Montag, 28. September 2026

Castelul Corvinilor– Mittelalter auf großer Bühne

Castelul Corvinilor, Hunedoara, Rumänien

Nach all den Wehrkirchen und Klöstern der vergangenen Wochen sind wir inzwischen ziemlich gut darin, mittelalterliche Mauern zu erkennen. Aber dann kommt Castelul Corvinilor, die Burg von Hunedoara. Sie sieht tatsächlich so aus, als hätte jemand eine mittelalterliche Filmkulisse gebaut: Türme, Zinnen, hohe Mauern, eine lange Holzbrücke und jede Menge dramatische Architektur.


Castelul Corvinilor, Hunedoara, Rumänien

Schon der erste Blick macht klar: Hier wollte man nicht nur sicher wohnen, sondern auch Eindruck machen.







Die Burg geht im Kern auf das 15. Jahrhundert zurück und ist eng mit dem ungarischen Heerführer Johannes Hunyadi verbunden. Später wurde immer wieder umgebaut und erweitert. Heute gehört sie zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Rumäniens.

Und das merkt man. 

Castelul Corvinilor, Hunedoara, Rumänien

Touristen gibt es zuhauf – allerdings nur wenige ausländische Besucher. Die große Mehrheit sind Rumäninnen und Rumänen – Familien, Gruppen, Kinder, Großeltern. Corvinilor scheint also vor allem ein beliebtes Ausflugsziel im eigenen Land zu sein.





Es gibt einen ausgeschilderten Rundweg durch die Burg. Theoretisch jedenfalls. Praktisch hält sich kaum jemand daran.

Es geht über Treppen, durch Höfe und Räume, wieder hinaus und irgendwo anders wieder hinein. Die Burg ist so groß, dass man dabei durchaus den Überblick verlieren kann.


Castelul Corvinilor, Hunedoara, Rumänien

Was uns besonders gefällt: Corvinilor ist nicht geschniegelt und auf Hochglanz poliert. Vieles ist restauriert oder rekonstruiert, aber eben nicht alles. Zusammen mit den Türmen und der Lage ergibt das genau diese Mischung aus echter mittelalterlicher Burg und ziemlich perfekter Fotokulisse.





Natürlich hat auch Corvinilor seine Dracula-Geschichte. Vlad III. Drăculea, der historische „Dracula“, soll hier zeitweise gefangen gehalten worden sein. Historisch belegt ist das aber nicht.

Aber was macht man mit einer spektakulären mittelalterlichen Burg und einer Figur, die weltweit als Dracula bekannt ist? Man bringt die beiden irgendwie zusammen.


Castelul Corvinilor, Hunedoara, Rumänien

Wir sind inzwischen lang genug in Rumänien, um zu wissen: Dracula ist hier so etwas wie ein touristischer Joker. Irgendwann taucht er auf. Wenn nicht als historische Tatsache, dann wenigstens als Legende, Souvenir oder Werbeidee.

Corvinilor braucht ihn eigentlich gar nicht. Die Burg ist auch ohne Vampir ziemlich beeindruckend.



Nach den eher stillen Wehrkirchen und Klöstern der letzten Wochen wirkt Corvinilor fast ein bisschen wie der große Auftritt zum Schluss: viele Menschen, viel Gewusel und eine Burg, die sich ziemlich offensichtlich ihrer Wirkung bewusst ist.

Wir stehen also mittendrin, schauen nach oben, warten auf eine Lücke für ein Foto und denken kurz an die vielen kleinen Kirchen zurück, bei denen wir teilweise die einzigen Besucher waren.


Castelul Corvinilor, Hunedoara, Rumänien

Hier sind wir definitiv nicht allein.

Aber das ist auch ganz schön. Die Rumänen selbst scheinen jedenfalls zu wissen, was sie an ihrer Burg haben. Und während wir uns langsam wieder Richtung Ausgang schieben, ist klar: Corvinilor ist kein stiller Geheimtipp. Muss es auch gar nicht sein. Manche Burgen dürfen einfach groß auftreten.


