Sonntag, 13. September 2026

Murighiol – hinein in die Wasserwelt des Donaudeltas

Donaudelta, Rumänien

Nach Galati war es Zeit für einen kompletten Tapetenwechsel. Statt riesiger Straßen und sozialistischer Betonarchitektur erwartete uns in Murighiol das genaue Gegenteil: Wasser, Schilf, kleine Kanäle und jede Menge Natur.

Unsere Unterkunft Căsuțele Allora war dafür gleich der passende Einstieg. Drei kleine Häuschen stehen in einem wunderschönen Garten, dazu unsere ausgesprochen liebenswerte Gastgeberin Vali, bei der wir uns sofort wohlfühlten. Und auch kulinarisch wurden wir bestens versorgt – schließlich sind wir im Donaudelta. Was also auf den Tisch kam? Natürlich Fisch. Und zwar richtig guten.

Donaudelta, Rumänien



Eigentlich hatten wir für Sonntag eine längere Tour durch das Donaudelta geplant. Dann kam allerdings der Wetterbericht dazwischen: 100 Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Da muss man nicht lange diskutieren.




Donaudelta, Rumänien


Also hieß es: Plan ändern – und zwar schnell.

Vali organisierte uns kurzerhand noch für den Nachmittag unserer Ankunft eine Bootstour. Zusammen mit einer rumänischen Reisegruppe ging es hinaus ins Delta. Und das war genau die richtige Entscheidung.




Donaudelta, Rumänien



Schon nach kurzer Zeit waren wir mitten in dieser faszinierenden Wasserwelt unterwegs. Schmale Kanäle, spiegelndes Wasser, dichtes Schilf und überall Vögel. 

Sehr viele Vögel.



Donaudelta, Rumänien


Die meisten waren natürlich deutlich schneller weg, als wir unsere Kameras in Position bringen konnten. Aber wir sahen Reiher, Kormorane und jede Menge anderes Federvieh – und sogar Pelikane. Zwar nur aus der Ferne, aber immerhin. Für die ganz große Pelikan-Nahaufnahme hätten wir vermutlich eine andere Tour buchen oder einfach deutlich bessere Augen haben müssen. 


Donaudelta, Rumänien



Ansonsten: einfach wunderschön. Je weiter wir mit dem Boot in die Wasserlandschaft hineinfuhren, desto mehr hatte man das Gefühl, in eine völlig andere Welt einzutauchen. Genau dafür waren wir schließlich hier. 




Und dann kam der Sonntag.

Der Wetterbericht hatte ausnahmsweise nicht übertrieben. Es regnete. Und regnete. Und regnete. Dazu war es plötzlich rund zehn Grad kälter als am Vortag.

Da sitzt man dann am Wasser und denkt sich: Eigentlich könnten wir jetzt unsere große Tour machen.

Könnten.

Wenn man gerne im Dauerregen auf einem Boot sitzt und anschließend versucht, durch eine nasse Scheibe irgendwelche Vögel zu erkennen.

Wir waren jedenfalls ziemlich froh über unsere spontane Planänderung. Dank Vali hatten wir schon am Ankunftstag eine wunderschöne Fahrt durchs Delta erlebt – und konnten den verregneten Sonntag entspannt aussitzen.

Manchmal ist ein Wetterumschwung eben auch ein ziemlich guter Reiseplaner.



Pelikane aus der Weite, Donaudelta, Rumänien

Donaudelta, Rumänien



Samstag, 12. September 2026

Galati – Luxus, Lila und ein kleines Waschparadies

Noblesse Suite, Galati, Rumänien

Galati ist jetzt nicht unbedingt die Stadt, bei der man aus dem Auto springt und begeistert ruft:

Hier soll die Noblesse Suite sein? Ja...


„Wow, hier bleiben wir länger!“ Sie ist teilweise erstaunlich modern, an anderer Stelle wiederum ziemlich deutlich sozialistisch geprägt. Dazu kommen riesige Straßen, breite Plätze und viel Beton. Hübsch geht anders.




