Sonntag, 4. Oktober 2026

Belgrad – zwischen Festung, Baustellen und 360-Grad-Blick

Minihäuser im Großstadtschungel, Blue Danube Apartment, Belgrad, Serbien

Unsere Unterkunft in Belgrad ist gleich ein Volltreffer: das Blue Danube Apartment im Stadtteil Zemun. Und das liegt nicht irgendwo am Stadtrand, sondern mitten im Leben. Das Haus selbst wirkt fast schon wie ein Fremdkörper – gerade einmal zwei Stockwerke hoch und ringsum von Hochhäusern umzingelt. Ein bisschen wie ein vergessenes kleines Haus, das sich erfolgreich geweigert hat, beim Bauboom mitzumachen.

Zur Save sind es nur ein paar Minuten, und direkt vor der Haustür finden wir alles, was man im Alltag so braucht: Fast Food, Supermarkt, Geldwechsler und die Bushaltestelle praktisch um die Ecke. Für unseren Belgrad-Aufenthalt also eine ziemlich perfekte Ausgangsbasis.

Belgrad an einem Tag - ist natürlich nicht gerade üppig, aber wenn man sich genau überlegt, was man sehen will, warum nicht?


Dom "Heiliger Sava", Belgrad, Serbien

Dom "Heiliger Sava", Belgrad, Serbien


Unser erster Stopp ist der Dom des Heiligen Sava, eines der Wahrzeichen der Stadt. Schon von außen ist die riesige Kirche beeindruckend – und drinnen geht es nicht weniger gewaltig weiter.



Dom "Heiliger Sava", Belgrad, Serbien


Platz der Republik, Belgrad, Serbien

Danach fahren wir zum Platz der Republik und tauchen von dort zu Fuß in die große Fußgängerzone ein. Hier ist Belgrad plötzlich ganz anders: Cafés, Geschäfte, Straßenleben, Menschen überall. Wir lassen uns einfach treiben und landen schließlich an der Save, wo sich von der Promenade ein schöner Blick über den Fluss bietet.



Festung, Belgrad, Serbien

Von dort geht es weiter zur Festung. Und die hat es in sich. Nicht nur ein bisschen Mauer und ein Tor, sondern ein riesiges Gelände mit Türmen, Toren, Mauern und immer wieder neuen Ausblicken. Wir laufen uns einmal quer durch die Geschichte – und vor allem quer durch ziemlich viel Gelände.




Aussicht von der Festung, Belgrad, Serbien


Unser Plan für den Nachmittag: weiter Richtung Belgrad Waterfront und hinauf auf den Belgrade Tower. Klingt auf der Karte ganz einfach.

Ist es aber nicht.

Denn Belgrad scheint gerade beschlossen zu haben, sich einmal komplett umzubauen.


Baustellen Belgrad Waterfront, Serbien

Baustellen, Absperrungen, Umleitungen – und immer wieder stehen wir vor der Frage: Wie kommen wir jetzt eigentlich da hin? Also laufen wir. Und laufen. Und laufen noch ein bisschen.






Irgendwann ist der Turm tatsächlich erreicht. Und spätestens jetzt ist jeder Umweg vergessen.

Belgrade Tower, Serbien

Oben - im 41. Stock - erwartet uns eine 360-Grad-Aussicht über Belgrad, die wirklich eine absolute Schau ist. Die Save, die Donau, die Hochhäuser der Waterfront, die Festung, Zemun – und eine Stadt, die sich in alle Richtungen ausbreitet.

360 Grad, Belgrade Tower, Serbien

360 Grad, Belgrade Tower, Serbien

360 Grad, Belgrade Tower, Serbien
Von hier oben sieht man erst einmal, wie riesig Belgrad ist. Und auch, warum wir uns vorher gefühlt durch halb Belgrad an Baustellen vorbeigeschlängelt haben.

Für heute reicht es uns jedenfalls. Belgrad zu Fuß, mit Bus, durch Baustellen und von ganz oben – mehr Stadtbesichtigung geht an einem Tag eigentlich kaum.

Belgrad Waterfront, Serbien

Belgrad Waterfront, Serbien



Freitag, 2. Oktober 2026

Lepenski Vir und Golubac – auf dem Weg in die große Stadt

Erloschener Vulkan gegenüber von Lepenski Vir, Serbien

Nach all den Bergen, Schluchten und kleinen Orten geht es jetzt Richtung große Stadt: Belgrad. Aber bevor wir dort ankommen, liegen noch zwei echte Überraschungen an der Donau auf unserem Weg.

Die erste heißt Lepenski Vir.