Castelul Corvinilor, Hunedoara, Rumänien

Castelul Corvinilor, Hunedoara, Rumänien


Sonntag, 27. September 2026

Die Paläste von Hunedoara – wenn ein Haus einfach nicht groß genug ist

Roma-Paläste, Hunedoara, Rumänien

Wir fahren durch Hunedoara. Eigentlich wollen wir zur Burg Corvinilor. Ich schaue aus dem Fenster – und brauche ungefähr drei Sekunden, um zu merken, dass hier irgendetwas nicht in mein bisheriges Rumänienbild passt. 

Roma-Paläste, Hunedoara, Rumänien


Da steht ein Haus. Nein. Ein Palast. Mit Türmchen. Säulen. Balkonen. Glänzendem Dach.

Ich schaue nach vorne. Da steht das nächste. Und dahinter noch eins.





Wir kennen inzwischen die rumänischen Varianten von „Haus“. Kleine Häuschen, riesige Betonhäuser, hübsche Holzhäuser und Gebäude, bei denen man sich fragt, warum man ausgerechnet diese Farbe für die Fassade gewählt hat. Aber das hier ist eine andere Liga.

Hunedoara kann offenbar auch: „Wenn schon Haus, dann aber richtig.“


Roma-Paläste, Hunedoara, Rumänien


Diese auffälligen Häuser werden häufig als „Roma-Paläste“ bezeichnet. Einige entstanden nach 1989 im Zuge neuer wirtschaftlicher Möglichkeiten dieser nationalen Minderheit und wurden auch zum sichtbaren Ausdruck von Wohlstand und Erfolg. Türme, Kuppeln, Säulen, Erker, Rundbogenfenster und glänzende Dächer – manchmal alles gleichzeitig.



Manches erinnert an ein französisches Schloss, manches an eine italienische Villa und manches an ein Hotel.

Einen einheitlichen Stil gibt es nicht. Gerade diese Mischung macht die Häuser so spannend.

Eine mittelalterliche Burg ist voller Türme und Mauern, weil es einen ganz praktischen Zweck hatte: Schutz. 


Roma-Paläste, Hunedoara, Rumänien

Die neuen Paläste erzählen eine andere Geschichte – von Wohnen, Wohlstand und persönlichem Geschmack. 

Nicht: „Bleibt draußen, hier wird verteidigt.“ Sondern eher: „Schaut her, das haben wir uns aufgebaut.“





Und plötzlich sind die Häuser noch interessanter, weil sie etwas über die Menschen erzählen, die sie gebaut haben.

Und genau deshalb mag ich solche Reisen

Eigentlich wollten wir nur zur Burg. Dann sehen wir diese Häuser und denken darüber nach, wie unterschiedlich Menschen zeigen, was ihnen wichtig ist. 


Roma-Paläste, Hunedoara, Rumänien

Genau solche Momente bleiben mir von einer Reise oft stärker im Kopf als der nächste Pflicht-Haken im Reiseführer.

Vielleicht ist das überhaupt das Spannende am Reisen: Man sieht etwas, das einem zunächst fremd vorkommt – und wenn man genauer hinschaut, steckt dahinter meistens mehr als nur ein ungewöhnliches Haus.




Man weiß nie, was hinter der nächsten Kurve kommt. Manchmal ist es eine Burg. Manchmal ein Bär. Und manchmal ein Haus mit drei Türmen.

Roma-Paläste, Hunedoara, Rumänien



Freitag, 25. September 2026

Wenn die Kirche plötzlich zur Festung wird

Wehrkirche Harman / Honigberg, Rumänien

Manchmal steht man vor einem Gebäude und denkt sich: Das ist aber eine ziemlich wehrhafte Kirche.

Und dann geht man näher ran und stellt fest: Das ist gar keine Kirche mit ein paar dicken Mauern.


Prejmer / Tartlau, Rumänien
Das ist eine Festung.

Mit Türmen. Wehrgängen. Schießscharten. Geheimnisvollen Türen. Und Treppen, die offenbar nach dem Motto gebaut wurden: Je enger und dunkler, desto besser.

