Sonntag, 6. September 2026

Drei Tage in Breb – wo Tradition noch ganz selbstverständlich ist

Pensiunea Teodora, Breb, Rumänien

Breb ist so ein Ort, bei dem man schon bei der Ankunft das Gefühl hat, ein Stück weit in eine andere Zeit einzutauchen. Alte Holzhäuser, kunstvoll geschnitzte Tore, Heuwagen, Pferde, Kühe auf der Straße – und dazwischen ganz normales rumänisches Dorfleben. Kein Freilichtmuseum, sondern ein Dorf, in dem Tradition einfach noch zum Alltag gehört.


Freilichtmuseum Maramures, Rumänien


Bevor wir nach Breb kamen, hatten wir bereits das Freilichtmuseum von Maramureș besucht. Dort konnten wir sehen, wie die Menschen in der Region früher gelebt und gearbeitet haben: alte Holzhäuser, Ställe, Werkstätten, landwirtschaftliche Geräte und die typischen, kunstvoll geschnitzten Tore.



Freilichtmuseum Maramures, Rumänien




In Breb stellten wir dann fest: Vieles davon hatten wir gerade im Museum gesehen – nur hier war es nicht ausgestellt, sondern wurde tatsächlich noch benutzt. Die alten Holzhäuser stehen mitten im Dorf, die geschnitzten Tore sind keine Museumsstücke und Pferde, Kühe und landwirtschaftliche Arbeiten gehören ganz selbstverständlich zum Alltag. Genau das macht Breb so besonders. Man muss hier nicht ins Museum gehen, um traditionelle Kultur zu sehen – man läuft einfach durch den Ort und ist mittendrin.

Eingangstor, Maramures, Rumänien


Für drei Nächte waren wir in der Pensiunea Teodora untergebracht – und hätten für unseren Aufenthalt kaum einen passenderen Ort finden können.

Eine Pension voller kleiner Geschichten

Pensiunea Teodora, Breb, Rumänien


Schon die Pension selbst war ein Erlebnis. Überall fanden sich kleine Details, die die traditionelle Kultur der Region widerspiegeln: viel Holz, Schnitzereien, traditionelle Stoffe, alte Gegenstände und liebevoll arrangierte Dinge, bei denen man immer wieder etwas Neues entdeckte.



Pensiunea Teodora, Breb, Rumänien




Auch unser Zimmer passte wunderbar dazu. Es war nicht einfach ein beliebiges Gästezimmer, das mit ein paar folkloristischen Accessoires auf „traditionell“ getrimmt worden war. Vielmehr hatte man das Gefühl, tatsächlich in einem Haus zu wohnen, in dem diese Dinge zum Leben dazugehören.




Man konnte sich fast nicht entscheiden, ob man zuerst auspacken oder erst einmal alles anschauen sollte.


Pensiunea Teodora, Breb, Rumänien

Und dann kam das Essen.

Fleisch. Sehr viel Fleisch.

Suppe für zwei



Wer in Maramureș auf leichte Küche hofft, sollte vielleicht besser noch einmal darüber nachdenken. Hier wird ordentlich aufgetischt – und vor allem Fleisch.





Die Portionen waren wirklich riesig. Schon nach dem ersten Abend war uns klar, dass unsere bisherigen Vorstellungen von einer „normalen Portion“ hier nicht weiterhalfen. Ab dem zweiten Tag bestellten wir deshalb nur noch eine Portion für uns beide.

Mămăligă, eine Art Polenta mit Käse und Wurst für zwei

Mămăligă mit Käse und Wurst, nachdem wir fertig waren...

Das schien vernünftig. Allerdings mussten wir feststellen, dass selbst diese eine Portion für zwei Personen noch ziemlich sportlich war. Auch zu zweit schafften wir es nicht, alles aufzuessen.

Offenbar gilt hier die Devise: Ein Gast, der satt wird, ist gut. Ein Gast, der die Portion komplett schafft, war vermutlich besonders hungrig.

Und dann war da noch der Schnaps. Nicht etwa ein kleines Gläschen, das man freundlich zum Anstoßen bekommt. An jedem Tisch standen gleich zwei Flaschen Schnaps.

Zwei. Pro Tisch.