Lepenski Vir, Serbien


Von der berühmten archäologischen Fundstätte hatten wir ehrlich gesagt keine große Vorstellung. Irgendwo an der Donau ein paar Ausgrabungen aus der Steinzeit – so ungefähr war unsere Erwartung.





Und dann stehen wir davor und sind ziemlich beeindruckt.

Lepenski Vir, Serbien


Die Ausgrabungsstätte ist richtig toll aufbereitet. Ein großes, ganz in Weiß gehaltenes Dach überspannt die historischen Siedlungsreste und gibt dem Ganzen einen erstaunlich modernen und eleganten Rahmen. Innen kann man die rund 9.000 Jahre alten Spuren der Siedlung anschauen, ohne ständig rätseln zu müssen, was man da eigentlich gerade sieht. 


Lepenski Vir, Serbien

Dazu gibt es einen sehenswerten Film und gut gemachte Informationen. Nicht überladen, nicht mit endlosen Tafeln zugestellt, sondern so, dass man tatsächlich Lust bekommt, sich mit der Geschichte dieses Ortes zu beschäftigen.

So darf eine archäologische Ausgrabungsstätte gerne präsentiert werden.



Und dann fahren wir weiter nach Golubac.

Schon von weitem ist zu erkennen, dass uns hier etwas anderes erwartet. Die Festung liegt spektakulär am Berg über der Donau und zieht sich mit ihren Türmen und Mauern den Hang hinauf.

Gobulac, Serbien

Je näher wir kommen, desto beeindruckender wird sie. Die Türme stehen auf verschiedenen Höhen, die Mauern passen sich dem Berg an – und alles zusammen ergibt eine Burganlage, die einfach richtig gut aussieht.

Vor allem die Lage hat es uns angetan. Die Festung sitzt so exponiert über dem Fluss, dass man sofort versteht, warum dieser Platz einmal so wichtig war.

Ein Traum von einer Burg. 


Gobulac, Serbien

Und jetzt geht es weiter nach Belgrad. Nach so viel Landschaft, kleinen Orten und überraschenden Entdeckungen sind wir gespannt, wie sich Serbien in der großen Stadt anfühlt.

Aber eines steht schon fest: Lepenski Vir und Golubac hatten wir so nicht auf dem Schirm – und genau deshalb bleiben beide ziemlich gut im Gedächtnis.

Gobulac, Serbien

Gobulac, Serbien

Gobulac, Serbien

Gobulac, Serbien


Donnerstag, 1. Oktober 2026

Donji Milanovac – Donau, Waschmaschine und ein kleiner Behördenkrimi

Blick von der Terrasse unseres Apartments, Donji Milanovac, Serbien

Nach der Einreise nach Serbien geht es für uns nach Donji Milanovac, einen kleinen Ort mit rund 2.000 Einwohnern direkt an der Donau. Unsere Unterkunft, das Apartman Dunav Plus, entpuppt sich schnell als Volltreffer.

Unsere Unterkunft (1. Stock), Donji Milanovac



Das Apartment ist riesig: zwei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, eine Küche und im Bad sogar eine Waschmaschine. Nach vier Wochen unterwegs ist das schon fast Luxus. Das eigentliche Highlight ist aber die riesige Terrasse mit einem genialen Blick auf die Donau.




Tolles Frühstück, Donji Milanovac, Serbien


Auch das Frühstück lässt nichts zu wünschen übrig. Und das nette Gastgeberehepaar trägt seinen Teil dazu bei: Sie kümmert sich liebevoll um uns und bringt immer mal wieder eine Kleinigkeit auf die Terrasse – einen Kaffee oder ein Eis. Solche kleinen Aufmerksamkeiten bleiben im Gedächtnis.




Weniger erfreulich ist dagegen unser erster Kontakt mit einem serbischen Geldautomaten.

Der ATM der Bank schluckt zunächst meine Karte. Immerhin gibt er sie nach einiger Zeit wieder heraus. Geld kommt allerdings keines.

Beim Blick aufs Konto folgt die nächste Überraschung: 500 Euro sind trotzdem abgebucht.

Na wunderbar.

Am nächsten Morgen geht es deshalb zur Bank. Dort wird zunächst argumentiert, dafür müsse die deutsche Bank zuständig sein. Nein, natürlich nicht. Der serbische Geldautomat hat meine Karte eingezogen, kein Geld ausgegeben und trotzdem mein Konto belastet.

Also wird reklamiert. Und siehe da: Einen Tag später sind die 500 Euro wieder auf dem Konto.

Damit wäre das Thema erledigt – wenn nicht noch die serbische Bürokratie auf uns gewartet hätte.

In Serbien muss sich jeder Tourist innerhalb von 24 Stunden bei den Behörden melden. Normalerweise erledigt das die Unterkunft. Unser Gastgeberehepaar wusste davon allerdings nichts.