Willkommen bei den Kirchenburgen von Transsilvanien. 





Auf unserer Reise sind uns einige davon begegnet. Drei sind uns dabei besonders im Gedächtnis geblieben: Honigberg, Prejmer und Biertan. Und obwohl sie alle demselben Grundgedanken folgen, ist jede wieder anders. 

Aber warum brauchte man hier überhaupt Kirchen, die eher nach Burg aussahen?

Die Siebenbürger Sachsen siedelten sich ab dem 12. Jahrhundert in Transsilvanien an. Ihre Dörfer lagen allerdings in einer Gegend, in der es über Jahrhunderte immer wieder zu Kriegen und Einfällen kam.

Eine Kirche war deshalb irgendwann nicht mehr nur der Ort für den Sonntagsgottesdienst.

Sie musste im Ernstfall die gesamte Dorfgemeinschaft schützen. 

Also wurden Kirchen befestigt, Mauern hochgezogen, Türme gebaut, Vorräte eingelagert und Zugänge gesichert. Die Kirche lag dabei gewissermaßen mitten in einer befestigten Gemeinschaftsanlage.

Und plötzlich versteht man auch, warum diese Gebäude so aussehen.

Besonders eindrucksvoll ist das in Prejmer. Die Anlage lag strategisch am Zugang nach Siebenbürgen und wurde deshalb besonders stark befestigt. Die gewaltige Ringmauer ist bis zu 14 Meter hoch. Dahinter befinden sich mehr als 270 Kammern. 


Prejmer / Tartlau, Rumänien

Das Spannende daran: Diese Räume waren nicht einfach irgendwelche Lagerräume.

Die Familien hatten ihre eigenen Unterkünfte.

Im normalen Leben lebten die Menschen natürlich in ihren Häusern im Dorf. Drohte aber ein Angriff, zog die Dorfgemeinschaft hinter die Mauern der Kirchenburg – und jede Familie wusste, wo ihr Platz war. Dazu kamen Vorräte und alles, was man brauchte, um eine Belagerung zu überstehen.

Eine Art mittelalterliches Notfallkonzept.

Nur ohne Smartphone, Sirene und Katastrophenschutz-App.

Prejmer / Tartlau – ein Dorf in der Festung

In Prejmer wird dieses Prinzip besonders anschaulich.

Hinter der gewaltigen Mauer reiht sich Kammer an Kammer. Kleine Türen, kleine Räume, mehrere Stockwerke. Irgendwie sieht das Ganze aus wie ein mittelalterliches Mehrfamilienhaus – nur dass man sich die Nachbarn vermutlich nicht freiwillig ausgesucht hat.


Prejmer / Tartlau, Rumänien

Und dann darf man auch noch überall herumstöbern.

Valea Viilor / Wurmloch, Rumänien


Man läuft durch enge Gänge, schaut in die kleinen Räume und steigt natürlich irgendwann auf die Wehrgänge.

Was zunächst nach „schöne Aussicht“ klingt, entwickelt sich allerdings relativ schnell zu:

„Warum bin ich eigentlich hier hochgeklettert?“

Die Treppen sind teilweise eng, steil und ziemlich dunkel. 

Treppen ins nichts, Valea Viilor / Wurmloch, Rumänien


Und mit dunkel meine ich nicht dieses romantische „gedämpfte Licht“, das man aus einem Wellnesshotel kennt.

Ich meine: Hand an die Wand und hoffen, dass da tatsächlich noch eine Treppe kommt.




Man steigt höher und höher und fragt sich irgendwann, ob die Menschen im Mittelalter
eigentlich besonders schwindelfrei waren – oder ob sie einfach keine andere Wahl hatten.

Oben angekommen, lohnt sich das Ganze dann allerdings.

Von den Wehrgängen aus versteht man plötzlich, wie die Anlage funktioniert hat. Mauern, Türme, Schießscharten und Zugänge ergeben ein Gesamtbild. Und man kann sich tatsächlich vorstellen, wie die Menschen hier im Ernstfall Schutz gesucht haben.

