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| Wehrkirche Harman / Honigberg, Rumänien |
Manchmal steht man vor einem Gebäude und denkt sich: Das ist aber eine ziemlich wehrhafte Kirche.
Und dann geht man näher ran und stellt fest: Das ist gar keine Kirche mit ein paar dicken Mauern.
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| Prejmer / Tartlau, Rumänien |
Mit Türmen. Wehrgängen. Schießscharten. Geheimnisvollen Türen. Und Treppen, die offenbar nach dem Motto gebaut wurden: Je enger und dunkler, desto besser.
Willkommen bei den Kirchenburgen von Transsilvanien.
Auf
unserer Reise sind uns einige davon begegnet. Drei sind uns dabei
besonders im Gedächtnis geblieben: Honigberg, Prejmer und Biertan.
Und obwohl sie alle demselben Grundgedanken folgen, ist jede wieder
anders.
Aber warum brauchte man hier überhaupt Kirchen, die eher nach Burg aussahen?
Die Siebenbürger Sachsen siedelten sich ab dem 12. Jahrhundert in Transsilvanien an. Ihre Dörfer lagen allerdings in einer Gegend, in der es über Jahrhunderte immer wieder zu Kriegen und Einfällen kam.
Eine Kirche war deshalb irgendwann nicht mehr nur der Ort für den Sonntagsgottesdienst.
Sie
musste im Ernstfall die gesamte Dorfgemeinschaft schützen.
Also wurden Kirchen befestigt, Mauern hochgezogen, Türme gebaut, Vorräte eingelagert und Zugänge gesichert. Die Kirche lag dabei gewissermaßen mitten in einer befestigten Gemeinschaftsanlage.
Und plötzlich versteht man auch, warum diese Gebäude so aussehen.
Besonders eindrucksvoll ist das in Prejmer. Die Anlage lag strategisch am Zugang nach Siebenbürgen und wurde deshalb besonders stark befestigt. Die gewaltige Ringmauer ist bis zu 14 Meter hoch. Dahinter befinden sich mehr als 270 Kammern.
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| Prejmer / Tartlau, Rumänien |
Das Spannende daran: Diese Räume waren nicht einfach irgendwelche Lagerräume.
Die Familien hatten ihre eigenen Unterkünfte.
Im normalen Leben lebten die Menschen natürlich in ihren Häusern im Dorf. Drohte aber ein Angriff, zog die Dorfgemeinschaft hinter die Mauern der Kirchenburg – und jede Familie wusste, wo ihr Platz war. Dazu kamen Vorräte und alles, was man brauchte, um eine Belagerung zu überstehen.
Eine Art mittelalterliches Notfallkonzept.
Nur ohne Smartphone, Sirene und Katastrophenschutz-App.
Prejmer / Tartlau – ein Dorf in der Festung
In Prejmer wird dieses Prinzip besonders anschaulich.
Hinter der gewaltigen Mauer reiht sich Kammer an Kammer. Kleine Türen, kleine Räume, mehrere Stockwerke. Irgendwie sieht das Ganze aus wie ein mittelalterliches Mehrfamilienhaus – nur dass man sich die Nachbarn vermutlich nicht freiwillig ausgesucht hat.
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| Prejmer / Tartlau, Rumänien |
Und dann darf man auch noch überall herumstöbern.
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| Valea Viilor / Wurmloch, Rumänien |
Man läuft durch enge Gänge, schaut in die kleinen Räume und steigt natürlich irgendwann auf die Wehrgänge.
Was zunächst nach „schöne Aussicht“ klingt, entwickelt sich allerdings relativ schnell zu:
„Warum bin ich eigentlich hier hochgeklettert?“
Die
Treppen sind teilweise eng, steil und ziemlich dunkel.
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| Treppen ins nichts, Valea Viilor / Wurmloch, Rumänien |
Und mit dunkel meine ich nicht dieses romantische „gedämpfte Licht“, das man aus einem Wellnesshotel kennt.
Ich meine: Hand an die Wand und hoffen, dass da tatsächlich noch eine Treppe kommt.
Man
steigt höher und höher und fragt sich irgendwann, ob die Menschen
im Mittelalter
eigentlich besonders schwindelfrei waren – oder ob
sie einfach keine andere Wahl hatten.
Oben angekommen, lohnt sich das Ganze dann allerdings.
