Dienstag, 15. September 2026

Wenn die Erde schlechte Laune hat

Pâclele Mari, Rumänien

Nach Kirchen, Klöstern, Holzschnitzereien, Schluchten und jeder Menge wunderschöner Landschaft war offenbar die Zeit gekommen, sich einmal etwas richtig Schmutziges anzuschauen: Schlammvulkane. 

Pâclele Mari, Rumänien

Klingt zunächst nicht unbedingt nach einem Höhepunkt einer Rumänienreise. „Heute schauen wir uns Schlamm an“ ist schließlich nicht der Satz, mit dem man bei Freunden normalerweise Fernweh auslöst. Aber rund um Berca nimmt die Erde das Thema erstaunlich ernst. Hier blubbert, zischt und quillt Schlamm aus dem Boden – und formt dabei eine Landschaft, die tatsächlich aussieht, als hätte jemand ein Stück Mond nach Rumänien verpflanzt. 

Es gibt zwei große Vulkanfelder: Pâclele Mari und Pâclele Mici. Groß und klein also. Wir nehmen selbstverständlich beide. Wenn man schon bis hierher fährt, kann man schließlich auch gleich beide Sorten Schlamm mitnehmen.


Pâclele Mari, Rumänien

Pâclele Mari – Schlamm mit Aussicht

Am späten Nachmittag geht es zunächst zu Pâclele Mari. Der Vorteil: Der Parkplatz ist bequem erreichbar und der Weg zum Vulkanfeld kurz. Das kommt meinem fußlahmen Mann durchaus entgegen. Wir haben schließlich nicht vor, ausgerechnet wegen ein paar blubbernder Erdklumpen eine Expedition zu starten.

Und dann stehen wir tatsächlich mittendrin.

Vor uns liegen graubraune Hügel, kleine Krater, Rinnen und Kegel. Aus einigen quillt langsam der Schlamm heraus. Nicht spektakulär schnell, eher nach dem Motto: Wir haben Zeit. Sehr viel Zeit.

Man kann den kleinen Vulkanen förmlich dabei zusehen, wie sie vor sich hin arbeiten. Blubb. Pause. Blubb. Pause.

Wobei man sich bei näherer Betrachtung fragt, ob das überhaupt noch Vulkane sind oder einfach nur besonders schlecht gelaunte Löcher im Boden.

Die Landschaft ist jedenfalls erstaunlich. Fast kein Grün, dafür graue und beige Erdformen, die sich über das Gelände ziehen. Bei entsprechendem Licht könnte man problemlos behaupten, man sei gerade auf einem anderen Planeten gelandet.

Nur die Besucher mit ihren Handys verraten, dass wir doch noch auf der Erde sind.


Pâclele Mari, Rumänien

Am nächsten Morgen: Teil zwei - Pâclele Mici

Eigentlich hätten wir es bei Pâclele Mari belassen können. Aber nun gibt es ja noch Pâclele Mici.

Also geht es am nächsten Morgen noch einmal los – diesmal ohne meinen Mann. Der darf sich vom Vortag erholen, während ich allein den kleineren Vulkanen einen Besuch abstatte.

Der Zugang vom Campingplatz aus ist etwas sportlicher. Es geht bergauf. Nicht dramatisch, aber genug, um daran erinnert zu werden, dass „Mici“ offenbar nur für die Vulkane gilt und nicht für den Höhenunterschied.

Oben angekommen, ist schnell klar: Das hat sich gelohnt.

Pâclele Mici, Rumänien

Pâclele Mici ist kleiner als Pâclele Mari, dafür stehen die Schlammkegel viel dichter zusammen. Überall kleine Krater und Hügel, manche trocken und rissig, andere mit frischem Schlamm. Das Ganze erinnert ein bisschen an eine riesige Kuchenlandschaft, bei der der Bäcker allerdings vergessen hat, Zucker, Mehl und Farbe mitzunehmen.

Pâclele Mici, Rumänien

Und wieder dieses Blubbern.

Man wartet fast darauf, dass einer der Kegel plötzlich sagt: „So, Feierabend für heute.“






Groß gegen klein

Welches der beiden Felder ist nun schöner?

Schwer zu sagen – und eigentlich auch völlig egal.


Pâclele Mici, Rumänien

Pâclele Mari hat die größere, offenere Landschaft und die beeindruckenderen großen Kegel.

Pâclele Mici wirkt dafür dichter, wilder und irgendwie lebendiger. Hier hat man das Gefühl, mitten in einem kleinen Vulkanviertel unterwegs zu sein, in dem die Nachbarn alle ein bisschen vor sich hin kochen.

Pâclele Mici, Rumänien

Zusammen sind die beiden Felder jedenfalls ein ziemlich ungewöhnliches Erlebnis.

Und wieder einmal zeigt sich: Rumänien kann offensichtlich alles. Mittelalterliche Klöster, spektakuläre Schluchten, endlose Landschaften – und zwischendrin einfach mal ein Haufen Schlamm, der mithilfe von Gas aus dem Boden blubbert.

Man muss sich nur darauf einlassen.


Und vielleicht Schuhe anziehen, die man anschließend nicht unbedingt zum Sonntagsessen tragen möchte.


Pâclele Mici, Rumänien