Harman / Honigberg – außen Festung, innen Kirche

Auch Honigberg folgt demselben Grundprinzip, wirkt aber wieder ganz anders.

Das ist überhaupt etwas, das uns bei den Kirchenburgen aufgefallen ist: Keine sieht wirklich aus wie die andere.


Harman / Honigberg, Rumänien

Natürlich gibt es Gemeinsamkeiten – Mauern, Türme, Wehrgänge und eine befestigte Kirche. Aber jede Gemeinde hat ihre eigene Lösung gefunden. Je nach Lage, Platz, Bedrohung und dem, was über die Jahrhunderte umgebaut oder erweitert wurde.

Und natürlich kann man auch hier wieder klettern.

Man steigt in Türme, geht über Wehrgänge und kommt durch enge Gänge, bei denen man irgendwann nicht mehr ganz sicher ist, ob man gerade einen Kirchenbesuch macht oder an einem mittelalterlichen Hindernislauf teilnimmt.

Vor allem die Treppen haben es mir angetan.


Harman / Honigberg, Rumänien


Manchmal geht es erstaunlich weit nach oben. Manchmal ist es stockdunkel. Und manchmal ist die Treppe so eng, dass man sich fragt, ob die Menschen damals wirklich genauso gebaut waren – oder ob sie einfach deutlich weniger Platz für ihre Ellbogen brauchten.


Harman / Honigberg, Rumänien
Und dann kommt man wieder in die Kirche.

Genau dieser Gegensatz gefällt mir: Außen Festung, innen Kirche.

Draußen dicke Mauern, Wehrgänge und Verteidigungsanlagen – drinnen Türen, Holzarbeiten, Altar und religiöse Kunst.

Und plötzlich merkt man, dass diese Anlage einmal gleichzeitig Schutzraum, Vorratslager, Gemeinschaftsort und Gotteshaus war.



Biertan – drei Mauerringe und eine ziemlich geniale Tür

Biertan ist dann noch einmal eine ganz andere Hausnummer.

Die Kirchenburg liegt auf einem Hügel und wird von mehreren Mauerringen, Türmen und Bastionen umgeben. Sie gehört zu den sieben Kirchenburgen Siebenbürgens, die zum UNESCO-Welterbe zählen.


Biertan, Rumänien

Auch hier kann man natürlich wieder auf Türme und Wehrgänge steigen.

Inzwischen haben wir allerdings gelernt, bei Treppen vorsichtig zu sein.

Biertan, Rumänien



Wenn irgendwo ein Schild steht, das sinngemäß „Hier geht es nach oben“ bedeutet, heißt das nämlich noch lange nicht, dass der Weg auch bequem wieder nach unten führt.





Mein persönliches Highlight in Biertan war aber gar kein Turm.

Es war eine Tür.

Genauer gesagt die Tür zur Sakristei.

Sie stammt aus dem Jahr 1515 und besitzt einen geradezu unglaublichen Schließmechanismus. Mit einer einzigen Bewegung des Schlüssels werden zahlreiche Verriegelungen gleichzeitig betätigt.

Das ist nicht einfach eine alte Tür mit einem großen Schloss.


Schloss Sakristei Biertan, Rumänien

Das ist ein mittelalterliches mechanisches Meisterstück.

Man steht davor und denkt:

Das soll jetzt wirklich 500 Jahre alt sein?

Offenbar hatten die Menschen damals nicht nur viel Zeit, sondern auch ein ausgesprochenes Bedürfnis, ihre Türen wirklich, wirklich sicher abzuschließen.

Der Mechanismus wurde übrigens sogar auf der Weltausstellung 1889 in Paris ausgezeichnet.

Biertan, Rumänien
Was mir an den Kirchenburgen besonders gefallen hat: Man schaut hier nicht einfach ein altes Gebäude an.

Man läuft mittendrin herum.