Also machen wir uns selbst auf den Weg zur Polizei. Der Polizist spricht kein Wort Englisch. Wir sprechen kein Serbisch. Immerhin kennt er jemanden, der Deutsch kann. Über mehrere Umwege lässt sich schließlich klären, weshalb wir überhaupt vor ihm stehen. Dann muss unser Gastgeber kommen.

Er macht sich auf den Weg, gemeinsam wird im Computer nach uns gesucht – allerdings ohne Erfolg. Der Polizist findet uns nicht.

Die Lösung fällt dann erstaunlich unkompliziert aus: Wir sollen einfach weiterreisen. Da wir ohnehin nach Kroatien ausreisen, sei das kein Problem. Dort sei so viel los, dass sowieso keine Kontrollen stattfinden würden.

Also gut. Dann fahren wir eben weiter.


Blick von unserer Terrasse auf die Donau, Donji Milanovac, Serbien

Ein Nachtrag aus Belgrad

Inzwischen wissen wir: Wir sind sehr wohl im Computersystem erfasst.

Offenbar konnte der Polizist mit unseren deutschen Personalausweisen nur nichts anfangen.

Damit hat sich auch dieses kleine Rätsel gelöst.

Donji Milanovac bleibt uns deshalb vor allem wegen der schönen Seiten in Erinnerung: die Donau direkt vor der Terrasse, ein großzügiges Apartment, ein gutes Frühstück, eine Waschmaschine zur rechten Zeit – und ein ausgesprochen nettes Gastgeberehepaar, das uns den Aufenthalt mit kleinen Aufmerksamkeiten versüßt.

Und unsere ersten Erfahrungen mit Geldautomat und Polizei? Die gehören eben auch zum Reisen. Sonst hätte man ja nichts zu erzählen.


Mittwoch, 30. September 2026

Von der Kälte in die Wärme – Orsova und das eiserne Tor

Eisernes Tor, Rumänien

Nach den kalten Höhen der Transalpina ist Orșova genau das, was wir jetzt brauchen: Wärme, Wasser und wieder ein bisschen Sommergefühl. Wir sind an der Donau angekommen – genauer gesagt am Eisernen Tor – und damit in einer ganz anderen Welt.

Noahs Ponton, Orsova, Rumänien

Unsere Unterkunft, Noahs Ponton, liegt direkt an der Donau. Die Zimmer befinden sich am Ufer, davor erstreckt sich ein Ponton mit Tischen, Stühlen und Liegen direkt über dem Wasser. Der perfekte Platz, um einfach aufs Wasser zu schauen und für ein paar Stunden sämtliche Reisepläne sein zu lassen.




Noahs Ponton, Orsova, Rumänien

Dazu gehören zwei ausgesprochen zutrauliche Katzen, die offenbar schnell beschlossen haben, dass wir dringend etwas Gesellschaft brauchen. Kaum sitzen wir draußen, sind die beiden zur Stelle – Streicheleinheiten inklusive.

Die Gastgeber selbst sind zwar nicht vor Ort, aber die Kommunikation über WhatsApp funktioniert hervorragend. Fragen werden schnell beantwortet, und als wir eine Bootstour machen möchten, wird diese kurzerhand für uns organisiert. So unkompliziert kann Gastfreundschaft auch aus der Ferne funktionieren.

Bootsfahrt Eisernes Tor, Rumänien



Mit an Bord ist eine rumänische Familie, die gerade Urlaub macht. Die Tochter spricht richtig gut Englisch, sodass wir uns wunderbar unterhalten können. Und so wird aus einer gebuchten Bootstour ziemlich schnell ein gemeinsamer Ausflug. 




Wir fahren zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Gegend: vorbei an Trajans Tafel, zum gewaltigen Felsrelief des Decebalus, durch die spektakuläre Enge des Eisernen Tors und weiter zum Kloster Mraconia, das direkt am Wasser liegt.

Traians Tafel, Eisernes Tor, Serbien

Decebalus, Eisernes Tor, Rumänien

Kloster Mraconia, Rumänien

Eisernes Tor, Rumänien / Serbien



Vom Boot aus bekommt die Landschaft noch einmal eine ganz andere Wirkung. Die steilen Felsen türmen sich links und rechts der Donau auf, dazwischen das Wasser und immer wieder historische Spuren. Eine ziemlich beeindruckende Kulisse. 




Und während wir noch vor ein paar Tagen auf der Transalpina bei einstelligen Temperaturen unterwegs sind, sitzen wir jetzt bei angenehmen Temperaturen am Wasser. Das Thermometer hat also endlich verstanden, was wir unter Urlaub verstehen.