Damit war zumindest sichergestellt, dass niemand nach dem Essen behaupten konnte, er habe nichts zu trinken bekommen. Wir haben allerdings darauf verzichtet, herauszufinden, ob die beiden Flaschen tatsächlich auch leer werden müssen.


Frühstück mit Schweinebauch?

Auch beim Frühstück zeigte sich, dass die rumänische Vorstellung von einem guten Start in den Tag etwas anders aussehen kann als unsere.

Schweinebauch zum Frühstück? Oder kaltes Schnitzel? Hackfleischbällchen mit Knoblauch?

Für uns doch eher ungewohnt. Unsere Frühstücksvorstellungen bewegen sich normalerweise eher in Richtung Brot, Wurst, Käse, Marmelade und vielleicht ein Ei. Hier dagegen konnte der Tag durchaus mit einer ordentlichen Portion Fleisch beginnen.

Aber wir wollen nicht ungerecht sein: Es gab vieles, das wirklich großartig war – vor allem die Tomaten aus dem eigenen Garten. Saftig, aromatisch und mit diesem Geschmack, den Tomaten nur haben, wenn sie tatsächlich Sonne bekommen haben.

Überhaupt schmeckte vieles so, als käme es direkt aus dem eigenen Garten oder zumindest aus der unmittelbaren Umgebung. Das Essen war nicht fein und filigran, sondern bodenständig, reichlich und sehr authentisch.

Und definitiv nichts für Kalorienzähler.


Frühstück in der Pensiunea Teodora, Breb, Rumänien


Und dann war plötzlich eine Verlobungsfeier

Unser schönstes und zugleich überraschendstes Erlebnis erwartete uns am Samstagabend.

In der Pension fand eine Verlobungsfeier statt. Die rund 35 Gäste waren selbst andere Gäste der Pension und kamen aus einem Ort etwa 40 Kilometer entfernt.

Wir waren also nicht eingeladen – zumindest nicht offiziell. Wir waren einfach da.

Und plötzlich mittendrin.



Es wurde gegessen, natürlich. Sehr viel gegessen, ebenfalls natürlich. Es gab eine große Torte, Getränke und vor allem: getanzt. Sehr viel getanzt.

Die Stimmung war von Anfang an fröhlich und ausgelassen. Mehrere Generationen feierten gemeinsam, und irgendwann fühlte es sich gar nicht mehr so an, als würden wir einer Feier von völlig fremden Menschen zuschauen.

Das Schöne daran: Es war keine Folkloreveranstaltung für Touristen und kein extra organisiertes Programm. Es war eine echte Feier, zu der Menschen aus einem Ort in der Umgebung zusammengekommen waren. Wir hatten einfach das Glück, genau an diesem Abend in der Pensiunea Teodora zu sein.

Für uns war das ein ganz besonderer Einblick in das Leben in Maramureș. Solche Erlebnisse kann man nicht planen – und gerade deshalb bleiben sie wahrscheinlich am längsten in Erinnerung.



Acht Holzkirchen – irgendwann verschwimmen die Namen

Natürlich haben wir die berühmten Holzkirchen von Maramureș erkundet. Gleich acht dieser Kirchen gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Und ja: Sie sind wirklich alle sehenswert.

Die hohen, schlanken Türme, die Schindeldächer, die kunstvollen Holzarbeiten und die oft wunderschönen kleinen Friedhöfe machen jede einzelne besonders. Dazu kommt die Lage in den Dörfern, durch die man teilweise schon allein wegen der Landschaft gerne fährt.


Holzkirche Maramures, Rumänien

Nur müssen wir auch ehrlich sein: Nach acht Holzkirchen wird es irgendwann schwierig, sie auseinanderzuhalten. Welche war jetzt noch einmal die mit dem besonders hohen Turm? Und welche hatte die schönen Wandmalereien? War das nun Bârsana oder Budești?

Irgendwann beginnen die Namen ein wenig durcheinanderzugeraten und die Türme im Gedächtnis miteinander zu verschmelzen. Aber das ist eigentlich auch egal. Sehenswert sind sie alle – und wenn man schon einmal in Maramureș ist, sollte man sich diese außergewöhnliche Ansammlung traditioneller Holzarchitektur nicht entgehen lassen.