Man steigt auf Türme, geht über Wehrgänge, kriecht durch dunkle Gänge, öffnet uralte Türen und entdeckt ständig noch eine Treppe, eine Kammer oder irgendeinen Durchgang, den man natürlich auch noch ausprobieren muss.



Dass man dabei gelegentlich höher landet, als einem lieb ist, gehört offenbar zum Konzept.

Und die mittelalterlichen Baumeister hatten sowieso eine etwas andere Vorstellung von „gut gesichert“ als wir heute.

Ich finde Kirchenburgen jedenfalls ziemlich großartig.

Vor allem, wenn man am Ende wieder heil unten ankommt.

Biertan, Rumänien

Donnerstag, 24. September 2026

Sighișoara – Rumäniens Rothenburg mit Wetterüberraschung

Stundturm, Sighișoara, Rumänien

Eigentlich war heute ein Tag für gemütliches Sitzen, Kaffee und vielleicht ein bisschen aus dem Fenster schauen. Der Wetterbericht hatte uns für Sighișoara nämlich Wolken, Kälte und immer mal wieder Regen versprochen. Also nicht gerade die Bedingungen, unter denen man sich voller Begeisterung auf einen ausgedehnten Altstadtbummel stürzt.

Aber wir sind nun mal hier. Und irgendwann muss man sich entscheiden: Entweder man wartet auf besseres Wetter – oder man zieht die Jacke an und geht einfach los.

Wir entscheiden uns für Variante zwei.

Sighișoara, Rumänien

Und kaum sind wir in der Altstadt, ist auch schon klar: Gut, dass wir losgegangen sind. Sighișoara ist tatsächlich ein bisschen wie das rumänische Rothenburg ob der Tauber. Bunte Häuser, wunderbar erhaltene mittelalterliche Gebäude, Patrizierhäuser, kleine Gassen und überall Türme. Nur dass wir hier eben nicht in Franken, sondern mitten in Siebenbürgen unterwegs sind. 



Der Stundturm ist natürlich nicht zu übersehen. Er thront über der Altstadt und ist das Wahrzeichen der Stadt. Dazu kommen weitere Türme und Teile der alten Befestigung – und plötzlich fühlt man sich tatsächlich ein paar Jahrhunderte zurückversetzt. Nur die Touristen mit ihren Handys erinnern daran, dass wir doch im Jahr 2026 unterwegs sind. 


Stundturm Sighișoara, Rumänien

Sighișoara, Rumänien

Natürlich ist Sighișoara touristisch. Rund um den Uhrturm, die Schülertreppe und die wichtigsten Gassen sind wir nicht allein unterwegs. Aber das Schöne ist: Man muss nur ein paar Schritte von den Hauptrouten abweichen. Schon wird es ruhiger. Selbst in diesem kleinen Sighișoara gibt es Nebenrouten, versteckte Ecken und Gassen, in denen man fast das Gefühl bekommt, die Stadt ein bisschen für sich allein zu haben. Genau so mögen wir es.


Suppe im Brot, Sighișoara, Rumänien


Also lassen wir uns treiben, schauen hier hinein, biegen dort ab und genießen einfach diese unglaublich gut erhaltene Altstadt. Und irgendwann meldet sich – wenig überraschend – unser Magen.

Zum Mittag gibt es Suppe im Brot. Eine ziemlich geniale Erfindung: Die Schüssel kann man nämlich gleich mitessen.



Schülertreppe, Sighișoara, Rumänien

Gut gestärkt machen wir uns anschließend an die berühmte Schülertreppe. 175 Stufen geht es nach oben zur Bergkirche. Wir fragen uns kurz, wie die Schüler von damals das eigentlich täglich gemacht haben. Unser Schulweg bestand jedenfalls nicht aus 175 Stufen. Fest steht, dass sie aufgrund der überdachten Treppe und eines mitdenkenden bzw. mitfühlenden Lehrers zumindest trockenen Fußes in der Schule ankamen.



Oben angekommen wartet dann die nächste Überraschung des Tages.

Schülertreppe, Sighișoara, Rumänien
Der Himmel wird heller.

Und heller.

