, ist schnell klar: Das hat sich gelohnt.

Pâclele Mici, Rumänien

Pâclele Mici ist kleiner als Pâclele Mari, dafür stehen die Schlammkegel viel dichter zusammen. Überall kleine Krater und Hügel, manche trocken und rissig, andere mit frischem Schlamm. Das Ganze erinnert ein bisschen an eine riesige Kuchenlandschaft, bei der der Bäcker allerdings vergessen hat, Zucker, Mehl und Farbe mitzunehmen.

Pâclele Mici, Rumänien

Und wieder dieses Blubbern.

Man wartet fast darauf, dass einer der Kegel plötzlich sagt: „So, Feierabend für heute.“






Groß gegen klein

Welches der beiden Felder ist nun schöner?

Schwer zu sagen – und eigentlich auch völlig egal.


Pâclele Mici, Rumänien

Pâclele Mari hat die größere, offenere Landschaft und die beeindruckenderen großen Kegel.

Pâclele Mici wirkt dafür dichter, wilder und irgendwie lebendiger. Hier hat man das Gefühl, mitten in einem kleinen Vulkanviertel unterwegs zu sein, in dem die Nachbarn alle ein bisschen vor sich hin kochen.

Pâclele Mici, Rumänien

Zusammen sind die beiden Felder jedenfalls ein ziemlich ungewöhnliches Erlebnis.

Und wieder einmal zeigt sich: Rumänien kann offensichtlich alles. Mittelalterliche Klöster, spektakuläre Schluchten, endlose Landschaften – und zwischendrin einfach mal ein Haufen Schlamm, der mithilfe von Gas aus dem Boden blubbert.

Man muss sich nur darauf einlassen.


Und vielleicht Schuhe anziehen, die man anschließend nicht unbedingt zum Sonntagsessen tragen möchte.


Pâclele Mici, Rumänien


Sonntag, 13. September 2026

Murighiol – hinein in die Wasserwelt des Donaudeltas

Donaudelta, Rumänien

Nach Galati war es Zeit für einen kompletten Tapetenwechsel. Statt riesiger Straßen und sozialistischer Betonarchitektur erwartete uns in Murighiol das genaue Gegenteil: Wasser, Schilf, kleine Kanäle und jede Menge Natur.

Unsere Unterkunft Căsuțele Allora war dafür gleich der passende Einstieg. Drei kleine Häuschen stehen in einem wunderschönen Garten, dazu unsere ausgesprochen liebenswerte Gastgeberin Vali, bei der wir uns sofort wohlfühlten. Und auch kulinarisch wurden wir bestens versorgt – schließlich sind wir im Donaudelta. Was also auf den Tisch kam? Natürlich Fisch. Und zwar richtig guten.

Donaudelta, Rumänien



Eigentlich hatten wir für Sonntag eine längere Tour durch das Donaudelta geplant. Dann kam allerdings der Wetterbericht dazwischen: 100 Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Da muss man nicht lange diskutieren.




Donaudelta, Rumänien


Also hieß es: Plan ändern – und zwar schnell.

Vali organisierte uns kurzerhand noch für den Nachmittag unserer Ankunft eine Bootstour. Zusammen mit einer rumänischen Reisegruppe ging es hinaus ins Delta. Und das war genau die richtige Entscheidung.




Donaudelta, Rumänien



Schon nach kurzer Zeit waren wir mitten in dieser faszinierenden Wasserwelt unterwegs. Schmale Kanäle, spiegelndes Wasser, dichtes Schilf und überall Vögel. 

Sehr viele Vögel.



Donaudelta, Rumänien


Die meisten waren natürlich deutlich schneller weg, als wir unsere Kameras in Position bringen konnten. Aber wir sahen Reiher, Kormorane und jede Menge anderes Federvieh – und sogar Pelikane. Zwar nur aus der Ferne, aber immerhin. Für die ganz große Pelikan-Nahaufnahme hätten wir vermutlich eine andere Tour buchen oder einfach deutlich bessere Augen haben müssen. 


Donaudelta, Rumänien



Ansonsten: einfach wunderschön. Je weiter wir mit dem Boot in die Wasserlandschaft hineinfuhren, desto mehr hatte man das Gefühl, in eine völlig andere Welt einzutauchen. Genau dafür waren wir schließlich hier. 




Und dann kam der Sonntag.

Der Wetterbericht hatte ausnahmsweise nicht übertrieben. Es regnete. Und regnete. Und regnete. Dazu war es plötzlich rund zehn Grad kälter als am Vortag.

Da sitzt man dann am Wasser und denkt sich: Eigentlich könnten wir jetzt unsere große Tour machen.

Könnten.