Aber Galati lag für uns genau richtig auf der Strecke und war deshalb vor allem eines: ein praktischer Boxenstopp.

Bei der Unterkunft haben wir inzwischen offenbar etwas gelernt. Diesmal hatten wir gleich eine Terrasse mit Blick auf die Donau gebucht. Die war dann zwar von der Größe her eher ein etwas größer geratener Balkon – aber immerhin eine Terrasse. Man lernt ja.


Terrasse, Noblesse Suite, Galati, Rumänien

Noblesse Suite, Galati, Rumänien



Wir waren in der Noblesse Suite untergebracht – und nobel war sie durchaus. Im Bad wartete sogar ein Whirlpool auf uns. Dazu schicke Möbel und eine ziemlich konsequente Vorliebe für Lila. Sehr lila. Das muss man mögen. 




Noblesse Suite, Galati, Rumänien



Unser persönliches Highlight war allerdings weder der Whirlpool noch die schicke Einrichtung.

Es war die Waschmaschine. 





Und als wäre das nicht schon großartig genug, gab es gleich zwei Wäscheständer. Nach etlichen Tagen auf Reisen ungefähr der Moment, in dem man plötzlich versteht, was Luxus wirklich bedeutet.

Also wurde die Terrasse kurzerhand zur Wäschestation. Während andere Gäste vielleicht im Whirlpool entspannten, ließen wir T-Shirts, Hosen und Unterwäsche fröhlich im Wind trocknen.

Man muss schließlich auch unterwegs Prioritäten setzen.

Galati selbst war für uns kein großes touristisches Highlight. Aber als Zwischenstopp hat die Stadt ihren Zweck perfekt erfüllt: gut gelegen, eine komfortable Unterkunft – und am Ende sogar wieder einen Rucksack voller sauberer Wäsche.

Was will man mehr?

Noblesse Suite, Galati, Rumänien



Donnerstag, 10. September 2026

Wenn es eng wird: die Bicazschlucht und der Rote See

Bicazschlucht, Rumänien

Nach den vielen Klöstern der vergangenen Tage war heute endlich wieder Natur angesagt. Und was für welche! Wir fahren zur Bicazschlucht und zum Roten See – zwei der bekanntesten Landschaftsziele in den rumänischen Karpaten.

Bicazschlucht, Rumänien

Die Fahrt dorthin macht schon Spaß. Je weiter wir kommen, desto bergiger wird es, die Straßen kurven sich durch die Landschaft und irgendwann wird es richtig spektakulär.

Dann kommt die Bicazschlucht.

Und die ist tatsächlich mega-eng.




Die Felswände ragen links und rechts 300 Meter steil nach oben, während sich Straße und Fluss irgendwo dazwischen ihren Platz suchen. Man fährt durch eine Landschaft, bei der man ständig denkt: Wow! Und gleich danach: Wo sollen denn hier eigentlich die ganzen Autos hin? Auch wenn es auf den Fotos nicht so aussieht - es gibt Auto hier, viele Autos...

 Bicazschlucht, Rumänien


Denn genau das ist das Problem: Die Bicazschlucht ist längst kein Geheimtipp mehr.

Die Landschaft ist großartig, der Tourismus ebenfalls – nur leider im Sinne von sehr viel davon. Verkaufsstände, Souvenirs, Imbisse, Autos, Busse, Menschen. Anhalten ist angesichts der engen Straße ohnehin schon eine Herausforderung, und natürlich möchten ungefähr alle gleichzeitig genau dort fotografieren, wo es am schönsten ist.


Wir lassen uns davon die Landschaft nicht verderben. Die Felsen sind einfach beeindruckend, und die Schlucht wird tatsächlich immer spektakulärer, je enger sie wird. Man muss eben ein bisschen darüber hinwegsehen, dass man die Natur hier nicht ganz für sich allein hat.

Bicazschlucht, Rumänien

Weiter geht es zum Roten See. Der Lacul Roșu entstand durch einen gewaltigen Erdrutsch, der den Fluss aufstaute. Besonders charakteristisch sind die abgestorbenen Baumstämme, die noch heute aus dem Wasser ragen.