Und plötzlich scheint die Sonne!

Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Also nutzen wir die Gunst der Stunde und steigen noch auf den Turm des Uhrturms. Und was soll ich sagen: Von hier oben sieht Sighișoara einfach großartig aus. 


Blick vom Stundturm, Sighișoara, Rumänien

Blick vom Stundturm, Sighișoara, Rumänien


Die bunten Dächer, die Türme, die Stadtmauer und die dicht aneinander stehenden Häuser der Altstadt – und darüber jetzt tatsächlich blauer Himmel. Aus dem ursprünglich angekündigten kalten, grauen Regentag ist plötzlich perfektes Wetter für einen Blick über die Stadt geworden. 

Manchmal sollte man den Wetterbericht einfach als unverbindlichen Vorschlag betrachten.



Am Nachmittag haben wir dann genug von Türmen, Treppen und Altstadtgassen. Zurück bei Gabi's Home lassen wir uns im Hof nieder und machen das, was auf einer Reise mindestens genauso wichtig ist wie Sightseeing: einfach mal nichts.

Sitzen, entspannen, den Tag Revue passieren lassen.

Sighișoara, Gabis Home, Rumänien

Und während wir dort sitzen, sind wir uns ziemlich einig: Für einen Tag, der wettertechnisch eher mau angekündigt war, hat Sighișoara ganz schön abgeliefert.


Sighișoara, Rumänien

Sighișoara, Rumänien

Sighișoara, Rumänien

Sighișoara, Rumänien

Sighișoara, Rumänien

Sighișoara, Rumänien


Dienstag, 22. September 2026

Von Klöstern, Dracula und dem plötzlichen Wintereinbruch

Kloster Cârța, Rumänien

Nach den vergangenen Wochen mit Sonne, Wärme und T-Shirt-Wetter geht es weiter nach Brașov. Auf dem Weg dorthin haben wir einiges vor: ein Kloster, eine Festung und natürlich Dracula. Ein ganz normaler Reisetag in Rumänien also.

Dass dieser Tag außerdem eine ziemlich deutliche meteorologische Wendung nehmen würde, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Erster Halt: das Kloster Cârța / Kerz, eine ehemalige Zisterzienserabtei aus dem 13. Jahrhundert. Alte Mauern, gotische Reste, ein kleiner Friedhof und jede Menge Atmosphäre. Vor allem aber: Ruhe.

Besonders ins Auge fällt eine ziemlich große runde Öffnung in der Kirchenwand, auch bekannt als das Kerzer Loch. Hier war einmal ein Fenster – heute ist davon nur noch die Öffnung geblieben. Und irgendwie macht gerade dieses fehlende Fenster den Ort noch interessanter. Man schaut hindurch und bekommt gleichzeitig einen Eindruck davon, wie viel Geschichte hier schon vergangen ist.

Kein Gedränge, keine Reisegruppen und niemand, der uns Dracula-Magneten andrehen möchte.

Das wird sich noch ändern.

Weiter geht es zur Festung Făgăraș. Eine ziemlich gewaltige mittelalterliche Anlage mit dicken Mauern, Türmen und einem Wassergraben. Wir drehen eine Runde und sind wieder einmal erstaunt, wie viele historische Sehenswürdigkeiten in Rumänien einfach so am Wegesrand auftauchen.

Festung Făgăraș, Rumänien
Und dann kommt Bran.

Dracula? Wir bleiben draußen.

Die Burg Bran, die weltweit als „Dracula-Burg“ vermarktet wird, liegt tatsächlich ausgesprochen fotogen auf ihrem Felsen.

Das Problem ist nur: Wir sind nicht die Einzigen, die das finden.

Was sich rund um die Burg abspielt, ist ziemlich irr. Busse, Reisegruppen, Souvenirstände und Menschen aus gefühlt halb Europa schieben sich in Richtung Eingang. Ein Burgbesuch hätte vermutlich zunächst eine kleine Expedition durch die Touristenmassen erfordert.

Danke, wir verzichten.