Wenn man gerne im Dauerregen auf einem Boot sitzt und anschließend versucht, durch eine nasse Scheibe irgendwelche Vögel zu erkennen.

Wir waren jedenfalls ziemlich froh über unsere spontane Planänderung. Dank Vali hatten wir schon am Ankunftstag eine wunderschöne Fahrt durchs Delta erlebt – und konnten den verregneten Sonntag entspannt aussitzen.

Manchmal ist ein Wetterumschwung eben auch ein ziemlich guter Reiseplaner.



Pelikane aus der Weite, Donaudelta, Rumänien

Donaudelta, Rumänien



Samstag, 12. September 2026

Galati – Luxus, Lila und ein kleines Waschparadies

Noblesse Suite, Galati, Rumänien

Galati ist jetzt nicht unbedingt die Stadt, bei der man aus dem Auto springt und begeistert ruft:

Hier soll die Noblesse Suite sein? Ja...


„Wow, hier bleiben wir länger!“ Sie ist teilweise erstaunlich modern, an anderer Stelle wiederum ziemlich deutlich sozialistisch geprägt. Dazu kommen riesige Straßen, breite Plätze und viel Beton. Hübsch geht anders.




Aber Galati lag für uns genau richtig auf der Strecke und war deshalb vor allem eines: ein praktischer Boxenstopp.

Bei der Unterkunft haben wir inzwischen offenbar etwas gelernt. Diesmal hatten wir gleich eine Terrasse mit Blick auf die Donau gebucht. Die war dann zwar von der Größe her eher ein etwas größer geratener Balkon – aber immerhin eine Terrasse. Man lernt ja.


Terrasse, Noblesse Suite, Galati, Rumänien

Noblesse Suite, Galati, Rumänien



Wir waren in der Noblesse Suite untergebracht – und nobel war sie durchaus. Im Bad wartete sogar ein Whirlpool auf uns. Dazu schicke Möbel und eine ziemlich konsequente Vorliebe für Lila. Sehr lila. Das muss man mögen. 




Noblesse Suite, Galati, Rumänien



Unser persönliches Highlight war allerdings weder der Whirlpool noch die schicke Einrichtung.

Es war die Waschmaschine. 





Und als wäre das nicht schon großartig genug, gab es gleich zwei Wäscheständer. Nach etlichen Tagen auf Reisen ungefähr der Moment, in dem man plötzlich versteht, was Luxus wirklich bedeutet.

Also wurde die Terrasse kurzerhand zur Wäschestation. Während andere Gäste vielleicht im Whirlpool entspannten, ließen wir T-Shirts, Hosen und Unterwäsche fröhlich im Wind trocknen.

Man muss schließlich auch unterwegs Prioritäten setzen.

Galati selbst war für uns kein großes touristisches Highlight. Aber als Zwischenstopp hat die Stadt ihren Zweck perfekt erfüllt: gut gelegen, eine komfortable Unterkunft – und am Ende sogar wieder einen Rucksack voller sauberer Wäsche.

Was will man mehr?

Noblesse Suite, Galati, Rumänien



Donnerstag, 10. September 2026

Wenn es eng wird: die Bicazschlucht und der Rote See

Bicazschlucht, Rumänien

Nach den vielen Klöstern der vergangenen Tage war heute endlich wieder Natur angesagt. Und was für welche! Wir fahren zur Bicazschlucht und zum Roten See – zwei der bekanntesten Landschaftsziele in den rumänischen Karpaten.

Bicazschlucht, Rumänien

Die Fahrt dorthin macht schon Spaß. Je weiter wir kommen, desto bergiger wird es, die Straßen kurven sich durch die Landschaft und irgendwann wird es richtig spektakulär.

Dann kommt die Bicazschlucht.

Und die ist tatsächlich mega-eng.




Die Felswände ragen links und rechts 300 Meter steil nach oben, während sich Straße und Fluss irgendwo dazwischen ihren Platz suchen. Man fährt durch eine Landschaft, bei der man ständig denkt: Wow! Und gleich danach: Wo sollen denn hier eigentlich die ganzen Autos hin? Auch wenn es auf den Fotos nicht so aussieht - es gibt Auto hier, viele Autos...

 Bicazschlucht, Rumänien


Denn genau das ist das Problem: Die Bicazschlucht ist längst kein Geheimtipp mehr.

Die Landschaft ist großartig, der Tourismus ebenfalls – nur leider im Sinne von sehr viel davon. Verkaufsstände, Souvenirs, Imbisse, Autos, Busse, Menschen. Anhalten ist angesichts der engen Straße ohnehin schon eine Herausforderung, und natürlich möchten ungefähr alle gleichzeitig genau dort fotografieren, wo es am schönsten ist.