Lacul Roșu, Rumänien

Und auch hier: wunderschöne Landschaft, aber ganz offensichtlich kein Ort, den wir heute als Erste entdeckt haben.

Rund um den See ist ordentlich Betrieb. Restaurants, Verkaufsstände, Souvenirs und jede Menge Besucher gehören inzwischen genauso zum Bild wie die Berge und der See.

Schade eigentlich, denn die Landschaft hätte durchaus das Zeug für einen stillen, abgelegenen Bergsee. Stattdessen gibt es eben Parkplatzsuche und Menschenmengen.

Aber gut: Wir sind selbst Teil des Problems. Schließlich sind wir ja auch da.

Also schauen wir uns den See an, genießen die Berge und machen uns irgendwann wieder auf den Weg.

Unser Übernachtungsort ist Bicaz. Und hier muss man jetzt einfach ehrlich sein: Schön ist die Stadt nicht.


Hier soll unsere Wohnung sein? Bicaz, Rumänien

Bicaz ist eine Bergarbeiterstadt, entsprechend wenig hat sie mit den hübschen rumänischen Orten zu tun, die wir in den vergangenen Tagen gesehen haben. Keine romantische Altstadt, keine herausgeputzten Häuserzeilen, kein „Hier müssen wir unbedingt noch ein Foto machen“.

Wohnung Bicaz, Rumänien
Bicaz ist eher die Sorte Stadt, die einfach da ist.

Und irgendwie gefällt uns genau das auch. Nicht alles in Rumänien muss für Touristen auf Hochglanz poliert werden. Hier sieht man ein Stück ganz normalen Alltag – und der ist nun einmal nicht immer besonders fotogen.





Unser Apartment dagegen ist richtig klasse. Sehr gut ausgestattet, zwei Schlafzimmer, eine Küche und ein tolles Bad. Und wir hatten sogar den gewünschten Balkon.


Balkon auf rumänisch, Bicaz, Rumänien

Wobei wir bei der Buchung offenbar unterschiedliche Vorstellungen davon hatten, was ein Balkon ist. 

Denn ein rumänischer Balkon kann durchaus ein zusätzlicher länglicher Raum mit Fenstern zum Öffnen sein. Ideal zum Rauchen. Oder für die Katze. Oder um Wäsche aufzuhängen.

Zum gemütlichen Draußensitzen allerdings eher nicht.

Zwei Stühle haben noch hineingepasst. Aber dann konnte man nicht mehr dran vorbei.

Wir nehmen es mit Humor. Schließlich haben wir bekommen, was wir bestellt haben: einen Balkon. Dass der rumänische Balkonbegriff etwas anders ausgelegt wird als der deutsche, gehört dann eben zum Reiseerlebnis.

Am Abend suchen wir uns noch ein Restaurant. Nichts Besonderes, aber genau das Richtige für uns: bodenständige rumänische Küche. 


Bicaz, Rumänien

Es gibt deftige Suppe und Schoko-Pfannkuchen. Dazu ein Bier.

Und bei den Preisen kommt dann doch wieder Freude auf: Ein halber Liter Bier kostet umgerechnet etwa zwei Euro.

Da kann man Bicaz dann auch einmal verzeihen, dass die Stadt nicht gerade um den Titel „schönster Ort der Karpaten“ kämpft.

Wir hatten heute jedenfalls genau das, was wir wollten: eine spektakuläre Landschaft, eine wirklich beeindruckende Schlucht, einen schönen See, ein überraschend gutes Apartment und am Abend ordentliches Essen und ein günstiges Bier.

Nur eins haben wir gelernt: Wenn in Rumänien „Balkon“ in der Unterkunftsbeschreibung steht, sollte man vielleicht vorher klären, ob man dort sitzen kann – oder nur die Wäsche trocknen.

