Dienstag, 22. September 2026

Von Klöstern, Dracula und dem plötzlichen Wintereinbruch

Kloster Cârța, Rumänien

Nach den vergangenen Wochen mit Sonne, Wärme und T-Shirt-Wetter geht es weiter nach Brașov. Auf dem Weg dorthin haben wir einiges vor: ein Kloster, eine Festung und natürlich Dracula. Ein ganz normaler Reisetag in Rumänien also.

Dass dieser Tag außerdem eine ziemlich deutliche meteorologische Wendung nehmen würde, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Erster Halt: das Kloster Cârța / Kerz, eine ehemalige Zisterzienserabtei aus dem 13. Jahrhundert. Alte Mauern, gotische Reste, ein kleiner Friedhof und jede Menge Atmosphäre. Vor allem aber: Ruhe.

Besonders ins Auge fällt eine ziemlich große runde Öffnung in der Kirchenwand, auch bekannt als das Kerzer Loch. Hier war einmal ein Fenster – heute ist davon nur noch die Öffnung geblieben. Und irgendwie macht gerade dieses fehlende Fenster den Ort noch interessanter. Man schaut hindurch und bekommt gleichzeitig einen Eindruck davon, wie viel Geschichte hier schon vergangen ist.

Kein Gedränge, keine Reisegruppen und niemand, der uns Dracula-Magneten andrehen möchte.

Das wird sich noch ändern.

Weiter geht es zur Festung Făgăraș. Eine ziemlich gewaltige mittelalterliche Anlage mit dicken Mauern, Türmen und einem Wassergraben. Wir drehen eine Runde und sind wieder einmal erstaunt, wie viele historische Sehenswürdigkeiten in Rumänien einfach so am Wegesrand auftauchen.

Festung Făgăraș, Rumänien
Und dann kommt Bran.

Dracula? Wir bleiben draußen.

Die Burg Bran, die weltweit als „Dracula-Burg“ vermarktet wird, liegt tatsächlich ausgesprochen fotogen auf ihrem Felsen.

Das Problem ist nur: Wir sind nicht die Einzigen, die das finden.

Was sich rund um die Burg abspielt, ist ziemlich irr. Busse, Reisegruppen, Souvenirstände und Menschen aus gefühlt halb Europa schieben sich in Richtung Eingang. Ein Burgbesuch hätte vermutlich zunächst eine kleine Expedition durch die Touristenmassen erfordert.

Danke, wir verzichten.

Wir schauen uns Bran von außen an. Sieht gut aus, Foto gemacht, Dracula gesehen – oder zumindest das, was man uns als Dracula-Burg verkaufen möchte.

Mehr müssen wir heute nicht haben.

Burg Bran, Rumänien

In Brașov angekommen, geht es Richtung Altstadt. Und kaum stehen wir auf dem Piața Sfatului, ist klar: Hier können wir problemlos ein paar Stunden verbringen.

Piața Sfatului, Brasov, Rumänien

Wir laufen einfach los, ohne großen Plan. Genau das gefällt uns an Brașov. Überall gibt es etwas zu entdecken, und ständig bleibt einer von uns stehen, weil irgendwo wieder ein schönes Gebäude, ein kleiner Durchgang oder eine interessante Ecke auftaucht.




Weißer Turm, Brasov, Rumänien



Die Schwarze Kirche ist natürlich nicht zu übersehen. Von dort lassen wir uns weiter durch die Altstadt treiben, steigen zum Schwarzen und Weißen Turm hinauf und genießen den Blick über die roten Dächer bis zu den Bergen. 





Blick vom weißen Turm auf Brasov, Rumänien

Weberbastei, Brasov, Rumänien



Auch die Weberbastei schauen wir uns an. Die dicken Mauern und Türme sind ziemlich beeindruckend, vor allem wenn man sich vorstellt, dass diese Anlagen früher tatsächlich dem Schutz der Stadt dienten. Heute spazieren wir völlig entspannt daran entlang.




Achtung "Bär", Brasov, Rumänien


Wobei „entspannt“ an einer Stelle durchaus relativ ist: Direkt neben dem offiziellen Rundgang auf der Stadtmauer beginnt der Wald – und dort wird tatsächlich vor Bären gewarnt. Ein ziemlich bemerkenswerter Hinweis mitten in der Stadt. Wir schauen sicherheitshalber etwas genauer in Richtung Wald und entscheiden, dass wir mit dem Schwarzen und Weißen Turm heute schon genug Höhenmeter gesammelt haben.



Fußgängerzone Brasov, Rumänien
Was uns an Brașov besonders gefällt: Die Stadt fühlt sich trotz ihrer vielen Sehenswürdigkeiten nicht wie ein einziges großes Freilichtmuseum an. Es ist Leben auf den Straßen, Menschen sitzen in Cafés, irgendwo läuft Musik – und zwischen all den historischen Gebäuden findet ganz normaler Alltag statt.

Wir lassen uns treiben, schauen hier und da hinein und stellen irgendwann fest: So kann man einen Tag auch verbringen.



Nur zurück zu unserer Unterkunft müssen wir dann noch.

Und da wären wir wieder beim Thema Berg.

Unterkunft am Berg, Brasov, Rumänien
Unser Apartment liegt nämlich ziemlich weit oben. Und mit „ziemlich weit oben“ meine ich: Die Straßen sind teilweise so steil, dass man sich beim Hochlaufen fragt, ob man nicht versehentlich eine Bergwanderung gebucht hat.

Dafür ist es ruhig.

Außerdem verfügt das Apartment über zwei Dinge, die sich heute als ausgesprochen wertvoll herausstellen: Heizung und Waschmaschine.


Die Waschmaschine läuft irgendwann, wir machen es uns gemütlich und die Heizung darf zeigen, was sie kann. Nach mehreren Wochen unterwegs fühlt sich so ein warmes Apartment plötzlich ziemlich luxuriös an.

Draußen sind es gerade einmal 12 Grad, drinnen ist es warm, die Wäsche dreht ihre Runden – und wir lassen den Tag langsam ausklingen.

Kloster, Festung, Dracula, Brașov und ein Berg zum Abschluss.

Mehr kann man in einen Tag eigentlich kaum reinpacken. Jetzt reicht's aber auch – Füße hoch und morgen sehen wir weiter.


Katarinentor, Brasov, Rumänien

Stadtmauer mit Wehrtürmen, Brasov, Rumänien

Piața Sfatului, Brasov, Rumänien