Holzkirche Maramures, Rumänien



Holzkirche Maramures, Rumänien

Kloster Barsana, Maramures, Rumänien


Săpânța – der fröhlichste aller Friedhöfe

Ein ganz anderer Höhepunkt war der Fröhliche Friedhof von Săpânța.

Schon der Name macht neugierig. Noch ungewöhnlicher wird es, wenn man tatsächlich dort steht.



Bunte Holzkreuze erzählen vom Leben der Verstorbenen – mit Bildern, Geschichten und teilweise erstaunlich direktem Humor - so sagt man es, verstanden haben wir natürlich nur die Bilder, nicht die Texte. Der Tod wird hier nicht ausschließlich als etwas Trauriges dargestellt, sondern als Teil des Lebens. Beruf, Familie, besondere Ereignisse und manchmal auch weniger schmeichelhafte Eigenschaften finden ihren Platz auf den Kreuzen.

Ein Friedhof, auf dem man tatsächlich schmunzelt – das muss man erst einmal schaffen.


Fröhlicher Friedhof Sapanta, Rumänien

Drei Tage, die ziemlich viel Maramureș enthielten

Drei Tage waren wir in und um Breb unterwegs – und sie waren unglaublich abwechslungsreich.

Wir hatten im Freilichtmuseum gesehen, wie das traditionelle Leben der Region früher aussah, und fanden vieles davon anschließend in Breb mitten im heutigen Alltag wieder. Wir besuchten die acht UNESCO-Holzkirchen und den Fröhlichen Friedhof von Săpânța.

Holzkirche Maramures, Rumänien

Holzkirche Maramures, Rumänien


Aber eigentlich waren es die kleinen Dinge, die diese Tage so besonders machten: die geschnitzten Holztore am Straßenrand, Pferde und Kühe auf den Dorfstraßen, die liebevollen Details in der Pensiunea Teodora und das Gefühl, dass hier vieles noch ganz selbstverständlich funktioniert wie früher.

Und natürlich das Essen.

Frühstück Pensiunea Teodora, Breb, Rumänien

Eine Portion für zwei – und trotzdem zu viel. Zwei Flaschen Schnaps pro Tisch. Schweinebauch zum Frühstück. Dazu Tomaten aus dem eigenen Garten, die besser kaum sein konnten.

Und als krönenden Abschluss eine völlig ungeplante Verlobungsfeier mit rund 35 Menschen, Torte und einer Tanzfreude, bei der wir irgendwann nur noch staunten, woher die Leute eigentlich noch die Energie nehmen.

Maramureș war für uns deshalb nicht nur eine Region mit schönen Kirchen und traditionellen Holzhäusern.

Es war ein bisschen wie eine Reise in eine Welt, in der man sich beim Essen offenbar grundsätzlich fragt, ob der Gast vielleicht heimlich aus einer Großfamilie besteht – und in der zwei Flaschen Schnaps pro Tisch als völlig normale Grundausstattung gelten.

Wir fanden es großartig.

Drei tolle Tage in und um Breb – sehr traditionell, sehr herzlich und definitiv nicht kalorienarm. Genau deshalb wird uns Maramureș in Erinnerung bleiben.

Pensuinea Teodora, Breb, Rumänien



Freitag, 4. September 2026

Budapest – drei Tage zwischen Donau, Bastei und beleuchteter Stadt

Parlament, Budapest, Ungarn

Nach unserem eher rustikalen Einstieg in Varbalog ging es weiter nach Budapest. Und gleich hier hatten wir einen echten Glücksgriff: unser „Cosy Studio at the Castle“.

Cosy studio at the castle, Budapest, Ungarn


Klein, aber fein – mit Balkon und vor allem mit einer Lage, die für unseren Budapest-Aufenthalt kaum besser hätte sein können. Keine zehn Minuten von der Fischerbastei entfernt. Das bedeutete: Wir mussten uns nicht überlegen, wann wir zur Bastei gehen. Wir konnten einfach jederzeit hin.

Und das haben wir auch getan.



Tag 1 – Erst einmal ankommen

Wir kamen am Nachmittag an und machten genau das, was man nach einer längeren Autofahrt eigentlich machen sollte: laufen.