Bicaz, Rumänien



Mittwoch, 9. September 2026

Fünf Klöster, bunte Fassaden und eine Landschaft zum Verlieben

Kloster Voronet, Bukowina, Rumänien


















Wir standen vor Voroneț und konnten es erst einmal kaum glauben: Eine Kirche, die außen komplett bemalt ist. Und dann dieses Blau! Ein unglaublich intensives, leuchtendes Blau, das zwischen all den anderen Farben sofort ins Auge fällt. Natürlich hatten wir Bilder von den berühmten Moldauklöstern gesehen, aber davorzustehen und diese Farben tatsächlich vor sich zu haben, ist noch einmal etwas ganz anderes. 



Vor allem weil wir so etwas aus Deutschland überhaupt nicht kennen. Bei uns geht man in eine Kirche hinein, um Fresken und Malereien zu sehen. Hier beginnt die Kunst schon draußen – auf den gesamten Fassaden. Und je näher man kommt, desto mehr entdeckt man: Menschen, Tiere, biblische Szenen, Ornamente und unzählige kleine Einzelheiten.

Voroneț war unser Einstieg in eine kleine Klosterrunde, die uns ziemlich begeistert hat. Insgesamt fünf Klöster wollten wir sehen: Voroneț, Humor, Moldovița, Sucevița und Arbore. Und obwohl sie alle nach einem ähnlichen Prinzip entstanden sind, hatte jedes seinen eigenen Charakter.

Kloster Humor, Bukowina, Rumänien

Bei Humor ging es weiter mit den bemalten Außenwänden – und mit einer zweiten Besonderheit, die uns immer wieder auffiel: Die Klöster sind teilweise erstaunlich wehrhaft. Dicke Mauern, Türme und mächtige Tore lassen manche Anlage eher wie eine kleine Burg aussehen. Dahinter dann eine Kirche, deren Wände mit leuchtenden Bildern überzogen sind. Eine ziemlich ungewöhnliche Kombination.


Kloster Moldovita, Bukowina, Rumänien

Weiter ging es nach Moldovița – und hier war für uns endgültig klar: Das ist unser persönliches Highlight von außen.

Die Farben, die vielen Details und die gesamte Anlage haben uns besonders begeistert. Wir liefen um die Kirche herum und entdeckten immer wieder etwas Neues. Man könnte wahrscheinlich ewig davorstehen und hätte noch längst nicht alles gesehen.


Und mindestens genauso schön wie die Klöster selbst war die Landschaft dazwischen. Die Straße führte durch grüne Hügel und Wälder, vorbei an kleinen Dörfern und immer wieder mit weiten Ausblicken. Besonders rund um den Pass wurde die Fahrt richtig schön.

Mittagspause am Pass, Bukowina, Rumänien


Irgendwann war dann aber nicht mehr die Landschaft, sondern unser Hunger das dringlichste Thema. Also suchten wir uns einen schönen Platz für die Mittagspause, packten unser Essen aus und saßen einfach mitten in dieser wunderbaren Landschaft. Berge, Grün und Ruhe – mehr braucht eine Mittagspause auf einem Roadtrip eigentlich nicht.




Gut gestärkt ging es weiter nach Sucevița. Schon von außen beeindruckt die Anlage mit ihren mächtigen Mauern und Türmen. Fast wie eine kleine Festung liegt das Kloster in der Landschaft.


Kloster Sucevita, Bukowina, Rumänien

Diesmal lag unser persönliches Highlight allerdings im Inneren.

Nach den spektakulären Außenfassaden war es noch einmal ein ganz anderer Eindruck, in der Kirche zu stehen. Wände und Gewölbe sind dicht mit Malereien bedeckt, überall Farben, Figuren und Details. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. 

Kloster Sucevita, Bukowina, Rumänien

Kloster Sucevita, Bukowina, Rumänien

Damit waren unsere persönlichen Favoriten eindeutig: Moldovița außen, Sucevița innen.

Zum Abschluss unserer Runde wartete noch Arbore auf uns. Die Anlage ist kleiner und wirkt dadurch etwas ruhiger. Auch hier ist die Kirche außen bemalt, und nach den großen Eindrücken der anderen Klöster war das ein schöner Abschluss.

