Montag, 28. September 2026

Castelul Corvinilor– Mittelalter auf großer Bühne

Castelul Corvinilor, Hunedoara, Rumänien

Nach all den Wehrkirchen und Klöstern der vergangenen Wochen sind wir inzwischen ziemlich gut darin, mittelalterliche Mauern zu erkennen. Aber dann kommt Castelul Corvinilor, die Burg von Hunedoara. Sie sieht tatsächlich so aus, als hätte jemand eine mittelalterliche Filmkulisse gebaut: Türme, Zinnen, hohe Mauern, eine lange Holzbrücke und jede Menge dramatische Architektur.


Castelul Corvinilor, Hunedoara, Rumänien

Schon der erste Blick macht klar: Hier wollte man nicht nur sicher wohnen, sondern auch Eindruck machen.







Die Burg geht im Kern auf das 15. Jahrhundert zurück und ist eng mit dem ungarischen Heerführer Johannes Hunyadi verbunden. Später wurde immer wieder umgebaut und erweitert. Heute gehört sie zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Rumäniens.

Und das merkt man. 

Castelul Corvinilor, Hunedoara, Rumänien

Touristen gibt es zuhauf – allerdings nur wenige ausländische Besucher. Die große Mehrheit sind Rumäninnen und Rumänen – Familien, Gruppen, Kinder, Großeltern. Corvinilor scheint also vor allem ein beliebtes Ausflugsziel im eigenen Land zu sein.





Es gibt einen ausgeschilderten Rundweg durch die Burg. Theoretisch jedenfalls. Praktisch hält sich kaum jemand daran.

Es geht über Treppen, durch Höfe und Räume, wieder hinaus und irgendwo anders wieder hinein. Die Burg ist so groß, dass man dabei durchaus den Überblick verlieren kann.


Castelul Corvinilor, Hunedoara, Rumänien

Was uns besonders gefällt: Corvinilor ist nicht geschniegelt und auf Hochglanz poliert. Vieles ist restauriert oder rekonstruiert, aber eben nicht alles. Zusammen mit den Türmen und der Lage ergibt das genau diese Mischung aus echter mittelalterlicher Burg und ziemlich perfekter Fotokulisse.





Natürlich hat auch Corvinilor seine Dracula-Geschichte. Vlad III. Drăculea, der historische „Dracula“, soll hier zeitweise gefangen gehalten worden sein. Historisch belegt ist das aber nicht.

Aber was macht man mit einer spektakulären mittelalterlichen Burg und einer Figur, die weltweit als Dracula bekannt ist? Man bringt die beiden irgendwie zusammen.


Castelul Corvinilor, Hunedoara, Rumänien

Wir sind inzwischen lang genug in Rumänien, um zu wissen: Dracula ist hier so etwas wie ein touristischer Joker. Irgendwann taucht er auf. Wenn nicht als historische Tatsache, dann wenigstens als Legende, Souvenir oder Werbeidee.

Corvinilor braucht ihn eigentlich gar nicht. Die Burg ist auch ohne Vampir ziemlich beeindruckend.



Nach den eher stillen Wehrkirchen und Klöstern der letzten Wochen wirkt Corvinilor fast ein bisschen wie der große Auftritt zum Schluss: viele Menschen, viel Gewusel und eine Burg, die sich ziemlich offensichtlich ihrer Wirkung bewusst ist.

Wir stehen also mittendrin, schauen nach oben, warten auf eine Lücke für ein Foto und denken kurz an die vielen kleinen Kirchen zurück, bei denen wir teilweise die einzigen Besucher waren.


Castelul Corvinilor, Hunedoara, Rumänien

Hier sind wir definitiv nicht allein.

Aber das ist auch ganz schön. Die Rumänen selbst scheinen jedenfalls zu wissen, was sie an ihrer Burg haben. Und während wir uns langsam wieder Richtung Ausgang schieben, ist klar: Corvinilor ist kein stiller Geheimtipp. Muss es auch gar nicht sein. Manche Burgen dürfen einfach groß auftreten.


Castelul Corvinilor, Hunedoara, Rumänien

Castelul Corvinilor, Hunedoara, Rumänien