Bastei, Budapest, Ungarn


Unser erster Stadtbummel führte uns entlang der Donau und natürlich hinauf zur Fischerbastei. Schon beim ersten Blick über die Donau war klar: Budapest wird uns gefallen.




Blick von der Fischerbastei auf das Parlament, Budapest, Ungarn

Das Parlament auf der anderen Seite, die Donau, die Brücken und die Stadt dahinter – man kann hier ziemlich schnell vergessen, dass man eigentlich gerade erst angekommen ist und noch gar nicht richtig weiß, wo was liegt.

Also blieben wir erst einmal dort, schauten und liefen weiter.

Tag 2 – Budapest zu Fuß

Am nächsten Tag ging es richtig los. Unser Fortbewegungsmittel Nummer eins war eindeutig: die eigenen Füße.

Siegessäule, Budapest

Wir liefen zur Siegessäule, schauten uns den Dom an und streiften durch das jüdische Viertel. Budapest lässt sich wunderbar erlaufen, und genau das macht für uns den Reiz einer Stadt aus. Man sieht eben nicht nur die Sehenswürdigkeiten, sondern kommt automatisch durch Straßen und Viertel, in die man mit einem klassischen Besichtigungsprogramm vielleicht gar nicht geraten wäre.


Dom, Budapest
Am Abend ging es wieder zur Fischerbastei.

Diesmal zum Sonnenuntergang.

Wenn man eine Unterkunft so günstig zur Bastei hat, wäre es ja geradezu fahrlässig, das nicht auszunutzen.

Und der Blick auf Budapest, während langsam die Sonne verschwindet, ist tatsächlich jedes Mal wieder beeindruckend.




Tag 3 – Sonnenaufgang, Hochzeitspaare und Kunst

Am dritten Morgen standen wir früh auf. Sehr früh.

Denn wenn die Fischerbastei zehn Minuten entfernt ist, kann man natürlich auch einmal zum Sonnenaufgang hingehen.

Fischerbastei, Budapest, Ungarn


Wir waren allerdings nicht die Einzigen mit dieser Idee. Schon am frühen Morgen wimmelte es rund um die Bastei von Hochzeitspaaren und Fotografen. Brautkleider, Anzüge, Kameras und jede Menge sehr konzentrierte Fotografen, die offenbar genau den richtigen Platz und das perfekte Licht erwischen wollten.



Wir hatten dagegen einen ganz anderen Vorteil: Wir mussten nichts inszenieren. Wir konnten einfach herumspazieren und zuschauen.






Und tatsächlich ist die Bastei am frühen Morgen eine ganz andere als später am Tag. Noch vergleichsweise ruhig, das Licht wird langsam heller und Budapest liegt einem zu Füßen.

Danach ging es durch das Burgviertel, bevor wir uns mit der Straßenbahn auf den Weg zum Museum Ludwig machten.


Von dort liefen wir weiter zu den Markthallen. Und natürlich blieb es nicht bei den Markthallen. Durch das jüdische Viertel ging es anschließend wieder zu Fuß zurück zu unserer Unterkunft.

Man könnte sagen, wir hatten an diesem Tag das Prinzip „Öffentliche Verkehrsmittel“ ziemlich konsequent umgesetzt: einmal Straßenbahn – und den Rest laufen.

Aber damit war der Tag noch lange nicht vorbei.

Budapest bei Nacht – aber bitte ohne Selfie-Stick vor der Nase

Am Abend wollten wir Budapest noch einmal ganz anders sehen: beleuchtet.

Natürlich kann man dafür eine Donaufahrt buchen. Aber wir hatten darauf ungefähr so viel Lust wie auf einen Abend im überfüllten Reisebus. Wir wollten nicht stundenlang mit ein paar hundert anderen Menschen auf einem Boot sitzen und uns gegenseitig mit Selfie-Sticks die Sicht auf das Parlament versperren. 



Also machten wir es wieder auf unsere Art: zu Fuß.

Wir gingen zur Donau, schauten zum beleuchteten Parlament, liefen ein Stück weiter, wechselten die Perspektive und blieben einfach dort stehen, wo es uns gefiel. Kein festgelegter Ablauf, keine Sitzplatzsuche und vor allem niemand, der uns den Selfie-Stick direkt vor die Nase hielt.

Später ging es noch einmal hinauf zur Fischerbastei, die inzwischen ebenfalls wunderschön beleuchtet war.