Kloster Arbore, Bukowina, Rumänien

Die fünf Klöster – Voroneț, Humor, Moldovița, Sucevița und Arbore – gehören zu den besonderen Schätzen der Bukowina. Sie entstanden größtenteils im 15. und 16. Jahrhundert, und ihre Malereien erzählen biblische Geschichten. Viel spannender als ein kunsthistorischer Vortrag war für uns allerdings, sie einfach auf uns wirken zu lassen.

Denn genau das hat uns an dieser Klosterrunde so begeistert: diese unglaublichen Farben, die bemalten Außenwände, die wehrhaften Mauern und Türme – und dazwischen immer wieder diese wunderschöne Landschaft.

Und nach so viel Kultur freuen wir uns jetzt auf einen ganz anderen Tag: Morgen geht es weiter Richtung Bicaz-Stausee und Bicaz-Schlucht – diesmal stehen also vor allem Berge, Wasser und Landschaft auf unserem Programm.


Mit Volldampf durch die Maramureș

Mocănița, Viseu de Sus, Rumänien

Wir stehen morgens kurz nach neun in Vișeu de Sus am Bahnhof und fragen uns bei 9 Grad, ob wir uns das mit der Dampflok wirklich gut überlegt haben. Die Sonne scheint zwar strahlend vom Himmel, aber davon hat die Temperatur offenbar noch nichts mitbekommen.

Unsere Mocănița steht schon bereit. Eine richtige Dampflok, die kräftig schnauft, zischt und qualmt – und schon ist die Kälte ziemlich nebensächlich. Wir steigen ein und freuen uns auf die Fahrt hinein in die Wälder der Maramureș. 


Mocănița, Viseu de Sus, Rumänien

Die kleine Schmalspurbahn wurde ursprünglich für den Holztransport gebaut. Holz wurde aus den abgelegenen Wäldern entlang des Vaser ins Tal gebracht. Heute sitzen statt Holzarbeitern vor allem Touristen in den Waggons – die Strecke und die Dampfloks sind aber geblieben.

Mocănița, Viseu de Sus, Rumänien



Und damit beginnt eine wirklich schöne Fahrt. Der Zug rumpelt und rattert am Vaser entlang, durch enge Täler und dichte Wälder. Die Dampflok arbeitet sich schnaufend bergauf, aus dem Schornstein quillt der Rauch und immer wieder ertönt ihr kräftiges Pfeifen. Dazu die herrliche Landschaft ringsum. 



Wir können uns kaum entscheiden, ob wir mehr nach draußen schauen oder die Dampflok beobachten wollen. Beides gehört schließlich zum Erlebnis.

Mit zunehmender Höhe wird die Landschaft immer ursprünglicher. Und obwohl es zunächst wirklich frisch ist, genießen wir die Fahrt sehr. Spätestens als die Sonne die ersten Wagen erreicht, wird es auch temperaturmäßig angenehmer.


Die Mocănița ist natürlich längst eine Touristenattraktion. Trotzdem hat die Fahrt für uns ihren besonderen Reiz: Es ist nicht einfach irgendeine historische Bahn, sondern eine Eisenbahn mit echter Geschichte, die noch immer auf ihrer ursprünglichen Strecke durch diese wunderschöne Landschaft fährt.




Wir wohnen in der Pensiunea Mallorca bei Christian und Amalia und fühlen uns hier sofort wohl. Christian hat viele Jahre in der Gastronomie auf Mallorca gearbeitet, daher auch der Name der Pension. Amalia war lange im Gesundheitswesen in England tätig.

Kennengelernt haben sich die beiden, als Amalia mit ihrer Mutter auf Reisen war und bei Christian übernachtete. Vor zwei Jahren wurde daraus eine gemeinsame Geschichte – und im Oktober wird geheiratet. Wir wünschen den beiden schon jetzt von Herzen alles Gute für ihre gemeinsame Zukunft!