Wir lassen uns davon die Landschaft nicht verderben. Die Felsen sind einfach beeindruckend, und die Schlucht wird tatsächlich immer spektakulärer, je enger sie wird. Man muss eben ein bisschen darüber hinwegsehen, dass man die Natur hier nicht ganz für sich allein hat.

Bicazschlucht, Rumänien

Weiter geht es zum Roten See. Der Lacul Roșu entstand durch einen gewaltigen Erdrutsch, der den Fluss aufstaute. Besonders charakteristisch sind die abgestorbenen Baumstämme, die noch heute aus dem Wasser ragen.

Lacul Roșu, Rumänien

Und auch hier: wunderschöne Landschaft, aber ganz offensichtlich kein Ort, den wir heute als Erste entdeckt haben.

Rund um den See ist ordentlich Betrieb. Restaurants, Verkaufsstände, Souvenirs und jede Menge Besucher gehören inzwischen genauso zum Bild wie die Berge und der See.

Schade eigentlich, denn die Landschaft hätte durchaus das Zeug für einen stillen, abgelegenen Bergsee. Stattdessen gibt es eben Parkplatzsuche und Menschenmengen.

Aber gut: Wir sind selbst Teil des Problems. Schließlich sind wir ja auch da.

Also schauen wir uns den See an, genießen die Berge und machen uns irgendwann wieder auf den Weg.

Unser Übernachtungsort ist Bicaz. Und hier muss man jetzt einfach ehrlich sein: Schön ist die Stadt nicht.


Hier soll unsere Wohnung sein? Bicaz, Rumänien

Bicaz ist eine Bergarbeiterstadt, entsprechend wenig hat sie mit den hübschen rumänischen Orten zu tun, die wir in den vergangenen Tagen gesehen haben. Keine romantische Altstadt, keine herausgeputzten Häuserzeilen, kein „Hier müssen wir unbedingt noch ein Foto machen“.

Wohnung Bicaz, Rumänien
Bicaz ist eher die Sorte Stadt, die einfach da ist.

Und irgendwie gefällt uns genau das auch. Nicht alles in Rumänien muss für Touristen auf Hochglanz poliert werden. Hier sieht man ein Stück ganz normalen Alltag – und der ist nun einmal nicht immer besonders fotogen.





Unser Apartment dagegen ist richtig klasse. Sehr gut ausgestattet, zwei Schlafzimmer, eine Küche und ein tolles Bad. Und wir hatten sogar den gewünschten Balkon.


Balkon auf rumänisch, Bicaz, Rumänien

Wobei wir bei der Buchung offenbar unterschiedliche Vorstellungen davon hatten, was ein Balkon ist. 

Denn ein rumänischer Balkon kann durchaus ein zusätzlicher länglicher Raum mit Fenstern zum Öffnen sein. Ideal zum Rauchen. Oder für die Katze. Oder um Wäsche aufzuhängen.

Zum gemütlichen Draußensitzen allerdings eher nicht.

Zwei Stühle haben noch hineingepasst. Aber dann konnte man nicht mehr dran vorbei.

Wir nehmen es mit Humor. Schließlich haben wir bekommen, was wir bestellt haben: einen Balkon. Dass der rumänische Balkonbegriff etwas anders ausgelegt wird als der deutsche, gehört dann eben zum Reiseerlebnis.

Am Abend suchen wir uns noch ein Restaurant. Nichts Besonderes, aber genau das Richtige für uns: bodenständige rumänische Küche. 


Bicaz, Rumänien

Es gibt deftige Suppe und Schoko-Pfannkuchen. Dazu ein Bier.

Und bei den Preisen kommt dann doch wieder Freude auf: Ein halber Liter Bier kostet umgerechnet etwa zwei Euro.

Da kann man Bicaz dann auch einmal verzeihen, dass die Stadt nicht gerade um den Titel „schönster Ort der Karpaten“ kämpft.

Wir hatten heute jedenfalls genau das, was wir wollten: eine spektakuläre Landschaft, eine wirklich beeindruckende Schlucht, einen schönen See, ein überraschend gutes Apartment und am Abend ordentliches Essen und ein günstiges Bier.

Nur eins haben wir gelernt: Wenn in Rumänien „Balkon“ in der Unterkunftsbeschreibung steht, sollte man vielleicht vorher klären, ob man dort sitzen kann – oder nur die Wäsche trocknen.

Bicaz, Rumänien



Mittwoch, 9. September 2026

Fünf Klöster, bunte Fassaden und eine Landschaft zum Verlieben

Kloster Voronet, Bukowina, Rumänien


















Wir standen vor Voroneț und konnten es erst einmal kaum glauben: Eine Kirche, die außen komplett bemalt ist. Und dann dieses Blau! Ein unglaublich intensives, leuchtendes Blau, das zwischen all den anderen Farben sofort ins Auge fällt. Natürlich hatten wir Bilder von den berühmten Moldauklöstern gesehen, aber davorzustehen und diese Farben tatsächlich vor sich zu haben, ist noch einmal etwas ganz anderes. 