Und genau das war für uns viel schöner als eine festgelegte Schiffsrunde. Wir konnten kommen und gehen, wann wir wollten, uns Zeit lassen und Budapest einfach auf uns wirken lassen.

Überhaupt war Budapest für uns eine dieser Städte, bei denen man ständig denkt: Ach, da schauen wir auch noch kurz hin.


Aus dem kurzen Blick wird ein Spaziergang, aus dem Spaziergang eine Sehenswürdigkeit und aus der Sehenswürdigkeit irgendwann der nächste Stadtteil.

Drei Tage waren dafür eigentlich genau richtig – und gleichzeitig viel zu kurz.

Wir haben viel gesehen, sind unzählige Kilometer gelaufen, haben Budapest bei Sonne, Sonnenaufgang, Sonnenuntergang und in voller Beleuchtung erlebt und hatten dabei nie das Gefühl, ein festes Besichtigungsprogramm abarbeiten zu müssen.

Und vielleicht war genau das das Schönste daran.

Budapest hat richtig Spaß gemacht.

Foto-Shooting an der Bastei, Budapest, Ungarn

30. Geburtstag mal anders feiern - morgens auf der Bastei, Budapest, Ungarn

Kettenbrücke, Budapest, Ungarn

Synagoge, Budapest, Ungarn

Bastei, Budapest, Ungarn

Burgviertel, Budapest, Ungarn

Markthalle, Budapest, Ungarn

Parlament, Budapest, Ungarn



Montag, 31. August 2026

Sechs Wochen, ein Schlüssel und ein paar Ziegen

Sechs Wochen Roadtrip liegen vor uns. Deutschland – Ungarn – Rumänien – Serbien – Kroatien – Slowenien – Österreich – Deutschland. Der Plan ist ambitioniert: möglichst wenig Autobahn, dafür möglichst viel sehen. Die Schwerpunkte liegen in Rumänien und Serbien, und zwischendurch wollen wir uns immer wieder auf kleine Straßen und noch kleinere Orte einlassen.

Der erste davon heißt Varbalog.

Varbalog liegt direkt an der österreichisch-ungarischen Grenze und ist, sagen wir mal, überschaubar. Unser Quartier war das örtliche Gasthaus – mit genau einem einzigen Gästezimmer. Damit war die Frage nach dem richtigen Zimmer schon einmal erfreulich unkompliziert geklärt.

Das Zimmer war rustikal. Sehr rustikal. Aber für die erste Nacht völlig ausreichend – schließlich waren wir gerade erst losgefahren und hatten noch keinen Grund, uns über Komfort zu beschweren. Das kommt erfahrungsgemäß früh genug.

Zum Abendessen gab es Schnitzel mit Kartoffelsalat. Also genau das, was man nach einem langen Reisetag braucht und was außerdem ziemlich eindeutig signalisiert: Wir sind in Ungarn angekommen.

Allerdings sollte man in Varbalog nicht allzu spät mit dem Essen anfangen. Um 19.30 Uhr wurde das Gasthaus zugesperrt.

Kein Problem. Wir hatten einen Schlüssel.

Damit waren wir vermutlich die einzigen Gäste im Ort, die nach 19.30 Uhr noch Zutritt zu einem verschlossenen Gasthaus hatten. Was wir damit anfangen sollten, war allerdings eine andere Frage.



Also spazierten wir noch ein bisschen herum. Beim Nachbarn gab es Ziegen und Schafe, die deutlich unterhaltsamer waren, als es ihre Größe vermuten ließ. Ansonsten begegneten uns vor allem Pferde. Viel mehr braucht es für einen ersten Abend nach einem langen Fahrtag eigentlich auch nicht.

So begann also unser sechswöchiger Roadtrip: ein kleines Dorf, ein rustikales Zimmer, Schnitzel mit Kartoffelsalat, ein Schlüssel für ein abgeschlossenes Gasthaus und ein paar neugierige Ziegen.

Nicht gerade der spektakulärste Auftakt.

Aber irgendwie ein ziemlich guter.

Denn genau solche Orte sind es, die wir auf dieser Reise suchen. Orte, an denen man nicht wegen einer berühmten Sehenswürdigkeit landet, sondern einfach, weil sie auf dem Weg liegen – und bei denen man hinterher denkt: Gut, dass wir hier angehalten haben.