Christian und Amalia, Pensiunea Mallorca, Viseu de Sus

Und auch kulinarisch sind wir hier bestens aufgehoben. Besonders die Suppen sind eine Schau: richtig lecker und nach den sehr üppigen Portionen in Breb diesmal in einer für uns erfreulich vernünftigen Größe.

So bleibt uns Vișeu de Sus nicht nur wegen der Mocănița und der wunderschönen Landschaft in Erinnerung, sondern auch wegen unserer netten Gastgeber und des guten Essens.


Sonntag, 6. September 2026

Drei Tage in Breb – wo Tradition noch ganz selbstverständlich ist

Pensiunea Teodora, Breb, Rumänien

Breb ist so ein Ort, bei dem man schon bei der Ankunft das Gefühl hat, ein Stück weit in eine andere Zeit einzutauchen. Alte Holzhäuser, kunstvoll geschnitzte Tore, Heuwagen, Pferde, Kühe auf der Straße – und dazwischen ganz normales rumänisches Dorfleben. Kein Freilichtmuseum, sondern ein Dorf, in dem Tradition einfach noch zum Alltag gehört.


Freilichtmuseum Maramures, Rumänien


Bevor wir nach Breb kamen, hatten wir bereits das Freilichtmuseum von Maramureș besucht. Dort konnten wir sehen, wie die Menschen in der Region früher gelebt und gearbeitet haben: alte Holzhäuser, Ställe, Werkstätten, landwirtschaftliche Geräte und die typischen, kunstvoll geschnitzten Tore.



Freilichtmuseum Maramures, Rumänien




In Breb stellten wir dann fest: Vieles davon hatten wir gerade im Museum gesehen – nur hier war es nicht ausgestellt, sondern wurde tatsächlich noch benutzt. Die alten Holzhäuser stehen mitten im Dorf, die geschnitzten Tore sind keine Museumsstücke und Pferde, Kühe und landwirtschaftliche Arbeiten gehören ganz selbstverständlich zum Alltag. Genau das macht Breb so besonders. Man muss hier nicht ins Museum gehen, um traditionelle Kultur zu sehen – man läuft einfach durch den Ort und ist mittendrin.

Eingangstor, Maramures, Rumänien


Für drei Nächte waren wir in der Pensiunea Teodora untergebracht – und hätten für unseren Aufenthalt kaum einen passenderen Ort finden können.

Eine Pension voller kleiner Geschichten

Pensiunea Teodora, Breb, Rumänien


Schon die Pension selbst war ein Erlebnis. Überall fanden sich kleine Details, die die traditionelle Kultur der Region widerspiegeln: viel Holz, Schnitzereien, traditionelle Stoffe, alte Gegenstände und liebevoll arrangierte Dinge, bei denen man immer wieder etwas Neues entdeckte.



Pensiunea Teodora, Breb, Rumänien




Auch unser Zimmer passte wunderbar dazu. Es war nicht einfach ein beliebiges Gästezimmer, das mit ein paar folkloristischen Accessoires auf „traditionell“ getrimmt worden war. Vielmehr hatte man das Gefühl, tatsächlich in einem Haus zu wohnen, in dem diese Dinge zum Leben dazugehören.




Man konnte sich fast nicht entscheiden, ob man zuerst auspacken oder erst einmal alles anschauen sollte.


Pensiunea Teodora, Breb, Rumänien

Und dann kam das Essen.

Fleisch. Sehr viel Fleisch.

Suppe für zwei



Wer in Maramureș auf leichte Küche hofft, sollte vielleicht besser noch einmal darüber nachdenken. Hier wird ordentlich aufgetischt – und vor allem Fleisch.





Die Portionen waren wirklich riesig. Schon nach dem ersten Abend war uns klar, dass unsere bisherigen Vorstellungen von einer „normalen Portion“ hier nicht weiterhalfen. Ab dem zweiten Tag bestellten wir deshalb nur noch eine Portion für uns beide.

Mămăligă, eine Art Polenta mit Käse und Wurst für zwei

Mămăligă mit Käse und Wurst, nachdem wir fertig waren...

