Sonntag, 27. September 2026

Die Paläste von Hunedoara – wenn ein Haus einfach nicht groß genug ist

Roma-Paläste, Hunedoara, Rumänien

Wir fahren durch Hunedoara. Eigentlich wollen wir zur Burg Corvinilor. Ich schaue aus dem Fenster – und brauche ungefähr drei Sekunden, um zu merken, dass hier irgendetwas nicht in mein bisheriges Rumänienbild passt. 

Roma-Paläste, Hunedoara, Rumänien


Da steht ein Haus. Nein. Ein Palast. Mit Türmchen. Säulen. Balkonen. Glänzendem Dach.

Ich schaue nach vorne. Da steht das nächste. Und dahinter noch eins.





Wir kennen inzwischen die rumänischen Varianten von „Haus“. Kleine Häuschen, riesige Betonhäuser, hübsche Holzhäuser und Gebäude, bei denen man sich fragt, warum man ausgerechnet diese Farbe für die Fassade gewählt hat. Aber das hier ist eine andere Liga.

Hunedoara kann offenbar auch: „Wenn schon Haus, dann aber richtig.“


Roma-Paläste, Hunedoara, Rumänien


Diese auffälligen Häuser werden häufig als „Roma-Paläste“ bezeichnet. Einige entstanden nach 1989 im Zuge neuer wirtschaftlicher Möglichkeiten dieser nationalen Minderheit und wurden auch zum sichtbaren Ausdruck von Wohlstand und Erfolg. Türme, Kuppeln, Säulen, Erker, Rundbogenfenster und glänzende Dächer – manchmal alles gleichzeitig.



Manches erinnert an ein französisches Schloss, manches an eine italienische Villa und manches an ein Hotel.

Einen einheitlichen Stil gibt es nicht. Gerade diese Mischung macht die Häuser so spannend.

Eine mittelalterliche Burg ist voller Türme und Mauern, weil es einen ganz praktischen Zweck hatte: Schutz. 


Roma-Paläste, Hunedoara, Rumänien

Die neuen Paläste erzählen eine andere Geschichte – von Wohnen, Wohlstand und persönlichem Geschmack. 

Nicht: „Bleibt draußen, hier wird verteidigt.“ Sondern eher: „Schaut her, das haben wir uns aufgebaut.“





Und plötzlich sind die Häuser noch interessanter, weil sie etwas über die Menschen erzählen, die sie gebaut haben.

Und genau deshalb mag ich solche Reisen

Eigentlich wollten wir nur zur Burg. Dann sehen wir diese Häuser und denken darüber nach, wie unterschiedlich Menschen zeigen, was ihnen wichtig ist. 


Roma-Paläste, Hunedoara, Rumänien

Genau solche Momente bleiben mir von einer Reise oft stärker im Kopf als der nächste Pflicht-Haken im Reiseführer.

Vielleicht ist das überhaupt das Spannende am Reisen: Man sieht etwas, das einem zunächst fremd vorkommt – und wenn man genauer hinschaut, steckt dahinter meistens mehr als nur ein ungewöhnliches Haus.




Man weiß nie, was hinter der nächsten Kurve kommt. Manchmal ist es eine Burg. Manchmal ein Bär. Und manchmal ein Haus mit drei Türmen.

Roma-Paläste, Hunedoara, Rumänien