Von den Wehrgängen aus versteht man plötzlich, wie die Anlage funktioniert hat. Mauern, Türme, Schießscharten und Zugänge ergeben ein Gesamtbild. Und man kann sich tatsächlich vorstellen, wie die Menschen hier im Ernstfall Schutz gesucht haben.
Harman / Honigberg – außen Festung, innen Kirche
Auch Honigberg folgt demselben Grundprinzip, wirkt aber wieder ganz anders.
Das ist überhaupt etwas, das uns bei den Kirchenburgen aufgefallen ist: Keine sieht wirklich aus wie die andere.
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| Harman / Honigberg, Rumänien |
Natürlich gibt es Gemeinsamkeiten – Mauern, Türme, Wehrgänge und eine befestigte Kirche. Aber jede Gemeinde hat ihre eigene Lösung gefunden. Je nach Lage, Platz, Bedrohung und dem, was über die Jahrhunderte umgebaut oder erweitert wurde.
Und natürlich kann man auch hier wieder klettern.
Man
steigt in Türme, geht über Wehrgänge und kommt durch enge Gänge,
bei denen man irgendwann nicht mehr ganz sicher ist, ob man gerade
einen Kirchenbesuch macht oder an einem mittelalterlichen
Hindernislauf teilnimmt.
Vor allem die Treppen haben es mir angetan.
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| Harman / Honigberg, Rumänien |
Manchmal geht es erstaunlich weit nach oben. Manchmal ist es stockdunkel. Und manchmal ist die Treppe so eng, dass man sich fragt, ob die Menschen damals wirklich genauso gebaut waren – oder ob sie einfach deutlich weniger Platz für ihre Ellbogen brauchten.
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| Harman / Honigberg, Rumänien |
Genau dieser Gegensatz gefällt mir: Außen Festung, innen Kirche.
Draußen
dicke Mauern, Wehrgänge und Verteidigungsanlagen – drinnen Türen,
Holzarbeiten, Altar und religiöse Kunst.
Und plötzlich merkt man, dass diese Anlage einmal gleichzeitig Schutzraum, Vorratslager, Gemeinschaftsort und Gotteshaus war.
Biertan – drei Mauerringe und eine ziemlich geniale Tür
Biertan ist dann noch einmal eine ganz andere Hausnummer.
Die Kirchenburg liegt auf einem Hügel und wird von mehreren Mauerringen, Türmen und Bastionen umgeben. Sie gehört zu den sieben Kirchenburgen Siebenbürgens, die zum UNESCO-Welterbe zählen.
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| Biertan, Rumänien |
Auch hier kann man natürlich wieder auf Türme und Wehrgänge steigen.
Inzwischen haben wir allerdings gelernt, bei Treppen vorsichtig zu sein.
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| Biertan, Rumänien |
Mein persönliches Highlight in Biertan war aber gar kein Turm.
Es war eine Tür.
Genauer gesagt die Tür zur Sakristei.
Sie stammt aus dem Jahr 1515 und besitzt einen geradezu unglaublichen Schließmechanismus. Mit einer einzigen Bewegung des Schlüssels werden zahlreiche Verriegelungen gleichzeitig betätigt.
Das ist nicht einfach eine alte Tür mit einem großen Schloss.
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| Schloss Sakristei Biertan, Rumänien |
Das ist ein mittelalterliches mechanisches Meisterstück.
Man steht davor und denkt:
Das soll jetzt wirklich 500 Jahre alt sein?
Offenbar hatten die Menschen damals nicht nur viel Zeit, sondern auch ein ausgesprochenes Bedürfnis, ihre Türen wirklich, wirklich sicher abzuschließen.
Der Mechanismus wurde übrigens sogar auf der Weltausstellung 1889 in Paris ausgezeichnet.
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| Biertan, Rumänien |
Man läuft mittendrin herum.
Man steigt auf Türme, geht über Wehrgänge, kriecht durch dunkle Gänge, öffnet uralte Türen und entdeckt ständig noch eine Treppe, eine Kammer oder irgendeinen Durchgang, den man natürlich auch noch ausprobieren muss.
Dass man dabei gelegentlich höher landet, als einem lieb ist, gehört offenbar zum Konzept.
Und die mittelalterlichen Baumeister hatten sowieso eine etwas andere Vorstellung von „gut gesichert“ als wir heute.
Ich finde Kirchenburgen jedenfalls ziemlich großartig.
Vor allem, wenn man am Ende wieder heil unten ankommt.
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| Biertan, Rumänien |