Das schien vernünftig. Allerdings mussten wir feststellen, dass selbst diese eine Portion für zwei Personen noch ziemlich sportlich war. Auch zu zweit schafften wir es nicht, alles aufzuessen.

Offenbar gilt hier die Devise: Ein Gast, der satt wird, ist gut. Ein Gast, der die Portion komplett schafft, war vermutlich besonders hungrig.

Und dann war da noch der Schnaps. Nicht etwa ein kleines Gläschen, das man freundlich zum Anstoßen bekommt. An jedem Tisch standen gleich zwei Flaschen Schnaps.

Zwei. Pro Tisch.

Damit war zumindest sichergestellt, dass niemand nach dem Essen behaupten konnte, er habe nichts zu trinken bekommen. Wir haben allerdings darauf verzichtet, herauszufinden, ob die beiden Flaschen tatsächlich auch leer werden müssen.


Frühstück mit Schweinebauch?

Auch beim Frühstück zeigte sich, dass die rumänische Vorstellung von einem guten Start in den Tag etwas anders aussehen kann als unsere.

Schweinebauch zum Frühstück? Oder kaltes Schnitzel? Hackfleischbällchen mit Knoblauch?

Für uns doch eher ungewohnt. Unsere Frühstücksvorstellungen bewegen sich normalerweise eher in Richtung Brot, Wurst, Käse, Marmelade und vielleicht ein Ei. Hier dagegen konnte der Tag durchaus mit einer ordentlichen Portion Fleisch beginnen.

Aber wir wollen nicht ungerecht sein: Es gab vieles, das wirklich großartig war – vor allem die Tomaten aus dem eigenen Garten. Saftig, aromatisch und mit diesem Geschmack, den Tomaten nur haben, wenn sie tatsächlich Sonne bekommen haben.

Überhaupt schmeckte vieles so, als käme es direkt aus dem eigenen Garten oder zumindest aus der unmittelbaren Umgebung. Das Essen war nicht fein und filigran, sondern bodenständig, reichlich und sehr authentisch.

Und definitiv nichts für Kalorienzähler.


Frühstück in der Pensiunea Teodora, Breb, Rumänien


Und dann war plötzlich eine Verlobungsfeier

Unser schönstes und zugleich überraschendstes Erlebnis erwartete uns am Samstagabend.

In der Pension fand eine Verlobungsfeier statt. Die rund 35 Gäste waren selbst andere Gäste der Pension und kamen aus einem Ort etwa 40 Kilometer entfernt.

Wir waren also nicht eingeladen – zumindest nicht offiziell. Wir waren einfach da.

Und plötzlich mittendrin.



Es wurde gegessen, natürlich. Sehr viel gegessen, ebenfalls natürlich. Es gab eine große Torte, Getränke und vor allem: getanzt. Sehr viel getanzt.

Die Stimmung war von Anfang an fröhlich und ausgelassen. Mehrere Generationen feierten gemeinsam, und irgendwann fühlte es sich gar nicht mehr so an, als würden wir einer Feier von völlig fremden Menschen zuschauen.

Das Schöne daran: Es war keine Folkloreveranstaltung für Touristen und kein extra organisiertes Programm. Es war eine echte Feier, zu der Menschen aus einem Ort in der Umgebung zusammengekommen waren. Wir hatten einfach das Glück, genau an diesem Abend in der Pensiunea Teodora zu sein.

Für uns war das ein ganz besonderer Einblick in das Leben in Maramureș. Solche Erlebnisse kann man nicht planen – und gerade deshalb bleiben sie wahrscheinlich am längsten in Erinnerung.



Acht Holzkirchen – irgendwann verschwimmen die Namen

Natürlich haben wir die berühmten Holzkirchen von Maramureș erkundet. Gleich acht dieser Kirchen gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Und ja: Sie sind wirklich alle sehenswert.

Die hohen, schlanken Türme, die Schindeldächer, die kunstvollen Holzarbeiten und die oft wunderschönen kleinen Friedhöfe machen jede einzelne besonders. Dazu kommt die Lage in den Dörfern, durch die man teilweise schon allein wegen der Landschaft gerne fährt.