Und das war erst der Anfang. Vor uns liegen noch Ungarn, Rumänien, Serbien, Kroatien, Slowenien.

Wir sind gespannt, was uns erwartet.

Und hoffen vorsichtshalber, dass nicht überall um 19.30 Uhr zugesperrt wird.


Dienstag, 7. Oktober 2025

Roadtrip durch den Triglav Nationalpark – Schnee, Soca & slowenische Riesen

Triglav Nationalpark, Slowenien

Eigentlich wollten wir über den Vršič-Pass zurück Richtung Regensburg – den höchsten Straßenpass Sloweniens, berühmt für seine endlosen Serpentinen und atemberaubenden Ausblicke. Doch: gesperrt wegen Schnee. Tja, so kann’s gehen in den Julischen Alpen. Also hieß es Plan B: einfach los, schauen, was kommt. Und das war genau richtig. 


Socatal, Slowenien

Unsere Fahrt führte uns ins Socatal, wo die Soca in einem fast unwirklich türkisen Blau durch das Tal rauscht. Über uns ragten die riesigen Felswände des Triglav-Massivs in den Himmel – schneebedeckt, mächtig, still. Man fühlt sich dort ganz klein, aber irgendwie auch frei.




Jeder Halt war ein kleines Abenteuer: Brücken über schmale Schluchten, kurze Spaziergänge ans Ufer, das Rauschen des Wassers, das Echo der Berge. Und natürlich jede Menge Fotostopps, weil man dieses Panorama einfach nicht in einem Bild festhalten kann.

Socatal, Slowenien

Der Triglav Nationalpark ist wie ein riesiger Abenteuerspielplatz für alle, die gerne Outdoor unterwegs sind. Jede Kurve öffnet ein neues Panorama: schroffe Gipfel, tiefe Täler, glitzernder Schnee auf den Bergkämmen. Selbst vom Auto aus fühlt es sich an, als würde man durch eine Natur-Doku fahren – nur dass man mittendrin ist.




Weil der Vršič-Pass zu war, führte uns die Straße kurzerhand durch Italien. Musik an, Sonne im Gesicht, ein paar Serpentinen und schon geht’s wieder zurück nach Slowenien, und zwar nach Kranjska Gora, dem letzten Stopp unserer Reise.

Auch ohne Pass war’s ein unvergesslicher Roadtrip. Zwischen gigantischen Bergen, türkisfarbenen Flüssen und einer ordentlichen Portion Spontaneität hat uns der Triglav Nationalpark gezeigt: Manchmal sind es die geschlossenen Wege, die zu den schönsten Umwegen führen.


Triglav Nationalpark, Slowenien

Von Kranjska Gora wars dann nur noch ein gefühlter Katzensprung bis nach Hause.







Fünf Wochen, unzählige Kilometer, 20 Grenzüberquerungen, drei Währungen, viele Cevapis und noch mehr „Wow“-Momente – unser Balkan-Roadtrip ist vorbei! Von einsamen Bergstraßen über türkisblaue Seen und spannende Städte samt chaotischem Stadtverkehr – wir haben alles mitgenommen, was diese Ecke Europas zu bieten hat.

Wir haben uns in bunten Märkten verloren, in Bergen gefroren, uns in Altstädten verlaufen, sind in die Geschichte der Länder eingetaucht und haben uns durch jede Menge Cevapis, Burek und einheimische Weine probiert. Jeder Tag war anders, jeder Stopp ein kleines Abenteuer.

Jetzt heißt es erstmal durchatmen, Fotos sortieren und realisieren, was wir da eigentlich alles erlebt haben. Der Balkan hat uns definitiv gepackt – wild, herzlich, ein bisschen rau, aber unglaublich echt. 

Bis zum nächsten Roadtrip – der Toyota steht schon ungeduldig in der Einfahrt!


Socatal, Slowenien

Kranjska Gora, Slowenien

Triglav Nationalpark, Slowenien

Triglav Nationalpark, Slowenien

Socatal, Slowenien

Triglav Nationalpark, Slowenien

Triglav Nationalpark, Slowenien

Triglav Nationalpark, Slowenien