Wir schauen uns Bran von außen an. Sieht gut aus, Foto gemacht, Dracula gesehen – oder zumindest das, was man uns als Dracula-Burg verkaufen möchte.

Mehr müssen wir heute nicht haben.

Burg Bran, Rumänien

In Brașov angekommen, geht es Richtung Altstadt. Und kaum stehen wir auf dem Piața Sfatului, ist klar: Hier können wir problemlos ein paar Stunden verbringen.

Piața Sfatului, Brasov, Rumänien

Wir laufen einfach los, ohne großen Plan. Genau das gefällt uns an Brașov. Überall gibt es etwas zu entdecken, und ständig bleibt einer von uns stehen, weil irgendwo wieder ein schönes Gebäude, ein kleiner Durchgang oder eine interessante Ecke auftaucht.




Weißer Turm, Brasov, Rumänien



Die Schwarze Kirche ist natürlich nicht zu übersehen. Von dort lassen wir uns weiter durch die Altstadt treiben, steigen zum Schwarzen und Weißen Turm hinauf und genießen den Blick über die roten Dächer bis zu den Bergen. 





Blick vom weißen Turm auf Brasov, Rumänien

Weberbastei, Brasov, Rumänien



Auch die Weberbastei schauen wir uns an. Die dicken Mauern und Türme sind ziemlich beeindruckend, vor allem wenn man sich vorstellt, dass diese Anlagen früher tatsächlich dem Schutz der Stadt dienten. Heute spazieren wir völlig entspannt daran entlang.




Achtung "Bär", Brasov, Rumänien


Wobei „entspannt“ an einer Stelle durchaus relativ ist: Direkt neben dem offiziellen Rundgang auf der Stadtmauer beginnt der Wald – und dort wird tatsächlich vor Bären gewarnt. Ein ziemlich bemerkenswerter Hinweis mitten in der Stadt. Wir schauen sicherheitshalber etwas genauer in Richtung Wald und entscheiden, dass wir mit dem Schwarzen und Weißen Turm heute schon genug Höhenmeter gesammelt haben.



Fußgängerzone Brasov, Rumänien
Was uns an Brașov besonders gefällt: Die Stadt fühlt sich trotz ihrer vielen Sehenswürdigkeiten nicht wie ein einziges großes Freilichtmuseum an. Es ist Leben auf den Straßen, Menschen sitzen in Cafés, irgendwo läuft Musik – und zwischen all den historischen Gebäuden findet ganz normaler Alltag statt.

Wir lassen uns treiben, schauen hier und da hinein und stellen irgendwann fest: So kann man einen Tag auch verbringen.



Nur zurück zu unserer Unterkunft müssen wir dann noch.

Und da wären wir wieder beim Thema Berg.

Unterkunft am Berg, Brasov, Rumänien
Unser Apartment liegt nämlich ziemlich weit oben. Und mit „ziemlich weit oben“ meine ich: Die Straßen sind teilweise so steil, dass man sich beim Hochlaufen fragt, ob man nicht versehentlich eine Bergwanderung gebucht hat.

Dafür ist es ruhig.

Außerdem verfügt das Apartment über zwei Dinge, die sich heute als ausgesprochen wertvoll herausstellen: Heizung und Waschmaschine.


Die Waschmaschine läuft irgendwann, wir machen es uns gemütlich und die Heizung darf zeigen, was sie kann. Nach mehreren Wochen unterwegs fühlt sich so ein warmes Apartment plötzlich ziemlich luxuriös an.

Draußen sind es gerade einmal 12 Grad, drinnen ist es warm, die Wäsche dreht ihre Runden – und wir lassen den Tag langsam ausklingen.

Kloster, Festung, Dracula, Brașov und ein Berg zum Abschluss.

Mehr kann man in einen Tag eigentlich kaum reinpacken. Jetzt reicht's aber auch – Füße hoch und morgen sehen wir weiter.


Katarinentor, Brasov, Rumänien

Stadtmauer mit Wehrtürmen, Brasov, Rumänien

Piața Sfatului, Brasov, Rumänien