Holzkirche Maramures, Rumänien

Nur müssen wir auch ehrlich sein: Nach acht Holzkirchen wird es irgendwann schwierig, sie auseinanderzuhalten. Welche war jetzt noch einmal die mit dem besonders hohen Turm? Und welche hatte die schönen Wandmalereien? War das nun Bârsana oder Budești?

Irgendwann beginnen die Namen ein wenig durcheinanderzugeraten und die Türme im Gedächtnis miteinander zu verschmelzen. Aber das ist eigentlich auch egal. Sehenswert sind sie alle – und wenn man schon einmal in Maramureș ist, sollte man sich diese außergewöhnliche Ansammlung traditioneller Holzarchitektur nicht entgehen lassen.


Holzkirche Maramures, Rumänien



Holzkirche Maramures, Rumänien

Kloster Barsana, Maramures, Rumänien


Săpânța – der fröhlichste aller Friedhöfe

Ein ganz anderer Höhepunkt war der Fröhliche Friedhof von Săpânța.

Schon der Name macht neugierig. Noch ungewöhnlicher wird es, wenn man tatsächlich dort steht.



Bunte Holzkreuze erzählen vom Leben der Verstorbenen – mit Bildern, Geschichten und teilweise erstaunlich direktem Humor - so sagt man es, verstanden haben wir natürlich nur die Bilder, nicht die Texte. Der Tod wird hier nicht ausschließlich als etwas Trauriges dargestellt, sondern als Teil des Lebens. Beruf, Familie, besondere Ereignisse und manchmal auch weniger schmeichelhafte Eigenschaften finden ihren Platz auf den Kreuzen.

Ein Friedhof, auf dem man tatsächlich schmunzelt – das muss man erst einmal schaffen.


Fröhlicher Friedhof Sapanta, Rumänien

Drei Tage, die ziemlich viel Maramureș enthielten

Drei Tage waren wir in und um Breb unterwegs – und sie waren unglaublich abwechslungsreich.

Wir hatten im Freilichtmuseum gesehen, wie das traditionelle Leben der Region früher aussah, und fanden vieles davon anschließend in Breb mitten im heutigen Alltag wieder. Wir besuchten die acht UNESCO-Holzkirchen und den Fröhlichen Friedhof von Săpânța.

Holzkirche Maramures, Rumänien

Holzkirche Maramures, Rumänien


Aber eigentlich waren es die kleinen Dinge, die diese Tage so besonders machten: die geschnitzten Holztore am Straßenrand, Pferde und Kühe auf den Dorfstraßen, die liebevollen Details in der Pensiunea Teodora und das Gefühl, dass hier vieles noch ganz selbstverständlich funktioniert wie früher.

Und natürlich das Essen.

Frühstück Pensiunea Teodora, Breb, Rumänien

Eine Portion für zwei – und trotzdem zu viel. Zwei Flaschen Schnaps pro Tisch. Schweinebauch zum Frühstück. Dazu Tomaten aus dem eigenen Garten, die besser kaum sein konnten.

Und als krönenden Abschluss eine völlig ungeplante Verlobungsfeier mit rund 35 Menschen, Torte und einer Tanzfreude, bei der wir irgendwann nur noch staunten, woher die Leute eigentlich noch die Energie nehmen.

Maramureș war für uns deshalb nicht nur eine Region mit schönen Kirchen und traditionellen Holzhäusern.

Es war ein bisschen wie eine Reise in eine Welt, in der man sich beim Essen offenbar grundsätzlich fragt, ob der Gast vielleicht heimlich aus einer Großfamilie besteht – und in der zwei Flaschen Schnaps pro Tisch als völlig normale Grundausstattung gelten.

Wir fanden es großartig.

Drei tolle Tage in und um Breb – sehr traditionell, sehr herzlich und definitiv nicht kalorienarm. Genau deshalb wird uns Maramureș in Erinnerung bleiben.

Pensuinea Teodora, Breb, Rumänien