Vor allem weil wir so etwas aus Deutschland überhaupt nicht kennen. Bei uns geht man in eine Kirche hinein, um Fresken und Malereien zu sehen. Hier beginnt die Kunst schon draußen – auf den gesamten Fassaden. Und je näher man kommt, desto mehr entdeckt man: Menschen, Tiere, biblische Szenen, Ornamente und unzählige kleine Einzelheiten.

Voroneț war unser Einstieg in eine kleine Klosterrunde, die uns ziemlich begeistert hat. Insgesamt fünf Klöster wollten wir sehen: Voroneț, Humor, Moldovița, Sucevița und Arbore. Und obwohl sie alle nach einem ähnlichen Prinzip entstanden sind, hatte jedes seinen eigenen Charakter.

Kloster Humor, Bukowina, Rumänien

Bei Humor ging es weiter mit den bemalten Außenwänden – und mit einer zweiten Besonderheit, die uns immer wieder auffiel: Die Klöster sind teilweise erstaunlich wehrhaft. Dicke Mauern, Türme und mächtige Tore lassen manche Anlage eher wie eine kleine Burg aussehen. Dahinter dann eine Kirche, deren Wände mit leuchtenden Bildern überzogen sind. Eine ziemlich ungewöhnliche Kombination.


Kloster Moldovita, Bukowina, Rumänien

Weiter ging es nach Moldovița – und hier war für uns endgültig klar: Das ist unser persönliches Highlight von außen.

Die Farben, die vielen Details und die gesamte Anlage haben uns besonders begeistert. Wir liefen um die Kirche herum und entdeckten immer wieder etwas Neues. Man könnte wahrscheinlich ewig davorstehen und hätte noch längst nicht alles gesehen.


Und mindestens genauso schön wie die Klöster selbst war die Landschaft dazwischen. Die Straße führte durch grüne Hügel und Wälder, vorbei an kleinen Dörfern und immer wieder mit weiten Ausblicken. Besonders rund um den Pass wurde die Fahrt richtig schön.

Mittagspause am Pass, Bukowina, Rumänien


Irgendwann war dann aber nicht mehr die Landschaft, sondern unser Hunger das dringlichste Thema. Also suchten wir uns einen schönen Platz für die Mittagspause, packten unser Essen aus und saßen einfach mitten in dieser wunderbaren Landschaft. Berge, Grün und Ruhe – mehr braucht eine Mittagspause auf einem Roadtrip eigentlich nicht.




Gut gestärkt ging es weiter nach Sucevița. Schon von außen beeindruckt die Anlage mit ihren mächtigen Mauern und Türmen. Fast wie eine kleine Festung liegt das Kloster in der Landschaft.


Kloster Sucevita, Bukowina, Rumänien

Diesmal lag unser persönliches Highlight allerdings im Inneren.

Nach den spektakulären Außenfassaden war es noch einmal ein ganz anderer Eindruck, in der Kirche zu stehen. Wände und Gewölbe sind dicht mit Malereien bedeckt, überall Farben, Figuren und Details. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. 

Kloster Sucevita, Bukowina, Rumänien

Kloster Sucevita, Bukowina, Rumänien

Damit waren unsere persönlichen Favoriten eindeutig: Moldovița außen, Sucevița innen.

Zum Abschluss unserer Runde wartete noch Arbore auf uns. Die Anlage ist kleiner und wirkt dadurch etwas ruhiger. Auch hier ist die Kirche außen bemalt, und nach den großen Eindrücken der anderen Klöster war das ein schöner Abschluss.

Kloster Arbore, Bukowina, Rumänien

Die fünf Klöster – Voroneț, Humor, Moldovița, Sucevița und Arbore – gehören zu den besonderen Schätzen der Bukowina. Sie entstanden größtenteils im 15. und 16. Jahrhundert, und ihre Malereien erzählen biblische Geschichten. Viel spannender als ein kunsthistorischer Vortrag war für uns allerdings, sie einfach auf uns wirken zu lassen.

Denn genau das hat uns an dieser Klosterrunde so begeistert: diese unglaublichen Farben, die bemalten Außenwände, die wehrhaften Mauern und Türme – und dazwischen immer wieder diese wunderschöne Landschaft.

Und nach so viel Kultur freuen wir uns jetzt auf einen ganz anderen Tag: Morgen geht es weiter Richtung Bicaz-Stausee und Bicaz-Schlucht – diesmal stehen also vor allem Berge, Wasser und Landschaft auf unserem Programm.