Nach kalten Passstraßen, dicken Jacken und einer Heizung, die uns auf der Transalpina zwischenzeitlich ebenfalls im Stich gelassen hat, ist das hier unsere ganz persönliche Rückkehr in den Sommer – mit Donaublick, zwei Katzen und Liegestuhl. Mehr braucht der Mensch manchmal gar nicht.

Eisernes Tor, Rumänien / Serbien

Eisernes Tor

Decebalus und wir, Eisernes Tor, Rumänien


Dienstag, 29. September 2026

Transalpina – Papanasi, Hirschgeweihe und eine Kapuze im Sturm


Transalpina, Rumänien

Eigentlich wollten wir auf der Transalpina vor allem eines: spektakuläre Berglandschaften und möglichst viele Serpentinen. Bekommen haben wir zunächst Hirschgeweihe, ausgestopfte Tiere, Papanasi und ein Zimmer ohne funktionierende Heizung. Auch das gehört offenbar zur Transalpina. 

Cheile Jiețului, Rumänien


Da wir von Hunedoara kommen, nehmen wir nämlich nicht den klassischen Einstieg über Sebeș. Wir fahren über Petroșani und durch die Cheile Jiețului hinauf nach Obârșia Lotrului. 





Cheile Jiețului, Rumänien

Hanul Haiducilor, Rumänien


Dort übernachten wir im Hanul Haiducilor – einer ziemlich rustikalen Unterkunft, die mit ihrer Einrichtung irgendwo zwischen Berghütte und Jagdmuseum liegt. An den Wänden hängen Hirschgeweihe und ausgestopfte Tiere. Dafür ist das Essen richtig gut: Unter anderem gibt es Papanasi, die rumänischen Quarkknödel mit Sahne und Marmelade.


Hanul Haiducilor, Rumänien

Hanul Haiducilor, Rumänien


Vidra See, Rumänien


Am Nachmittag sind die Temperaturen mit etwa 10 Grad noch durchaus erträglich. Wir machen deshalb noch einen Abstecher zum Vidra-See. Sonne und Wolken wechseln sich ab, die Landschaft ist wunderschön – nur der See selbst hat deutlich zu wenig Wasser. 






Am Abend wird es dann allerdings richtig kalt. Und damit wird unsere Unterkunft plötzlich zur praktischen Herausforderung: Die Heizung in unserem Zimmer funktioniert nicht. Also wechseln wir das Zimmer und bekommen tatsächlich eines mit funktionierender Heizung. Man lernt auf Reisen, sich über ganz einfache Dinge zu freuen.

Transalpina. Rumänien

Am nächsten Morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Strahlend blauer Himmel – perfektes Wetter für die Transalpina.

Jetzt beginnt der eigentliche Höhepunkt. Die Straße schraubt sich in unzähligen Serpentinen immer weiter nach oben. Mit jedem Meter wird die Landschaft großartiger: weite Hänge, hohe Berge und immer wieder diese Straße, die sich spektakulär durch die Landschaft zieht.

Und dabei fällt uns noch etwas auf: Hier oben gibt es keinen Budenzauber. Keine Verkaufsstände, keine Souvenirläden, kein großes touristisches Drumherum. Stattdessen Natur – und erstaunlich wenig Menschen. Auf weiten Strecken haben wir die Straße und die Berge fast für uns allein.

Dann erreichen wir den Urdele-Pass auf 2.145 Metern. 


Urdele Pass, Transalpina, Rumänien

Obwohl die Sonne vom blauen Himmel scheint, ist es dort oben alles andere als warm. Der Wind pfeift uns ordentlich um die Ohren. Also Anorak an, Kapuze auf den Kopf – und dann genießen wir die Aussicht.


Transalpina, Rumänien

Und die ist für uns sogar noch beeindruckender als auf der Transfăgărășan. Die Transfăgărășan war spektakulär, keine Frage. Aber landschaftlich gefällt uns die Transalpina noch besser: weiter, ursprünglicher, ruhiger. Und vielleicht macht gerade das den Unterschied.





Nach dem kalten Abend, dem Zimmerwechsel und der Heizungs-Odyssee fühlt sich dieser sonnige Blick über die Berge fast wie eine Belohnung an.

Und so bleibt von unserer Transalpina vor allem eines hängen: grandiose Landschaft, Serpentinen ohne Ende und kaum jemand, der sie mit uns teilen möchte. Dazu ein rustikales Gasthaus, Papanasi und eine funktionierende Heizung – manchmal braucht es eben gar nicht mehr.


Transalpina, Rumänien

Transalpina, Rumänien



Transalpina, Rumänien